Archive for the ‘Alles wird Gut’ Category

Kommt ein bisschen spät, ich weiß. Im Moment leider kaum Zeit für den Blog. Und da es sich kaum lohnt, dieser nordkoranischen Drecksau zuviel Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, will ich an dieser Stelle nur mein Bedauern zum Ausdruck bringen, dass sich sein hoffentlich schmerzhaftes und langwieriges Ableben nicht Jahre früher ereignet hat.

Okt 24

Heute? Werbung!

Posted by Winston Wolf in Alles wird Gut

Video der Woche (38): Mustafa’s Gemüsekebap – Davor steh ich mit meinem Namen

Okt 17

Starting a religion 3

Posted by agnieszka in Alles wird Gut

Worauf sonst noch zu achten ist, wenn man eine neue Religion gründet:

  • Es empfiehlt sich, den Menschen nicht nur Wohl auf Erden zu versprechen, sondern auch ein glückliches Leben danach. Vermeiden Sie es dabei, das Wort „Tod“ zu gebrauchen.
  • Treten Sie stets freundlich, aber bestimmt auf. Autorität ist geboten. Wenn Sie sich auf eine Diskussion mit einem blöden Besserwisser einlassen, bringen Sie ihn durch eine Bemerkung über seine Schuhe zum Schweigen, sagen Sie niemals: Ja, aber. Sagen Sie stets: Nein!
  • Zweifeln Sie niemals öffentlich an Ihrer Mission. Falls Sie zur Verantwortung gezogen werden, vergessen Sie nicht: Sie sind nur der Bote!
  • Vermeiden Sie es, Ihre Religion als eine gänzlich abgeschlossene zu propagieren. Halten Sie sich immer ein Hintertürchen offen, zum Beispiel in Form von fortlaufenden Offenbarungen oder neuen Funden – das können Artefakte sein, Steintafeln, Heiligenerscheinungen in Hundehaufen. Achten Sie dabei darauf, dass Sie der einzige sind, dem diese zuteil werden (können).
  • Achten Sie darauf, dass Ihre Religion zumindest oberflächlich mit dem Gesetz vereinbar ist. Sie können sich von Ihren Gläubigen Geld schenken lassen, aber sie nicht dazu anstiften, für Sie zu stehlen. Und unter keinen Umständen lassen Sie es zu, dass eventueller Kindesmissbrauch bekannt wird!
  • Lassen Sie sich nie bei einer Aktivität erwischen, die mit der Religion, die Sie propagieren, unvereinbar ist. Sehe oben.
  • Stellen Sie sich darauf ein, dass Ihnen auch Spott und Feindseligkeiten begegnen. In solchen Situationen ist die Einverleibung einer Opferrolle Ihrerseits von Vorteil. Diejenigen, die über Sie spotten, gehören sicherlich zu den bösen Libeliten, und sie werden in der Hölle schmoren. Wenn das nichts hilft, verwirren Sie die Spötter mit dem Ausdruck: Deine Mutter.
  • Starten Sie Projekte, die sich speziell um Jugendliche, Frauen und Familien kümmern, und reichen Sie bei den Treffen immer Bio-Obst.
  • Verfassen Sie ein Buch zu Ihrer Religion, sie wird es Ihnen danken.
Okt 14

Starting a religion 2

Posted by agnieszka in Alles wird Gut

Hier weitere Tipps zur Gründung einer neuen Religion:

  • Erfinden Sie für die Geschichte Ihrer Religion neue Namen, in denen „ph“, die Endungen „os“, „iten“ oder „lit“ vorkommen, das verleiht den Figuren eine gewisse Seriosität und flößt Respekt ein. Beispiele: der Engel Ronos, die bösen Libeliten, der Urvater Klitolit.
  • Neben der Gottheit sollten Sie weitere Figuren einführen, engelähnliche Wesen, Geister, Heilige – je komplexer, desto besser. Zum Beispiel: der Engel Ronos, die bösen Libeliten, der Urvater Klitolit.

