Ich mag die Welt nicht wie sie ist. Und, um ehrlich zu sein, ich mag auch die Menschen in ihr nicht besonders. Sie sind im Großen und Ganzen überraschungsarm, ignorant, langweilig, selbstverliebt und – vor allem anderen – enttäuschend. Aber was soll ich sagen? Ich bin ja selbst einer von ihnen. Und eben genauso. Und entsprechend dieser Worte habe ich die Entscheidung getroffen, diesen Blog nicht weiterzuführen. Weil mir schlicht der Sinn dieses elenden Geschreibsels abhanden gekommen ist. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, dass ich in den letzten drei Jahren mit diesem Projekt quasi im Nebel rumgestochert habe. Bis auf wenige Ausnahmen keine Response erhielt und nicht mal sagen kann, aus welchem Grund sich die paar Leutchens, die auf dieser Seite landen, überhaupt hierher verirren. Nein, ich muss einfach erkennen, dass ich eben das tue, was ich an Anderen so sehr verachte. Unglaublich selbstgerecht und moralisierend über den sittlichen Verfall der Welt zu schwadronieren und schlaue Halbgescheitheiten zum Besten zu geben, um mich am Ende als einer derjenigen wähnen zu dürfen, die es ja immer schon gewusst haben. Und immer schon gemahnt. Und wo ich nur noch Schlaumeier, Wichtigtuer, Klugscheißer, Laberköppe und Dummschwätzer auszumachen glaube, muss ich mir eingestehen, dass ich genauso einer bin.
Im Grunde bewundere ich die Wulffs und Guttenbergs dieser Welt. Im Endeffekt machen sie es richtig. Sie haben es mit ihren Methoden in die höchsten Ämter des Staates gebracht. Haben Familien, die sich für sie einsetzen, komme was wolle. Freunde, die in Talkshows nur gutes über sie zu berichten wissen. Was, verdammte Scheiße, will man mehr? Und selbst wenn Wulff am Ende doch noch gezwungen wäre zurückzutreten wie der sicher wiederkommende Guttenberg – kaum vorstellbar, dass der Eine wie auch der Andere nicht gern gesehener Partygast wäre. Beliebt und angesehen bei Legionen von Menschen, ganz gleich was auch kommen mag. Und nun sehe ich mir im Gegenzug mein Leben an. Wie ich hier allein im Keller sitze und diese jämmerlichen Zeilen schreibe. Die Flagge der Gerechtigkeit, der Ehrbarkeit, der Integrität vor mit hertragend. Ich jedenfalls kann nicht behaupten, im Leben sonderlich viel erreicht zu haben. Habs nicht zum Bundespräsidenten gebracht oder zum Verteidigungsminister. Nicht mal zum Kassenwart vom Ortsverband Schwäbisch Gmünd. Aber hier zu sitzen und große Töne zu spucken, davon zu palavern, dass man die Welt retten könnte, wenn man nur die Gelegenheit dazu bekäme, und mit Unverständnis und Fassungslosigkeit auf all die verlotterten Gestalten geradezu hinabzublicken. Dazu bedarf es kaum mehr als einer Tastatur und nem Internetzugang. Was unterm Strich einfach nur erbärmlich ist.
Zumal ich inzwischen das Gefühl habe, mich ständig zu wiederholen. All diese Dinge hier in irgendeiner Form schonmal gesagt zu haben. Klar, ich kann jetzt noch einen vom Pferd erzählen und ein paar Zeilen über die Dinge verlieren, die ich eben noch in ein paar Büchern gelesen habe. Aber ich denke, eine Literaturliste tuts auch. Und wenn ich Lust hab, reiche ich die vielleicht noch nach. Bis auf Weiteres aber melde ich mich ab. Schlicht, weil ich mich selbst nicht mehr Labern hören kann.
Und, um am Ende nicht noch ungewollten Pathos versprühen zu wollen, bleibt mir nur eins noch zu sagen: Go, fuck yourself!
Und das mein ich so wie es da steht.

