Archive for the ‘Das Netzwerk’ Category

Auf webwiki.de ist folgender Eintrag zu finden:

Also ehrlich. Treffender kann man es nicht umschreiben.

Es hat sich ganz schön was verändert in der Welt seit wir diesen Blog im April 2009 begonnen haben. Damals war die Krise, die die Welt überrollt hat, erst als schwacher Schimmer am Horizont erkennbar, auch wenn damals schon dauernd von Banken-Zusammenbrüchen und Massenentlassungen gesprochen wurde. Doch damals schien die Welt irgendwie noch in Ordnung, und man hatte das Gefühl, dass all die Probleme, von denen nun geredet wurde, sich schon irgendwie wieder einrenken würden. Naja, ich brauche ja niemanden daran zu erinnern, dass auch damals nicht alles in Ordnung war, insbesondere nicht in Hinblick auf diesen vermeintliche Krieg zwischen Christentum und Islam, der – so kommt es mir jedenfalls vor – das erste Jahrzehnt des Neuen Jahrtausends fast ausschließlich bestimmt hat.

Mag sein, dass es am neuen US-Präsidenten liegt, dass diese Wogen sich geglättet haben, daran, dass Osama Bin Laden inzwischen tot ist und gefühlt jede Woche ein ranghohes Al-Quaida Mitglied von einer Drone in Stücke gerissen wird. Vielleicht sind auch durch die Verschiebung alter Machtverhältnisse – der Aufstieg Chinas, der Arabische Frühling – einige althergebrachte Vorstellungen ins Wanken geraten und dieser seltsame “Kampf der Kulturen” im Nachhalldes 11. Septembers einfach nicht mehr so wichtig und überholt. Womöglich tobt er auch ungehindert weiter, und wir kriegen es einfach nicht mehr so mit, weil die Ereignisse sich angesichts all der drohenden Staatsbankrotte schlichtweg überschlagen. Oder die Welt stellt nun und mit Verblüffung fest, dass der gute, alte “Westen”, der sich jahrzehnte- wenn nicht jahrhundertelang mit Selbstverständlichkeit eines Auserwählten als Herrscher über den Planeten wähnen durfte, inzwischen ein ziemlich bedauernswertes, geradezu jämmerliches Bild abgibt, und sich nicht einmal mehr zu bekämpfen lohnt. Wie etwa, wenn das Bundesamt für Wehrverwaltung einen Soldaten im Afghanistan-Einsatz auffordert, einen auf einer Patrouille verloren gegangen Handschuh im Wert von 7,17 Euro zu ersetzen. Oder die Bundespolizei das Benzin rationiert, weil einfach das Geld fehlt. Ojemine.

Ganz am Anfang hatte ich die sehr unkonkrete Idee, mittels dieses Blogs ein Netzwerk aufzubauen, in dem sich Gleichgesinnte austauschen und gemeinsam mögliche Lösungen erörtern, wie dieser ganze Quatsch, der sich dort draußen vor unserer Tür abspielt, zu beenden ist. Da damals schon abzusehen war, dass dieses System sich innerhalb der nächsten zehn Jahre überleben wird, hatte ich gehofft, sich mit und mit immer mehr Menschen finden zusammenfinden würden, die gewillt wären, aufzustehen und wirklich etwas zu verändern. Nun, diese Leute gibt es tatsächlich, immer mehr, in immer mehr Ländern – Griechenland, Spanien, Ägypten, USA, Großbritannien, Chile. Sie streiken, rufen zum Protest auf, beklagen die Ungerechtigkeit mittels des Internets, bringen Machtverhältnisse ins Wanken von Tripolis bis Stuttgart und wählen aus lauter Verzweiflung unnütze Parteien. Antworten aber geben sie nicht. Und das ist das Mysterium für mich, dass mich immer noch mit tiefer Ratlosigkeit befällt. Dass es die Antworten gibt. Und sie niemand hören will. Oder kennt. Oder abtut als unsinnig. Undurchführbar. Hanebüchen. Als ob die Rezepte von Schwarz-Gelb, Rot-Grün, Rot-Rot-Orange, Blassblau, Schneeweiß, Rosarot, Kotzgrün oder Tea-Party-Braun sinniger wären. Durchführbarer. Und nicht aus dem Holz der Hagebuche. Ich begreif’s einfach nicht. Ganz ehrlich.

