Archive for the ‘Die Unmoralische’ Category

Wenn Ihr Euch einen Gefallen tun wollt: seht Euch Mapping Stereotypes auf alphadesigner.com an, der Website des bulgarischen Grafikdesigners Yanko Tsvetkov, die auf wunderbare Weise mit Klischees und Vorurteilen spielt und zeigt, dass doch nicht alles Sche!ße ist, was da draußen in der Welt so fabriziert wird.

Nov 29

Vorerst gescheitert.

Posted by me in Die Unmoralische

Da ich im Moment leider wenig Zeit finde, für diesen Bl0g zu schreiben, möchte ich heute nur kurz auf die eben erschienene Biografie von Lothar Matthäus hinweisen, in der er erklärt, warum er nicht mehr der Bulgarische Nationaltrainer sein wollte. Und warum seltsamerweise die Universität Bayreuth daran Schuld sein soll.

Vielleicht wäre “Vorerst gescheiter” ein treffenderer Titel gewesen. Aber – wie der Titel schon sagt – auch daran ist der Autor wohl gescheitert. Und so hat er wenigstens in dieser Hinsicht mal die Wahrheit gesagt. Auch erfrischend.

Nov 20

Ich glaube, so etwas nennt man WTF?

Posted by Winston Wolf in Die Unmoralische

Video der Woche (42): Professor Genki’s Super Ethical Reality Climax

Liebe Finanzindustrie, hoch verehrte Banker,

ich melde mich nach langer Zeit zum ersten Mal wieder, weil ich es nicht länger ertragen kann, wie auf Ihnen herumgetrampelt wird. Fast scheint es mir gar, dass Sie an all dem, was seit Jahren inzwischen durch die Presse geistert, Schuld sein sollen. Damit aber wird Ihnen – und ich sage das aus tiefster Überzeugung – wahrlich Unrecht getan. Denn bei all dem Gezeter über Finanzderivate und Staatsschulden wird einfach übersehen, was sie für unser Land im speziellen und für den gesamten Planeten im allgemeinen geschaffen haben.

Es ist doch eine nicht auszulöschende Tatsache, dass das durch das Geldsystem geschaffene Geld nirgendwo geparkt werden könnte, wenn Sie nicht auf diese unglaublich pfiffige Idee mit den Finanzmärkten überhaupt erst gekommen wären. Teufel, das haben sie wirklich bravourös erledigt. Und dann zugleich die Menschen glauben zu machen, dass diese Finanzmärkte zu etwas anderen nützlich wären als all das überflüssige Geld aufzunehmen. Meine Herren, davor ziehe ich meinen Hut. Denn gäbe es sie nicht, diese vielfach und wahrlich zu Unrecht gescholtenen Finanzkonstrukte, man könnte vermutlich der Inflation beim explodieren zusehen.

Oder anders ausgedrückt: Flössen all die aus dem Nichts geschaffenen Melonen tatsächlich und vollständig in die reale Wirtschaft, würde ein Brot inzwischen längst Milliarden von Euro kosten müssen und die Frage offenbleiben, ob die Welt nicht bereits den vielzitierten Bach runtergegangen wäre. Da es zweifellos Ihr Verdienst ist, sich um diese so wichtige Sache bemüht zu haben, und – mit Einsatz all Ihrer Kraft – sowohl all die nichtwissenden Politiker als auch das als gemein verunglimpfte Volk von der Richtigkeit Ihrer Ideen überzeugt haben, gebührt Ihnen an dieser Stelle mein hochgeschätzter, vor lauter Demut viel zu mickrig geratener Dank, verbunden mit der Hoffnung, dass Sie sich auch weiterhin so sehr um unseren Wohlstand, unsere Gesellschaft, ja, um unseren gesamten Planeten so hingebungsvoll kümmern wie bisher.

Mit besten Grüßen verbleibend,

Simon Boulevard

Auf webwiki.de ist folgender Eintrag zu finden:

Also ehrlich. Treffender kann man es nicht umschreiben.

Es gibt etwas, das mir seit 2 Jahren auf der Seele liegt und auf den Magen schlägt. Kein Wunder, es hat mit Geld zu tun. Und mit dem Staat. Einige ahnen vielleicht, wohin diese Kombination führt: Finanzamt. Doch wie ich feststellen musste, nicht nur dahin. Alles ist vernetzt, alles ist global, alles ist abhängig. Und einer gewissen Abhängigkeit will ich mich nicht hingeben, nämlich der des Bankkredits.