  • Erläutern Sie Ihre Religion möglichst verworren und unverständlich, achten Sie gleichzeitig auf eine gewisse Vielzahl möglicher Interpretationen:

Der Herr Adalbert hat mich gefunden, mich, die ahnte, dass die Wesen, die ihr Götter nennt, keine Gottheiten sind, sie sind geschaffen vom bösen Engel Raschelos, der in eure Ohren Böses flüstert. Ich ahnte es, und doch war ich unwürdig, bis der Herr Adalbert mir seine Weisheit zuteil werden ließ in dem heiligen Bund der Petersilie. Ja, die Petersilie ist sein göttlich Zeichen, denn sie ist gut und sie ist Nahrung für den Körper und die Seele und sie gab es schon immer und ewig, wie es den Herrn Adalbert schon ewig gibt. Und in dem heiligen Bund der Petersilie sah ich die wahre Geschichte unseres Schöpfers und die Geschichte seiner Kinder. Denn aus den Wurzeln entstanden die Boreviten und sie lebten auf der Erde und sie waren gut. Alles Böse kommt von oben, und so fiel durch Raschelos, den Bösen, ein fauler Regen auf die Erde und machte einige der Boreviten, dass sie nach oben strebten, und sie wurden Libeliten und scherten sich nicht um das Recht der Wurzel, die da eint das Weib mit dem Weibe und mit dem Mann und dem Tier. Und ich glaubte, was ich sah, denn der Bund der Petersilie zeigte mir den Herren und euer soll er sein für ewig. Kadabra!

Und es gibt noch einen dritten Teil…

Okt 13

Starting a religion 1

Posted by agnieszka in Alles wird Gut

Glaube scheint zu den Bedürfnissen der menschlichen Spezies zu gehören. Menschen glauben an die Wissenschaft, an Geld, an Außerirdische, Wunder und Engel. Sie glauben anderen Menschen, die ihnen erzählen, sie seien Propheten und hätten in der Jauchegrube hinter dem Haus die neuen Gebote gefunden. Mit dem Bedürfnis der Menschen nach Glauben, lässt sich nebenbei ein hübsches Sümmchen verdienen. Hier einige Tipps zur Gründung einer neuen Religion:

  • Sie können den Menschen eine beliebige, noch so hirnrissige Geschichte auftischen, wenn Sie dabei seriös auftreten. Ungepflegtheit mindert Ihren Erfolg. Ja, Jesus hatte wie ein Hippie ausgesehen, aber das taten damals alle, lassen Sie sich davon nicht beeinflussen. Sind Sie ein Mann, schneiden Sie sich die Haare. Sind Sie eine Frau, rasieren Sie sich die Beine und tragen Sie kurze Röcke.
  • Wenn Sie es schaffen, eine bekannte Persönlichkeit für Ihre Idee zu begeistern, haben Sie den Erfolg so gut wie in der Tasche. Da weder George Clooney noch Madonna auf meine Briefe reagiert haben, habe ich Klaus Wowereit angefragt, der ist ja sonst für jeden Spaß zu haben, ich harre nun der Antwort, aber ich bin sicher, der Wowi, der macht das.
  • Erzählen Sie den Menschen das, was sie hören wollen. Im Grunde können Sie sich auf einen dieser Sätze beschränken: „Ich habe eine Botschaft für Sie, die Ihr Leben verbessern wird!“, „Gott liebt Sie“ oder „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen!“
  • Der Gott, den Sie vorstellen, sollte das Wohl der Menschen im Sinn haben – kaum jemand wird sich mit Tat und finanzieller Unterstützung für ihre Idee einsetzen, wenn Sie den Menschen sagen, sie würden dadurch Qualen leiden. Sagen Sie zum Beispiel: Höret die frohe Botschaft, die ich als bescheidener Stellvertreter zu verkünden habe: Der Gott Adalbert wird Eure Qualen beenden. Denn der Gott Adalbert liebt die Menschen und wird sie aus dem Dunkeln ins Licht führen.
  • Qualen leiden immer die, die sich Ihrer Idee widersetzen. Wenn Ihnen also einer dumm kommt, sagen Sie: Doch wehe dem, der ungläubig den Namen Adalberts mit den Füßen traktiert, der sich abwendet von der Heiligkeit seines Namens. Drei Mal wirst du leugnen, heißt es im Buch Satoros, und drei Mal wirst du Erbarmen finden, doch beim vierten Mal wird der Engel Stalaon auf dich hinab regnen in Feuer und Flamme und dein Heim wird verbrennen und mit ihm deine Kinder.
  • Seien Sie barmherzig: Jeder kann den Qualen entkommen, wenn er sich zu Ihrer Religion bekehrt.