Auch wenn mich gerade dieser Umstand jedesmal wieder aufs Neue zwingt, weiter zu machen. Auch wenn es mich – wie phasenweise bei der letzten Serie zu den Märkten – selbst über weite Strecken langweilt. Aber vielleicht hilft es ja was. Man weiß ja nie.

Ich danke meinen Mitstreitern, allen voran Sir Winston Wolf, Bibi Blogs, Agnieszka, Miss Me Too und allen, die immer mal wieder oder auch regelmäßig hier vorbeischauen. Und da ich weiß, dass das inzwischen ziemlich viele Leute sind, schließe ich mit der Bitte, doch in Zukunft vielleicht mal den ein oder anderen Artikel zu kommentieren. Damit ein bisschen mehr Interaktion stattfindet und vielleicht ein paar neue Ideen entstehen.

In den nächsten 500 Artikeln.

Mai 17

?

Posted by me in Das Netzwerk

Es ist unschwer zu erkennen, dass dieser Blog mehr oder minder zum Stillstand gekommen ist. Zwar hält Sir Winston Wolf dizrespect.com mit seinen Videos-der-Woche unermüdlich die Stange – wofür ihm ehrlicher Dank gebührt. Die anderen Autoren allerdings – und damit meine ich selbstredend an erster Stelle mich – haben den Betrieb im Großen und Ganzen eingestellt. Dabei lief es zuletzt eigentlich ziemlich gut, wie man an den stetig steigenden Besucherzahlen auf dieser Seite erkennen konnte.

Es hat sich schon Ende letzten Jahres abgezeichnet, dass mir allmählich die Luft ausgeht hinsichtlich der Blogs und zu behandelnden Themen. Wenn ich mir meine Artikel vom Dezember / Januar ansehe, dann wirke ich darin schon so ratlos, wie ich mich jetzt fühle. Ich habe sogar versucht, ein Ziel zu formulieren, damit dizrespect.com vielleicht eine – oder eine neue – Richtung bekommt: “Und ich wünsche mir, mit diesem Blog – zumindest im Moment – einen kleinen Beitrag zu leisten, dass wir mehr von und in uns selbst erkennen. Um überhaupt erst einmal zu verstehen wie wir ticken und warum überhaupt. Denn erst dann können wir vielleicht Wege finden wie wir überhaupt miteinander klar kommen lernen: “Ich wünsche mir, mit diesem Blog – zumindest im Moment – einen kleinen Beitrag zu leisten, dass wir mehr von und in uns selbst erkennen. Um überhaupt erst einmal zu verstehen wie wir ticken und warum überhaupt. Denn erst dann können wir vielleicht Wege finden wie wir überhaupt miteinander klar kommen lernen.” So klang das, schon deutlich ernüchtert, im Januar.

Danach folgte Fukushima, Griechenland zum 26., der sich abzeichnende Bankrott der USA, der Tod von Osama Bin Laden, mehrere Facebook-Datenschutz-Skandale, die Schließung der dänischen Grenzen, begleitet von unüberschaubaren Unruhen in gefühlt einem Dutzend Arabischer Länder. Und die Einsicht, dass dieser Blog von der Wirklichkeit überholt wurde.

Es war immer meine Hoffnung – und sie ist es immer noch – dass wir – wir – wirklich etwas verändern können. Etwas tun können, die Welt zu retten, wie es so schön heißt in der Tagline dieses Blogs. Dass das thematisieren von Missständen, das Aufzeigen, Diskutieren darüber einen Sinn hat, der über reine Wortgeschiebereien hinausgeht. Und dass auch die realen Dinge, die dieser Blog angeschoben hat, allen voran das PAL-Projekt vielleicht irgendwohin führen. Und muss nun erkennen, dass das Alles überhaupt nirgendwohin führt. Heute schiebe ich immer noch Donnerstag Rollstühle durch die Gegend, wenn ich Zeit habe. Auch wenn ich am Ende wieder dort ankomme wo ich losgegangen bin.