Ich habe schon in meinem Studium lange gezögert, bis ich irgendwann doch aus finanzieller Not das Bafög beantragt habe. Ich will gar nicht davon sprechen, dass meine Bezugszeit um die Zeit verkürzt wurde, ich der ich es hätte haben können, es aber nicht wahr genommen hatte, auch wenn ich das an sich für eine seltsame Logik erachte. Aber um das Bildungsfördergeld soll es hier nicht gehen. Es geht um Steuern. Genauer, um Steuernachzahlungen. Diese hatte ich zu leisten, weil ich neben meinem Angestelltenjob mit direkt abgeführter Lohnsteuer als Freischaffende im Jahr zusätzlich 2000 Euro  verdient habe. Das ist aufs Jahr gerechnet NIX. Meine beiden Einkünfte werden jedoch zusammen gerechnet und ergeben somit eine Summe, für die ein höherer Steuersatz fällig ist, als wenn man meinen Lohn und meine Honorar unabhängig voneinander versteuern würde. Nun bleibt von 2000 Euro ja nicht viel übrig, und der laufende Lohn reicht für die laufenden Kosten, mehr aber nicht. Innerhalb von 2 Monaten soll ich nun knapp 200 Euro nachzahlen und 400 Euro voraus zahlen. Das macht 600 Euro. Innerhalb von 2 Monaten. Woher nehmen? Was tun? Man richtet sich zuerst an das Finanzamt und bittet entweder um Aufschub oder um Ratenzahlung.

Und das wird einem ja auch eventuell genehmigt, wenn man man seine finanzielle Lage darstellt und WENN MAN NACHWEIST, DASS MAN KEINEN KREDIT BEKOMMT. Und da wurde ich stutzig, um nicht zu sagen sauer. Ich verstehe ja, dass ich nach geltendem Recht in der Schuld des Staates stehe, und diese Schuld zu begleichen ist, schließlich muss der Staat ja auch kalkulieren. ABER: Verstehe ich das richtig, dass der Staat mich nun dazu treibt, oder gar von mir verlangt, mich bei Bankinstituten zu verschulden (mit Zinsen), um meine „Schulden“ beim Staat zu bezahlen? Waren  Staat und Wirtschaft nicht mal getrennt? (Gut, dass sie es nicht sind, wissen wir ja leider alle spätestens seit dem Rettungsschirm für die Banken! Ber diese Praxis scheint es länger zu geben:). Es gibt hier zwei Möglichkeiten: entweder ich verschulde mich bei einer Privatbank und muss Zinsen zahlen, die mich noch mehr in die Schuldenfalle treiben (oder kann ich die etwa von der Steuer absetzen?), was bedeutet, dass der Staat mich dazu zwingt, mich in den Strudel der Bankenwirtschaft zu begeben, die in den letzten Jahren für eine weltweite Krise gesorgt hat durch Menschen, Firmen, Staaten, die die Kredite nicht zurückzahlen konnten (und auf dem Wege sähe ich mich auch in Anbetracht meiner finanziellen Lage). Es könnte auch heißen, ich solle mich nicht bei der Privatwirtschaft, sondern bei den Landesbanken verschulden, aber dann würde ich mich ja beim Staat verschulden, um meine Schulden beim Staat zu begleichen. Hä?!

Sehen wir mal vom geltenden Steuerrecht ab, das ich als ungerecht betrachte – wie kann es sein, dass ein staatliches Amt mich dazu zwingt, mich bei einem Kreditinstitut zu verschulden mit zusätzlichen Schulden (Zins), die ich nicht bezahlen kann – sonst würde ich ja nicht um Aufschub oder Ratenzahlung bitten. Wie kann es sein, dass die demokratisch gewählte Regierung, die dem Volk zumindest in der Theorie (wie wir wissen, sieht es mit der Praxis durchaus mal anders aus) dienen soll von mir verlangt, meine Steuernachzahlung dadurch zu finanzieren, dass ich mich mit zusätzlicher Last bei den Banken verschulde?! Ich bin ja durchaus bereit, die Steuern zu zahlen, warum kann ich es nicht in zinslosen Raten abzahlen, wenn ich die finanziellen Mittel nicht habe, ohne zusätzliche Schulden zu machen?! Ich erachte das nicht nur als  paradox, sondern auch illegal, sollte der Staat doch von der Privatwirtschaft unabhängig sein. Dass er es nicht ist, haben wir ja leider in den letzten Jahren zugenüge gesehen. What a shame!

Es hat sich ganz schön was verändert in der Welt seit wir diesen Blog im April 2009 begonnen haben. Damals war die Krise, die die Welt überrollt hat, erst als schwacher Schimmer am Horizont erkennbar, auch wenn damals schon dauernd von Banken-Zusammenbrüchen und Massenentlassungen gesprochen wurde. Doch damals schien die Welt irgendwie noch in Ordnung, und man hatte das Gefühl, dass all die Probleme, von denen nun geredet wurde, sich schon irgendwie wieder einrenken würden. Naja, ich brauche ja niemanden daran zu erinnern, dass auch damals nicht alles in Ordnung war, insbesondere nicht in Hinblick auf diesen vermeintliche Krieg zwischen Christentum und Islam, der – so kommt es mir jedenfalls vor – das erste Jahrzehnt des Neuen Jahrtausends fast ausschließlich bestimmt hat.