Fortsetzung folgt…

Nun ja, ob man ihn ein Genie nennen kann wie einige es tun, sei dahingestellt. Ein Visionär war er sicherlich. Jemand, der vielleicht eben nicht Erfinder all jener Produkte war, die sein Konzern Apple der Welt vermacht hat. Dazu bedurfte es immer der Steve Wozniaks (Erfinder der ersten Apple Computer), der Edwin Catmull (Mitbegründer von Pixar) oder Tony Fadells (Erfinder des iPod) dieser Welt. Doch Jobs gebührt es ohne Zeifel, das Potential dieser Mensch – respektive deren Erfindungen – frühzeitig erkannt, gefördert und vermarktet zu haben, und dies oft genug in Zeiten, wo andere allein aufgrund der äußeren Umstände gezaudert, gezweifelt und gezagt hätten. Oder wie sonst ist es zu erklären, dass ausgerechnet der große George Lucas Pixar an Jobs verkaufte, 1986, für die heute lächerlich anmutende Summe von 5 Millionen Dollar – schlicht, weil Lucas das künftige Potential d per durch Computer animierter Filme gelinde gesagt unterschätzte?

Vielleicht liegt es daran, dass Jobs bis dahin kaum etwas mit der Filmbranche zu tun gehabt hatte, was ihm den unverfälschten Blick gestattete, die Dinge nach seinem Ermessen zu bewerten. Schließlich hat er dieses Prinzip noch mindestens zwei weitere Male angewendet und ist über vermeintlich althergebrachte, eingespielte Branchen hergefallen, dass deren Akteure nur ungläubig dastehen konnten und sich fragen lassen mussten, was sie eigentlich all die Jahre getan hatten. So geschehen im Oktober 2001, als Apple sich anschickte, die seit Jahren vor sich hindümpelnde Musikindustrie mit einem eigenen Vermarktungskonzept förmlich in die Gegenwart – und in gewisser Weise auch aus der Krise – zu katapultieren. Ich möchte zu gern die Kommentare all der Leute sehen, die die Idee von iTunes und iPod damals als absolute Spinnerei abgetan haben. Musik zu verkaufen in einer Zeit wo alle daran gewöhnt schienen, sich selbige kostenlos zu besorgen. Und einen mp3-Player auf den Markt zu bringen, kaum einen Monat nach dem 11. September, als die (westliche) Welt in kollektive Depression verfallen war. Na ja, Geschichte wird von den Siegern geschrieben wie es so schön heißt. Weshalb zumindest die Mobilfunk-Anbieter ein paar Jahre später hätten gewarnt sein müssen, als Apple sich anschickte einen weiteren Markt abseits des eigenen Kerngeschäfts zu revolutionieren.

Insoweit hat Jobs zahlreiche Siege davon getragen und seine Konkurrenten langfristig zwar, aber doch allesamt hinter sich gelassen. Der inzwischen eher in Vergessenheit geratene John Sculley etwa, den Jobs Mitte der 1980er Jahre selbst zu Apple holte, und der ihn kurz darauf nötigte selbst das Handtuch zu werfen und bei der Firma NeXT einzusteigen. Und der nur wenige Jahre brauchte, um Apple an den Rand des Ruins zu bringen, dass einer der härtesten Konkurrenten, Michael Dell, 1997 auf die Frage, was man mit Apple tun sollte, schlicht antwortete: Schließen und den Anteilseignern ihr Geld zurückgeben. Heute ist Apple der wertvollste Konzern der Welt. Dell Computers, einst der größte Computerhersteller der Welt, schwächelt hinsichtlich der Umsatzzahlen, eben auch weil Apple mit iPad, iMac und Macbook den Konkurrenten auf dem “regulären” PC-Markt das Wasser abgräbt. Und natürlich Bill Gates. In dessen Schatten Jobs lange Zeit gestanden hatte. Und dessen eigene Vision es war, einen Tablet-PC zu entwickeln. Eine Vision, die ein paar Jahre später dann Jobs umsetzte.