Was soll ich schreiben? Noch zwölf Artikel über die katastrophale Wirkung des Zinssystems? Darüber, dass Guttenbergs Facebook-Jünger immer noch an die Aufrichtigkeit ihres Messias glauben und nichts anderes gelten lassen, obwohl inzwischen bewiesen ist, dass dieser Kretin nicht nur ein Blender ist, sondern schlichtweg ein Lügner, der sich zudem noch als in jedweder Form unfähiger Minister herausgestellt hat? Schon wieder? Zu welchem Zweck? Zu welchem Zweck soll ich über die Spieltheorie schreiben, über psychologische Erkenntnisse, die uns besser verständlich machen, warum diese lächerliche Ansammlung kultivierter Affen, die auf einem winzigen Stein durchs Nirgendwo fliegen, sich das Leben so schwer machen? Um mich selbst reden zu hören? Oder gar den Lesern etwas zu zeigen, was sie vielleicht noch nicht wussten? Aber warum beschränk ich mich dann nicht einfach auf Literaturangaben und die Verlinkung von Spiegel-Online-Artikeln, statt denselben Blödsinn zu erzählen, der in den endlosen Weiten des Netzes einmal rumgereicht wird? Ich habe nicht die geringste Ahnung warum ich das tun sollte. Denn allein der Gedanke daran lässt mich vor Langeweile fast unter den Tisch sinken.

Ich frage Euch das ehrlich. Und vielleicht kann mir einer von Euch eine Antwort darauf geben? Was stelle ich – was stellen wir jetzt an mit diesem Blog? Ich meine das wirklich Ernst. Wenn einem irgendetwas dazu einfällt, dann bitte, bitte schreibt mir. Ich selbst bin schlichtweg ratlos.

Apr 26

26. April 2009

Posted by Bibi Blogs in Das Netzwerk

Auch Blogs haben Geburtstag.
Unser wird 2 Jahre alt. Heute am 26. April.

Tschernobyl wird 25 Jahren alt und der Rest der Welt spielt mal wieder verrückt.
Sei es Fukushima oder Libyen, lügende Minister oder echte Demonstranten.
Ich habe zwar keine Torte, aber die zwei kleine Lichter möchte ich heute schon anzünden. Die erste Kerze blase ich für die Leute aus, die uns unterstützen und diesen Blog mit Leben füllen. Die zweite Kerze ist für den wachen Blick und für die hoffentlich nie enden wollenden Grundgedanken, das was wir Erde nennen zu beschützen und zu hinterfragen. Auch wenn ich gerade das Gefühl habe, dass die ganzen Sensationen überhand nehmen und ich nicht selten Lust hätte, einfach mal was Belletristisches zu schreiben.Einfach nur so, weil alle anderen was Anderes machen.

Happy Birthday dizrespect.com
Ich trink ein Glas auf Dich.

Ganz einfach und schmerzlos und vom ganzen Herzen: ich wünsche Euch ein glückliches Neues Jahr! Möget Ihr weiser werden, aus Fehlern lernen, neue Fehler begehen, neue Erfahrungen sammeln, weiter schreiten, keinen Hunger leiden, einwenig Luxus erfahren, Freundschafet begegnen, Liebe begegnen und alles halb so ernst nehmen!

Reichlich thematisiert wurde die ganze Veranstaltung ja schon. 20 Jahre Wiedervereinigung, so steht es schließlich schwarz und weiß auf dem Papier. Politiker hielten prosaische Reden und Udo Lindenberg durfte auch seinen Beitrag zum Revue-Passieren-Lassen halten. Es sind nicht unbedingt die Landschaften erblüht, die man einst versprochen hatte, aber eine Annäherung, eine Annäherung ist da.

Annäherung – das ist mein Stichwort. Was hatte ich in der Uni nicht alles über die Fremde gelernt und gelesen! Über europäische Schriftsteller etwa, die noch nie Afrika oder Amerika gesehen hatten, aber fleißig Meinung streuten, wie es da wohl aussehen mag und wie die Leute dort sind. Und das Ergebnis sind dann jene Klischees, die man Wahrheit nennt, weil man es – mit Verlaub – nicht besser kennt.

Ich bin ja ein gesamtdeutsches Mädchen. Auch wenn dieses Wort wirklich Übelkeit in mir auslöst, bin ich rein geografisch verpflichtet, das zu sagen, denn ich bin in Ost- und West-Berlin zu Hause. Ebenso wie in Düsseldorf und Magdeburg. Weil da Leute wohnen, die ich liebe. Aber natürlich nur weil ich sie kennengelernt habe.