Mag sein, dass es am neuen US-Präsidenten liegt, dass diese Wogen sich geglättet haben, daran, dass Osama Bin Laden inzwischen tot ist und gefühlt jede Woche ein ranghohes Al-Quaida Mitglied von einer Drone in Stücke gerissen wird. Vielleicht sind auch durch die Verschiebung alter Machtverhältnisse – der Aufstieg Chinas, der Arabische Frühling – einige althergebrachte Vorstellungen ins Wanken geraten und dieser seltsame “Kampf der Kulturen” im Nachhalldes 11. Septembers einfach nicht mehr so wichtig und überholt. Womöglich tobt er auch ungehindert weiter, und wir kriegen es einfach nicht mehr so mit, weil die Ereignisse sich angesichts all der drohenden Staatsbankrotte schlichtweg überschlagen. Oder die Welt stellt nun und mit Verblüffung fest, dass der gute, alte “Westen”, der sich jahrzehnte- wenn nicht jahrhundertelang mit Selbstverständlichkeit eines Auserwählten als Herrscher über den Planeten wähnen durfte, inzwischen ein ziemlich bedauernswertes, geradezu jämmerliches Bild abgibt, und sich nicht einmal mehr zu bekämpfen lohnt. Wie etwa, wenn das Bundesamt für Wehrverwaltung einen Soldaten im Afghanistan-Einsatz auffordert, einen auf einer Patrouille verloren gegangen Handschuh im Wert von 7,17 Euro zu ersetzen. Oder die Bundespolizei das Benzin rationiert, weil einfach das Geld fehlt. Ojemine.

Ganz am Anfang hatte ich die sehr unkonkrete Idee, mittels dieses Blogs ein Netzwerk aufzubauen, in dem sich Gleichgesinnte austauschen und gemeinsam mögliche Lösungen erörtern, wie dieser ganze Quatsch, der sich dort draußen vor unserer Tür abspielt, zu beenden ist. Da damals schon abzusehen war, dass dieses System sich innerhalb der nächsten zehn Jahre überleben wird, hatte ich gehofft, sich mit und mit immer mehr Menschen finden zusammenfinden würden, die gewillt wären, aufzustehen und wirklich etwas zu verändern. Nun, diese Leute gibt es tatsächlich, immer mehr, in immer mehr Ländern – Griechenland, Spanien, Ägypten, USA, Großbritannien, Chile. Sie streiken, rufen zum Protest auf, beklagen die Ungerechtigkeit mittels des Internets, bringen Machtverhältnisse ins Wanken von Tripolis bis Stuttgart und wählen aus lauter Verzweiflung unnütze Parteien. Antworten aber geben sie nicht. Und das ist das Mysterium für mich, dass mich immer noch mit tiefer Ratlosigkeit befällt. Dass es die Antworten gibt. Und sie niemand hören will. Oder kennt. Oder abtut als unsinnig. Undurchführbar. Hanebüchen. Als ob die Rezepte von Schwarz-Gelb, Rot-Grün, Rot-Rot-Orange, Blassblau, Schneeweiß, Rosarot, Kotzgrün oder Tea-Party-Braun sinniger wären. Durchführbarer. Und nicht aus dem Holz der Hagebuche. Ich begreif’s einfach nicht. Ganz ehrlich.

Auch wenn mich gerade dieser Umstand jedesmal wieder aufs Neue zwingt, weiter zu machen. Auch wenn es mich – wie phasenweise bei der letzten Serie zu den Märkten – selbst über weite Strecken langweilt. Aber vielleicht hilft es ja was. Man weiß ja nie.

Ich danke meinen Mitstreitern, allen voran Sir Winston Wolf, Bibi Blogs, Agnieszka, Miss Me Too und allen, die immer mal wieder oder auch regelmäßig hier vorbeischauen. Und da ich weiß, dass das inzwischen ziemlich viele Leute sind, schließe ich mit der Bitte, doch in Zukunft vielleicht mal den ein oder anderen Artikel zu kommentieren. Damit ein bisschen mehr Interaktion stattfindet und vielleicht ein paar neue Ideen entstehen.

In den nächsten 500 Artikeln.

Aug 01

I don’t give a fuck!

Posted by Winston Wolf in Die Unmoralische, Wort - Bild - Ton

Videos der Woche (27): Manchmal sollte man sich einfach entspannen. Not a single fuck was given that day!