Ein Leben wie ein Traum, mag man denken. Das vielleicht genauso enden musste wie es geendet ist. Weil eben der frühzeitige Krebstod Steve Jobs wohl zu einer noch größeren Legende machen wird, als er ohnehin schon war. Und ist. Und auch wenn Apple sich in jüngster Zeit ob der zunehmend rigiden Firmenpolitik in die Kritik geraten, und Jobs – im Gegensatz zu Bill Gates – nie als selbstloser Wohltäter sonderlich aufgefallen ist, gilt an dieser Stelle für all die Dinge, die er der Welt hinterlassen hat, nur ein ehrliches:

You did a real good job, Mr. Jobs. Thanks for that.

Es hat sich ganz schön was verändert in der Welt seit wir diesen Blog im April 2009 begonnen haben. Damals war die Krise, die die Welt überrollt hat, erst als schwacher Schimmer am Horizont erkennbar, auch wenn damals schon dauernd von Banken-Zusammenbrüchen und Massenentlassungen gesprochen wurde. Doch damals schien die Welt irgendwie noch in Ordnung, und man hatte das Gefühl, dass all die Probleme, von denen nun geredet wurde, sich schon irgendwie wieder einrenken würden. Naja, ich brauche ja niemanden daran zu erinnern, dass auch damals nicht alles in Ordnung war, insbesondere nicht in Hinblick auf diesen vermeintliche Krieg zwischen Christentum und Islam, der – so kommt es mir jedenfalls vor – das erste Jahrzehnt des Neuen Jahrtausends fast ausschließlich bestimmt hat.

Mag sein, dass es am neuen US-Präsidenten liegt, dass diese Wogen sich geglättet haben, daran, dass Osama Bin Laden inzwischen tot ist und gefühlt jede Woche ein ranghohes Al-Quaida Mitglied von einer Drone in Stücke gerissen wird. Vielleicht sind auch durch die Verschiebung alter Machtverhältnisse – der Aufstieg Chinas, der Arabische Frühling – einige althergebrachte Vorstellungen ins Wanken geraten und dieser seltsame “Kampf der Kulturen” im Nachhalldes 11. Septembers einfach nicht mehr so wichtig und überholt. Womöglich tobt er auch ungehindert weiter, und wir kriegen es einfach nicht mehr so mit, weil die Ereignisse sich angesichts all der drohenden Staatsbankrotte schlichtweg überschlagen. Oder die Welt stellt nun und mit Verblüffung fest, dass der gute, alte “Westen”, der sich jahrzehnte- wenn nicht jahrhundertelang mit Selbstverständlichkeit eines Auserwählten als Herrscher über den Planeten wähnen durfte, inzwischen ein ziemlich bedauernswertes, geradezu jämmerliches Bild abgibt, und sich nicht einmal mehr zu bekämpfen lohnt. Wie etwa, wenn das Bundesamt für Wehrverwaltung einen Soldaten im Afghanistan-Einsatz auffordert, einen auf einer Patrouille verloren gegangen Handschuh im Wert von 7,17 Euro zu ersetzen. Oder die Bundespolizei das Benzin rationiert, weil einfach das Geld fehlt. Ojemine.

Ganz am Anfang hatte ich die sehr unkonkrete Idee, mittels dieses Blogs ein Netzwerk aufzubauen, in dem sich Gleichgesinnte austauschen und gemeinsam mögliche Lösungen erörtern, wie dieser ganze Quatsch, der sich dort draußen vor unserer Tür abspielt, zu beenden ist. Da damals schon abzusehen war, dass dieses System sich innerhalb der nächsten zehn Jahre überleben wird, hatte ich gehofft, sich mit und mit immer mehr Menschen finden zusammenfinden würden, die gewillt wären, aufzustehen und wirklich etwas zu verändern. Nun, diese Leute gibt es tatsächlich, immer mehr, in immer mehr Ländern – Griechenland, Spanien, Ägypten, USA, Großbritannien, Chile. Sie streiken, rufen zum Protest auf, beklagen die Ungerechtigkeit mittels des Internets, bringen Machtverhältnisse ins Wanken von Tripolis bis Stuttgart und wählen aus lauter Verzweiflung unnütze Parteien. Antworten aber geben sie nicht. Und das ist das Mysterium für mich, dass mich immer noch mit tiefer Ratlosigkeit befällt. Dass es die Antworten gibt. Und sie niemand hören will. Oder kennt. Oder abtut als unsinnig. Undurchführbar. Hanebüchen. Als ob die Rezepte von Schwarz-Gelb, Rot-Grün, Rot-Rot-Orange, Blassblau, Schneeweiß, Rosarot, Kotzgrün oder Tea-Party-Braun sinniger wären. Durchführbarer. Und nicht aus dem Holz der Hagebuche. Ich begreif’s einfach nicht. Ganz ehrlich.