Ich weiß nicht ob es sprudelnde Naivität war, dass wir diesen Herbst beschlossen haben 50 deutsche Städte in 14 Tagen zu besuchen und in jeder ein Lied für die Menschen in Deutschland zu singen. Eine Mission zur Verständigung und des Händereichens. Einen Vertrag mit der Zukunft, ohne Klischees und Vorwürfe. Und dass diese Aktion letzten Endes dann eine Geheimmission wurde, von der niemand so richtig Notiz nahm, lag an 1000 Faktoren und tut auch nichts zur Sache.

Viel wichtiger fand ich für mich die Erkenntnis, dass es sich gar nicht allein um Ost und West dreht, was die Unterschiede zwischen den Deutschen anbelangt. Sondern dass diese Diskrepanzen auch zwischen Nord und Süd bestehen, zwischen Schwaben und Pfälzern zum Beispiel, Kölnern und Düsseldorfern natürlich und vielleicht auch zwischen Bayern und Berlinern liegen kann.

Es ist ein Ausdruck der Fremde und Fremdartigkeit – der vielleicht schlechten Erfahrung die man mal gemacht – oder auch nur gehört hat. Dagegen aber hilft nur eins: nicht drüber nachdenken und weiter machen. immer weiter machen, bis es normal wird. Denn alles was man kennt, lernt man nicht unbedingt lieben- aber vielleicht ein bisschen mehr verstehen.

Okt 14

Das Ende ist der Anfang

Posted by me in Das Netzwerk

Ich möchte mich ehrlich dafür entschuldigen, dass dizrespect.com so lange nicht verfügbar war. Seit Beginn im April 2009 waren wir auf einem anderen Server gehostet, weil der Blog zunächst als Test gedacht war. Da es nun jedoch nicht so aussieht, dass zumindest ich das Schreiben wieder einstelle, habe wir uns entschlossen, endgültig auf den dizrespect-Server umzuziehen, was offensichtlich zu einigen Schwierigkeiten geführt hat, jetzt aber endlich abgeschlossen ist. Es wird noch einige Zeit dauern bis alle internen Links, das bitte ich an dieser Stelle gleich auch noch zu entschuldigen. Ansonsten läuft alles weiter wie gehabt, und ich danke, dass sich jetzt auch die Anzahl der Veröffentlichungen wieder auf ein normales Maß hochpendelt.

Nichtsdestotrotz waren wir der Zwischenzeit nicht untätig und haben angefangen neben dem Blog ein Forum aufzubauen, das noch in den Kinderschuhen steckt, an dieser Stelle aber ruhig schon einmal erwähnt werden soll:

http://www.probleme-anderer-leute.org/forum/

Dort werden wir die hier auf dem Blog entwickelte Idee des PAL-Projektes weiter vertiefen, weil sich für alle eine besseren Möglichkeit bietet, über Für und Wider und so weiter zu diskutieren.

Danke abschließend an Silke und Mark, ohne die dieser Umzug nicht möglich gewesen wäre.

Also: Auf ein Neues!

Eins der bemerkenswertesten Bücher, die ich gelesen habe, ist Guy Kawasakis inzwischen leider vergriffenes Gesetze für Revolutionäre, dessen zweites Kapitel überschrieben ist mit:
Don´t worry, be mies (engl. Don´t worry, be crappy). Was Kawasaki in dem Kapitel sagt ist, dass man mit einem Projekt erstmal starten soll, auch wenn es am Anfang womöglich chaotisch ist und unzureichend. Denn das was man an Feedback bekommt, wenn man sich den Realitäten (bei Kawasaki: des Marktes) stellt, ist wertvoller als alle hochtrabende Planung und Theorie. Und eine unschätzbare Hilfe, wenn man sich verbessern will. Ironischerweise ist das auch einer der Hauptkritikpunkte, die ich den von mir so oft schon gescholtenen Linken vorwerfe: Dass sie in ihren Zirkeln sitzen und sich darin gefallen, schöngeistige Reden zu schwingen. Statt aufzustehen und mehr zu tun als hin und wieder wahlweise gegen Hartz IV oder irgendwelche Nazi-Vollidioten zu demonstrieren.