Ich wollte einen Artikel schreiben, oder sogar mehrere. Doch mir schwirrt gerade so viel durch den Kopf, dass ich es mit den Händen nicht schnell genug kommunizieren kann. Also abwarten, beruhigen und hoffen, dass das meiste in der Erinnerung bleibt und es wert sein wird, darauf zurück zu kommen. By the way: liebe Männer, ich wünsche euch einen schönen, besinnungslosen Tag ohne Fressenhauen! Prost! Und dir, Jesus, Glückwunsch zur Himmelfahrt!

Von wegen. Dieser Hit der Prinzen aus den frühen 90ern scheint etwas überholt, wenn man sich in diesen ersten Frühlingstagen in Berlin so die Fahrradfahrer anschaut. Ja genau, die Fahrradfahrer in ihrer ungeschönten Allgemeinheit.

Die gehen mir nämlich so richtig auf den Sack. Nix mit Genießer, ich sehe nur Spießer, die sich wie asoziale Arschlöcher benehmen, während ich selbst nur zusehen kann (als Fußgänger, BVG- Fahrgast, Mopedfahrer und Autofahrer, selten auch als Fahrradfahrer). Im Laufe meiner ungewollten Recherche ist mir nämlich ein verlogenes Licht aufgegangen, was die Fahrradfahrer und ihre Rechte und Pflichten so angeht.

Und an allererster Stelle steht da nämlich:  Wir sind immer unschuldig! Und so fahren sie munter auf Fußwegen, oder nebeneinander in Dreierreihen und wundern sich, wenn da gewagt wird hinter ihnen auch nur zu hupen. Zum guten Ton der Fahrradfahrer gehört es außerdem, von den Autofahrern – inklusive meiner Wenigkeit – permanent und andauernd nur genervt zu sein, mit Augenrollen und Beschimpfungen und allem was dazugehört. Selbst wenn einem Autofahrer bloß ein kleiner Fehler unterlaufen ist. Etwa wenn nachts beim Ausparken ein Fahrradfahrer ohne Licht angerast kommt und mich als Autofahrer zum scharf Bremsen zwingt. Das macht mich echt wütend.

Selbstgerecht fahren die Zweiradler auf der Hauptstraße, natürlich in der Mitte der Straße, weil sie irgendwann in 500m mal abbiegen müssen. Ja, und die heißen Tage in der Großstadt wirken dadurch gleich ein bisschen aggressiver. Dabei frage ich mich wirklich nur – warum? Fahrradfahren sollte doch eigentlich eine nützliche Sache sein, die unbedingt Spaß machen müsste. Sicher ist die Laune in den Autos bei den Autofahrern natürlich überhaupt nicht besser als die der Fahrradfahrer. Nein, ganz sicher nicht. Aber im Auto kriegen eben nicht alle um einen herum den geballten Frust mit.

Es ist so ein typisches Verhalten der Schwächeren gegenüber Stärkeren: Immer schön den ganzen Unmut abzutragen, niemals Verständnis zeigen und immer gleich den Arm hochzureißen und in alter Nazi- Manier zu brüllen: ” Was willst  Du, he? Du kommst ja noch nicht mal aus Berlin, du hast hier gar nix zu melden!” Spätestens da müsste man lachen und sagen: “Mensch – ich habe Dich nicht gesehen, mach vielleicht mal Dein Licht an.” Aber nix da. Da habe ich auch meinen Stolz.

Und mit dem Gesetz des Dschungels, fordere ich es ein mein “Recht des Stärkeren” unter der Bezugnahme auf das Fressen und Gefressenwerden und lass den Motor aufheulen. Mein Faustrecht werde ich trotzdem nicht einsetzen, denn der Klügere gibt nach.

Und ich verstehe sie ja auch, wenn sie sich aufregen. Es ist zwar auch ihr Dschungel, aber seien wir mal ehrlich, sie haben viel mehr zu verlieren als wir, wenn einer mal kurz nicht aufpasst.

Nämlich ihr Leben.

Irgendjemand hat mal zu mir gesagt, dass jede Woche in Berlin ein Fahrradfahrer stirbt. Ich glaube in diesem Großstadtdschungel muss man deshalb ganz einfach das Maul aufreißen.

Es ist ein Instinkt. Nicht mehr und nicht weniger.

Eine Anmerkung: Kurz nach dem ich den Artikel geschrieben, aber noch nicht veröffentlicht hatte, begegneten mir auf meinen Wegen so viele nette Fahrradfahrer, dass ich schon ein schlechtes Gewissen aufgrund meiner deutlichen Worte verspürte. Und trotzdem habe ich ihn ungeschönt aufgenommen.

Aber eben mit diesem versöhnlichen Happy End.