Auch wenn mich gerade dieser Umstand jedesmal wieder aufs Neue zwingt, weiter zu machen. Auch wenn es mich – wie phasenweise bei der letzten Serie zu den Märkten – selbst über weite Strecken langweilt. Aber vielleicht hilft es ja was. Man weiß ja nie.

Ich danke meinen Mitstreitern, allen voran Sir Winston Wolf, Bibi Blogs, Agnieszka, Miss Me Too und allen, die immer mal wieder oder auch regelmäßig hier vorbeischauen. Und da ich weiß, dass das inzwischen ziemlich viele Leute sind, schließe ich mit der Bitte, doch in Zukunft vielleicht mal den ein oder anderen Artikel zu kommentieren. Damit ein bisschen mehr Interaktion stattfindet und vielleicht ein paar neue Ideen entstehen.

In den nächsten 500 Artikeln.

Auch wenn dieser Blog dizrespect heißt, ist nicht meine Absicht zu versuchen, jedem ans Bein zu pissen und über alles herzuziehen, schlecht zu reden, madig zu machen und zu allem und jedem meine kaum geschätzte und noch weniger beachtete Meinung in den Browser zu drücken. Noch dazu, dass ich glaube, dass von den wenigen, die diesen Blog lesen, noch weniger die tiefgreifende Kritik am Bestehenden in vielen Artikeln überhaupt bewusst ist. Nun, das wird zumindest für diesen Artikel nicht gelten, und meine wieder einmal lang gewählte Einleitung gilt dem Versuch, die Wogen von vornherein zu glätten, wenn ich mich hier buchstäblich hinstelle und fordere:

Es sollte keinen Gott geben.

Und bevor nun womöglich einige fromme Geister gekränkt nach dem Scheiterhaufen rufen und einige vermeintlich aufgeklärte Denker bloß an kalkulierte Provokation denken und sich verächtlich gähnend abwenden, sei mir eine kleine Erklärung erlaubt. Es ist ja nicht so, dass Kant alle scheinbaren Beweise für die Existenz Gottes als nicht stichhaltig analysiert hat. Genauso wie Nietzsche schon vor mehr als hundert Jahren erkannt zu haben glaubte, dass die Vorherrschaft der Geistes- und Naturwissenschaften Gott de facto getötet hat. Was allerdings die Milliarden von Gläubigen überall auf der Welt ebenso wenig davon abgehalten hat, an Gott und seine Gnade zu glauben wie die durch Gottes Gnade nur schwer zu erklärenden Monstrositäten à la Auschwitz und Srebrenica.

Wo wir schon von Gottes Gnade reden. Wenn ich die Denkweise der monotheistischen Weltreligionen richtig verstehen geht es doch im Großen und Ganzen darum ein gottgefälliges Leben zu leben, Gutes zu tun und mit seinen Taten die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Wenn man sich daran hält, kommt man in den Himmel, wenn nicht droht ewige Verdammnis und unerträgliche Seelenqual. Natürlich kann man es sich irgendwie zurecht legen und sagen, dass man Gutes tut, wenn man Ungläubige abschlachtet, Menschen unterdrückt, Kriege führt, diffamiert, lügt, intrigiert, foltert, mordet. Alles im Namen Gottes. Und das ist der springende Punkt.

Ich selbst habe jahrelang gedacht, dass Religion und vor allem der Glaube an Gott unerlässlich ist, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. “Religion ist die Brücke zwischen Mensch und Moral.”, hab ich ständig verbreitet. Ich habe damals gedacht, dass, wenn es keinen Gott, keinen Himmel und keine Hölle gibt, die Menschen keinen Grund haben, sich vernünftig zu verhalten. Weil schlicht keine Konsequenzen drohen. Schließlich liegt den monotheistischen Religionen diese Belohnungs- und Bestrafungsphilosophie zugrunde. Die einen bestenfalls zu einem besseren Menschen macht, weil ansonsten unvorstellbare Qualen drohen. Aber ich musste erkennen, dass ich mich grundlegend geirrt habe.