Aber weg von den Linken, hin zum PAL-Projekt. Für das derselbe Grundsatz gilt von Beginn an. Don´t worry, be mies. Um uns das Ganze noch einmal in Erinnerung zu rufen: Mitte letzten Jahres hat das ganze begonnen mit dem Fischer-Projekt, einer einmaligen Sache, bei der wir Frau B. Bett und Küche gebaut und die Wohnung mal aufgeräumt haben. Im Verlauf dieser Aktion entstand die Idee, diese Art der Bedürftigen-Hilfe dauerhaft zu etablieren. Also haben wir uns ein Altenheim gesucht, und sind mit den gehbehinderten Leuten dort einmal in der Woche Enten füttern gegangen. Die geleisteten Stunden wurden – und werden – von der Altenheim-Verwaltung dokumentiert und alle Helfenden bekommen ¥€$-Punkte für ihre Arbeit. Damit war das PAL-Projekt geboren (dessen Name sich ursprünglich auf Douglas Adams’ Buch Per Anhalter durch die Galaxis bezieht und zuerst als Witz gedacht war). Und nun, ein Jahr später, schreibt mich eine mir nicht bekannte Person an, Miss Me Too, und fragt, inwiefern man das Projekt auf andere Hilfsbedürftigen-Gruppen übertragen könne. Unabhängig von den zig Leuten, mit denen wir in der Zwischenzeit darüber geredet haben, und die alle mehr oder minder begeistert sind von der Idee. Dazu kann ich nur sagen: Hammer. Und dass es mich echt freut, dass sich wirklich was bewegt. Wenn auch noch ziemlich chaotisch. Und in Tip-Top-Schritten.

Nehme ich Miss Me Toos Kommentar daher zum Anlass, um eine Zwischenbilanz zum PAL-Projekt zu ziehen, und zusammenzufassen, was sich aus unserer Arbeit und allen Gesprächen, die wir zwischenzeitlich geführt haben, ergeben hat:

1. Die Situation dürfte jedem klar sein, dennoch eine kurze Prognose: ohne Schwarze Schafe an die Decke malen zu wollen, aber: Das System wie wir es kennen schlittert dem Untergang entgegen. Wie ich bereits an anderer Stelle ausgeführt habe, wird das Zinssystem und die damit zusammenhängende Staatsverschuldung auf kurz oder kürzer dazu führen, dass unser Staat und alle übrigen Staaten unter den Zinslasten und Schuldenbergen zusammenbrechen wird. Wie es in Griechenland bereits geschehen ist – und trotz der Billionen und Billiarden, die sie jetzt auf Pump (!) in den Markt blasen. Zu diesen monetären Problemen kommt eine systemimmanente Sockelarbeitslosigkeit, die – bedingt u. a. durch die Entwicklung hin zur Dienstleistungsgesellschaft – den Effekt hat, dass es nicht genug (bezahlte) Arbeit gibt, um alle arbeitsfähigen Menschen zu beschäftigen. Was neben einem offensichtlichen Allokationsproblem vor allem das Problem mit sich bringt, dass Menschen innerhalb der Gesellschaft ausgegrenzt werden, sozial und vor allem ideell.

2.  Was das zur Folge hat – wer weiß? Jedenfalls wird es nicht mehr lange so weitergehen. Ich lese grade ein Buch mit dem Titel: Wann kommt der Staatsbankrott? Gedruckt 1982. Also, das wird nicht mehr lange dauern. Ich glaube, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass es wahrscheinlich schlimmer wird als besser. Was auch immer das heißt. Und dass insbesondere für soziale Dienste immer weniger Ressourcen zur Verfügung stehen werden. Siehe bspw. das Sparpaket. Das leider auch nicht helfen wird.