Denn Gott ist in seiner Funktion mittlerweile nicht mehr Grund, sich sittsam und vernünftig zu verhalten. Sondern Ausflucht und Totschlag-Argument um jede noch so verkommene und menschenverachtende Handlungsweise zu rechtfertigen. Ob es nun die strikte Ablehnung der Evolutionstheorie durch radikale Christen ist, die Wahrheiten verdrehen und so tun als wäre die Welt noch eine Scheibe, nur um ihr Weltbild nicht antasten zu müssen. Oder das Verhalten radikaler Juden und Moslems ist, die vor Waffengewalt und Terror nicht zurückschrecken, nur um ihren Gott zu verteidigen bis aufs Blut.

Ich will gar nicht die Frage erörtern, ob es Gott gibt oder nicht. Das ist eine müßige Frage, die wir vermutlich niemals endgültig klären werden. Ich will auch niemandem seinen Glauben wegnehmen oder den Glauben seiner Väter und deren Väter. Noch mich darüber lustig machen in irgendeiner Weise. Wir wollen alle nur am Leben bleiben, und wenn der Glaube an Gott für den jeweiligen Menschen dazugehört, ist das sein gutes Recht. Was ich sagen will ist lediglich, dass ich finde, dass es keinen Gott geben darf. Geben sollte.

Dann kann er nämlich auch nicht mehr als Ausrede benutzt werden, um all die schlimmen Dinge zu tun, die die Menschheit so anstellt, von Krieg über Umweltverschmutzung bis zur Unterjochung ganzer Volksgruppen. All dieses Verhalten lässt sich nämlich nur rechtfertigen, wenn man einen Gott unterstellt, dessen Willen man sekundiert. Wenn man Gott wegließe, wäre jeder plötzlich auf sich selbst gestellt. Und für seine Taten verantwortlich. Wir wären nicht mehr Gottes Werkzeuge. Und wenn jemand von uns einem anderen etwas antun würde, dann wäre allein er es, dann wäre auch er allein dafür verantwortlich. Keine Ausflüchte mehr. Nur noch selbst entscheidende Individuen, die sich mit nichts herausreden können außer ihrem eigenen Verhalten.

Und mit einem Mal wären wir nur eine recht seltsam anmutende, kaum vorstellbare Spezies, die auf einem ziemlich kleinen, unbedeutenden Stein durchs nirgendwo fliegt, die nichts besseres zu tun hat, als sich gegenseitig das Leben schwer zu machen. Na, das wär doch mal was.

So stell ich sie mir bildlich vor, diese apokalyptischen Reiter. Die ungestüm und ohne Gnade durch die Zeit rasen und jeden “ummetern”, der sich ihnen in den Weg stellt.

Ja, man kann schon sagen, dass ich einen gesunden Respekt vor den Dingern habe (die in meiner Phantasie auch keine Augen besitzen). Diese schwarzen Punkte, die, wenn man so die Augen zusammenkneift, ganz klein wirken, wenn man aber ein bisschen, nur ein bisschen genauer (also in die Zukunft) schaut, wie durch ein Fernglas aus einem billigen Western, dann sind diese Punkte Reiter, mit unheilvollen Botschaften.

Aber wie eine Schmierenkomödie auf Pferden sieht mein und unser Leben doch gar nicht aus? Also, ich finde, die Welt ist einfach verdammt krank. Hustet sich die Seele aus dem Leib. Und nirgendwo finde ich 4 Fäuste für ein Halleluja, die uns da irgendwie rausboxen. Und die sich nähernden Reiter von ihren Pferden runterholen…

Was ich damit sagen will: Es passieren schon außergewöhnlich viele schlimme Dinge dieser Tage. Und ich fühle mich in meinem Wattezelt ein wenig gestört. Neben des üblichen Wahnsinns, gab es in Japan schlimmste Erdbeben, Tsunamis und sogar eine atomare Super- Katastrophe. Auf der ganzen Welt explodieren irgendwelche Vulkane, ein perfider Attentäter bringt in Norwegen Dutzende Jugendliche um. Ach ja, und in Somalia, sterben die Leute millionenfach. Und die Menschen, so auch ich, haben Angst zu spenden… weil da immer die Frage im Raum steht… kommt das Geld denn auch wirklich da an wo es gebraucht wird?