3. Fassen wir also zusammen. Auf der einen Seite haben wir eine überalternde Gesellschaft, die sich weder ausreichend um die Alten noch ausreichend um den Nachwuchs kümmern kann, und die zwar Ressourcen zur Verfügung stellt, um ihre Kranken und Pflegebedürftigen hinreichend mit Medikamenten und ärztlichen Leistungen zu versorgen. Sonstige – nennen wir sie einmal gefühlsduselig menschliche – Leistungen aber immer weiter zurückschraubt, weil schlicht kein Geld da ist. Auf der anderen Seite steht unserer Gesellschaft ein größer werdender Pool an Menschen zur Verfügung, die (im Großen und Ganzen) arbeitswillig und arbeitsfähig sind, für die es jedoch systembedingt immer weniger Arbeit gibt und geben wird. Zum Dritten leben wir innerhalb eines Wirtschaftssystems, das zusammenzubrechen droht und niemand vorhersagen kann, was dann passieren wird.
Im August 1939 noch war sich – trotz des hitlerschen Säbelrasselns und der deutschen Annexion ganzer Länder – kaum ein Mensch des sich abzeichnenden Krieges bewusst. Schlicht weil Menschen insgesamt dazu neigen, den bestehenden Zustand als gegeben zu akzeptieren. Und auf das Beste zu hoffen. Wollen wir nun hoffen, dass es nicht zu (Bürger-)krieg und Verteilungskämpfen kommt, wenn das System zusammenbricht. Wenn wir plötzlich vor leeren Supermarktregalen stehen und kein fließendes Wasser mehr aus der Leitung kommt. Weil auch die Zahlungsströme versiegt sind.

4. Das PAL-Projekt oder das dahinterstehende Prinzip kann helfen, die unter 3. genannten möglichen Effekte zu dämpfen. Hauptsächlich weil es Hilfebedürftige und Hilfewillige zusammenführt. Daneben aber, weil es ein Parallelsystem (ein komplementäres Wirtschaftssystem) befördert, das unabhängig existiert vom regulären Geldmarkt. Sollte es auf diesem dann zum Zusammenbruch kommen, können die durch ein solches Netzwerk entstanden Organisationsstrukturen helfen, das System der notwendigen gegenseitigen Hilfe (Arbeitsteilung) aufrecht zu erhalten.

5. Das Prinzip selbst ist denkbar einfach. Man geht hin und hilft irgendwelchen hilfebedürftigen Menschen. Fertig ist der Lack. Doch natürlich ist es so einfach dann doch nicht. Zum einen weil, wie Miss Me Too richtig bemerkt, man in Konkurrenz tritt zu anderen Pflegeinstitutionen. Das wird im Moment noch kein Problem sein, weil wir Wenige sind. Aber zunehmend problematisch, wenn das Projekt ins Rollen kommen sollte. Schließlich gibt es immer nur einen Kuchen zu verteilen. Und das bezieht sich auch auf die Pflege.
Ich werde das an andere Stelle vertiefen, der Artikel ist ohnehin schon viel zu lang. Außerdem werden sich damit am Ende eher Anwälte auseinandersetzen. Auch andere Probleme, nämlich vor allem das Problem der Geldschöpfung (die ¥€S-Punkte sind und wären eine komplementäre Währung) und das damit in Zusammenhang stehende Problem der Schwarzarbeit kann und soll hier nicht behandelt werden. Ich verspreche aber, das so schnell wie möglich auszuführen.

Insgesamt geht es und muss es darum gehen zu helfen. Das ist der Kern der ganzen Angelegenheit.  Und wenn das ganze am Ende nichts bringt, das PAL-Projekt scheitert, die dämlichen ¥€$-Punkte und all die kilometerlangen Ausführungen und Überlegungen nirgendwohin führen und in einem Jahr schon niemand mehr davon redet. Haben wir am Ende ein paar alten Leuten einen schönen Tag am See geschenkt und mit ihnen die Enten gefüttert. Und wenn es auch nur eine Stunde war.

Dann hat das Alles was gebracht.

Jun 18

Ego altro

Posted by agnieszka in Alles wird Gut, Das Netzwerk

“Wenn man sich zu sehr im eigenen Leid suhlt, sollte man anderen helfen”, sagte eine Freundin heute vormittag zu mir und zitierte damit Napoleon Hill. Einigen seiner Theorien gegenüber bin ich etwas skeptisch eingestellt, aber diese kann ich unterschreiben. Nicht, dass es mir elendig gegangen wäre, der Morgen war leicht von einer gewissen Unruhe und unerklärlicher Trauer eingenebelt, aber suhlen – das tat ich nicht. Und so weit wollte ich es auch nicht kommen lassen.