Vertrauen… das Vertrauen ist wohl die erste Sache die einem verlustig geht, wenn die Reiter mit ihren Schimmeln auf dem Weg zu uns sind wie schwarze Punkte auf weißem Grund. Ich bin abgestumpft, das Mitgefühl hat sich zur Mitleidenschaft erzogen, und so sitze ich hockend, Nägel kauend auf meinem Bett und warte. Warte, auf etwas. Und lass ich mich füttern, von den vielen Dingen, die einen ablenken. Ergebe mich

Dabei würde ich so gern kämpfen.

Doch voller Ehrfurcht erwarte ich auf ihre Ankunft. Und versucht sie doch nicht zu sehen.

Denn vielleicht sind sie, wenn ich sie nicht sehe, auch gar nicht da?

Jun 03

Ertappt

Posted by agnieszka in Alles wird Gut, Hain des Plato, Kniffe des Lebens

Ohne den wissenschaftlichen Beweis momentan anführen zu können oder zu wollen, behaupte ich jetzt einfach Mal, dass die meisten Menschen Selbstgespräche führen – ob laut oder im Kopf. Ich tue es, beides. Das allein ist ja nun keine große Erkenntnis, und das folgende vielleicht auch nicht – ich genieße es aber manchmal auf eigenem Weg, so lang er auch dauern mag, zu bestimmten Schlüssen zu kommen, als mein Wissen vorab aus Büchern zu beziehen. Es zieht hin und wieder Schwierigkeiten nach sich, die man hätte umgehen können, aber so ist es spannender.

Vor einigen Tagen wurde mir etwas bewusst. Und zwar, dass ich, wenn ich mit mir Selbstgespräche führte – von angepissten Kommentaren über „nicht vergessen“ und to do liste bis „jetzt sitze doch mal gerade“ – mich selbst dabei so gut wie immer mit „du“ ansprach. „Du kannst das machen“, „das hast du gut gemacht“, „das kannst du nicht bringen“, „du solltest“, „du könntest“, „du machst das jetzt“.

An jenem Abend, als mir das auffiel, kam ich ins Bad, schaute mich im Spiegel an und sagte: „Das hab ich gut gemacht.“ Ja, ICH. Ich höre hin und wieder – und das seit geraumer Zeit – Stimmen, die sich darüber beklagen, dass die heutige Gesellschaft egomanisch sei, dass jeder nur an sich denken und auf den eigenen Profit aus sei. Da mag etwas dran sein, und auch ich gehöre manchmal zu jenen welchen, aber diese Stimmen gab es schon immer.

Ich dachte an diesem Abend, dass wir uns meistens sogar bei Selbstgesprächen, sogar wenn wir ganz allein sind, als jemand Fremdes begegnen, wir sprechen von uns in der dritten oder zweiten Person, selten in der ersten. Wir sagen „Man sollte“, „du könntest“ und beziehen es auch auf uns, doch gleichzeitig verstecken wir uns hinter dem Imperativ, hinter dem Schleier, der „du“ zu „ich“ werden lässt. Das „du“, das wir einem Fremden anbieten, ist etwas, das meistens als positiv und offen angesehen und angenommen wird. Das „du“ jedoch, das das „ich“ ersetzt, wenn man mit sich selbst spricht, sei mit Vorsicht zu genießen. Dass es wichtig ist, eine gewisse Distanz auch zu sich aufzubauen, das bestreite ich nicht. Doch gerade in der intimsten Minute, wenn wir – wenn ich – ganz allein bin, wieso duze ich mich statt mich zu „ichen“? Und ich rede hier nicht einmal von Fehlern, die sich ein jeder manchmal schwer zugesteht und deswegen zu einer Entfremdung gegenüber dem Ich neigt. Ich spreche von den alltäglichsten Pillepalle-Themen, die man auf dem Heimweg so revue passieren lässt. Wieso sagen wir, in den Spiegel schauend „gut siehst du aus“ und nicht „ich sehe gut aus“?

Später in der Nacht, nach ein paar Bier und dem Drang, trotz besseren Wissens wach zu bleiben, sagte ich mir: Ich habe genug gehabt für heute. Und ich putzte mir die Zähne und ging ins Bett. Früher sagte ich „du hast genug gehabt“ und machte mir noch eins auf.