Was tun also? Endlich ein Versprechen einlösen, dass ich mir und einem Freund gegeben habe, und nachmittags ab ins PAL-Projekt, sprich ab ins Seniorenheim am Friedrichshain. Dort zusammen mit einer Freundin – wir beide leicht verspätet – zwei Menschen an den Griffen ihrer Rollstühle hinaus gerollt ins Grüne. Zwei Menschen, die sich nicht allzugut artikulieren konnten, die ihre Körper kaum bewegen konnten, zwei Menschen von der Sorte, von der man meistens nicht weiß, wie man ihnen begegnen soll, wenn sie einem auf der Strasse begegnen, geschweige denn ansprechen würden.

Verständlich war ihre Sprache kaum, und doch habe ich das meiste verstanden. Ich war zunächst unsicher, ob ich auch alles richtig mache, ob die das auch wirklich wollen, sind ja schließlich fremde Menschen, Menschen vor allem, mit denen man genauso lernen muss umzugehen wie mit jedem anderen.

"Alte Frau" - Matthias Klemm

Die Unsicherheit hielt mich nicht auf und war erstaunlich schnell verflogen. Im Park stießen wir auf den Rest der Gruppe, insgesamt ca. 10 ältere Menschen, die an einen Rollstuhl gefesselt sind, ihre “Schieber”, die zum Teil aus Betreuern und zum Teil aus Freiwilligen bestanden,  und zu guter Letzt eine Gruppe Kinder, die hinter uns her laufend Lieder gesungen haben. Eine Stunde. Mehr war es nicht. Eine Stunde, in der ich Frau X an die frische Luft gebracht habe, in der ich verstanden habe, dass sie sonst nur auf dem Balkon sitzt und es da nicht so schön ist, dass ich ihr die Strickjacke ausziehen soll, weil es zu warm ist, und am Ende derer ich gewusst habe, dass ich am genau richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt war.

Und dass ich wiederkommen möchte. Es ging mir besser. Egoismus? Schon. Wer sagt aber, dass sich Egosimus und Altruismus immer in die Quere kommen müssen? Für alle also, die es ausprobieren wollen: jeden Donnerstag, 16 Uhr, in der Seniorenresidenz Ambiente, Am Friedrichshain 18. Oder im Heim Ihres Vertrauens.

Über dem tropischen Regenwald von Papua-Neuguninea kann man allabendlich eines der merkwürdigsten Schauspiele der Natur beobachten. Millionen von Glühwürmchen erheben sich in die Luft und beginnen zunächst paarweise, dann in Gruppen von drei, zehn, hundert und tausend, ihr Licht fast perfekt zu synchronisieren:

“Stellen Sie sich einen zehn oder fünfzehn Meter hohen Baum vor, auf jedem Blatt ein Glühwürmchen, und all die kleinen Tiere leuchten in perfekt gleichem Rhythmus ungefähr dreimal in zwei Sekunden auf, während in den Zeiten dazwischen der Baum in völliger Dunkelheit liegt… Stellen Sie sich eine Flussböschung von 100, 200 Metern Länge vor, die ganz mit Mangroven bestanden ist, und auf jedem Blatt die synchron aufleuchtenden Glühwürmchen: Die Insekten auf den Bäumen an den Enden des Uferwalds in völligem Gleichtakt mit denen dazwischen.”

So beginnt der heute vor einem Jahr verfasste Artikel Das Funkeln der Glühwürmchen, mit dem wir dizrespect.com gestartet haben. Und auch wenn sich nach einem Jahr immer noch nicht mehr als 8 oder 10 Leute am Tag hierher verirren,  hat sich das Ganze – wie ich finde – bis hierhin trotzdem gelohnt. Immerhin haben wir in dieser Zeit fast 300 Artikel veröffentlicht (dies hier ist der 292.) und ein paar – wie ich hoffe – interessante Dinge thematisiert und aufgezeigt.

Außerdem hat das Schreiben der Artikel geholfen, wichtige Dinge wie das PAL-Projekt klarer herauszuarbeiten. Und einige Dinge über das Geldsystem und diesen ganzen drögen Mist verständlicher zu machen. Und wenn wir es nebenbei noch geschafft haben, die paar Leser mit ein paar witzigen, unterhaltsamen Videos usw. zu unterhalten, hat sich das Ganze…

Aber das hatten wir ja schon. Wir machen jedenfalls weiter machen wir. Und vielleicht werden sich in Zukunft ja noch ein paar andere Leute finden, die Lust haben, an der Seite mitzumachen. Schließlich bleibt ne Menge zu tun.

Um die Welt zu retten.