Archive for the ‘Hain des Plato’ Category

Wer kennt das nicht?  Verschüttet man Salz, überkommt einen gleich der Drang, sich ein bisschen davon über die Schulter zu schütten. Wenn man sich oder jemand anderem Glück wünschen will, neigt man dazu, auf Holz zu klopfen oder die Daumen zu drücken. Ebenso wie sich tiefreligiöse Menschen bei bestimmten Gelegenheiten bekreuzigen. Und schrecklich abergläubische Menschen sich weigern, unter Leitern hindurchzugehen. Oder an Horoskope glauben. Und auch wenn ich der Überzeugung bin, dass wir Menschen immer noch nicht schlau genug sind, alles zwischen Himmel und Erde zu erklären, kann ich doch mit Gewissheit sagen, dass dieser ganze Mumpitz und Aberglaube insgesamt ziemlicher Blödsinn ist, der den Menschen helfen soll, eine komplexe, unsichere und unwägbare Situation beherrschbar zu machen und gewissermaßen unter Kontrolle zu bringen. Und das losgelöst vom gesellschaftlichen Kontext und geschichtlicher Entwicklung.

So konnte etwa gezeigt werden, dass die in den 1920er Jahren in deutschen Zeitungen erschienen Artikel über Astrologie, Mystizismus und Kulte immer dann sprunghaft anstieg, wenn sich die wirtschaftliche Situation des jeweiligen Jahres dramatisch verschlechterte – wohingegen die Anzahl von Artikel über Gartenpflege grundsätzlich gleich blieb. Oder dass die Bewohner der im Südpazifik gelegenen Trobriand-Inseln sich immer dann gewisser “magischer” Rituale bedienten, wenn sie aufs offene Meer hinauswagten, jedoch nicht, wenn sie im ruhigen, ungefährlichen Wasser der Lagune herum schipperten. Ebenso wie die in Europa und vor allem in Deutschland Jahrzehnte dauernden Hexenverfolgungen entgegen zahlreicher Vermutung kein Phänomen des Mittelalters war. Sondern sich erst in der frühen Neuzeit anschickte zu einem wahren Volkssport zu werden, als die Entdeckung der Neuen Welt und die Erkenntnisse der Naturwissenschaften die althergebrachte Ordnung völlig aus den Fugen riss.

Ein ähnliches Verhalten haben Wissenschaftler nach eingehenden Untersuchungen für das 1966 in Japan ausgemacht, dem Jahr des Feuerpferdes, das alle 60 Jahre wieder kommt. Denn einer alten Legende zufolge sind Mädchen (mal wieder die Frauen), die im Jahr des Feuerpferdes auf die Welt kommen, in besonderem Maße vom Pech verfolgt. Ein Volksaberglaube, der dazu führte, dass im Jahre 1966 25%weniger Kinder geboren wurden als in den Jahren davor und danach, und es im Vergleich die Zahl der Abtreibungen um 20.000 anstieg. Es ließ sich sogar zeigen, dass die Sterblichkeit neugeborener Mädchen – im Gegensatz zu den neugeborenen Jungen – signifikant höher lag in diesem Jahr. Was den Schluss nahelegt, dass Eltern tatsächlich ihr Kind lieber getötet haben als ein im Jahr des Feuerpferdes geborenes Kind am Leben zu lassen. Das ist mal krass, wie ich finde.

Was aber sagt uns dieses Verhalten über die Menschen? Und was über uns selbst? Und die Freitage, zerbrochene Spiegel und Jahrtausendwenden unseres Lebens?

Ich bin zwar noch nie nach dem Ziel und Sinn dieses Blogs gefragt worden oder danach was dieses anmaßende Motto zu bedeuten hätte: Was tust Du, um die Welt zu retten…? Wäre dem jedoch so, dann würde ich dem Fragesteller vermutlich von Kitty Genovese erzählen. Von der Farbe einer 7up-Dose. Und davon, dass man nicht nur lächelt, wenn es einem gut geht. Sondern dass es einem gut geht, wenn man lächelt.

Selbstredend hab ich in den fast zwei Jahren seit Bestehen dieses Blogs immer mal wieder von all diesen Dingen erzählt und finde es hin und wieder schade, dass einige der Artikel auf Seite 14 dieser Seite und eigentlich wieder im Nirvana des Netzes verschwinden. Und doch haben einige dieser Artikel – auch wenn im ersten Jahr im Schnitt nur um die fünf Leute täglich auf der Seite vorbeigeschaut haben – mir dabei geholfen, mir selbst ein paar Dinge klar zu machen. Und über die zurückliegende Zeit auch den Blick geschärft wozu er eigentlich gut ist, dieser Blog, der sich einreiht in die schier unendliche Schlange von Websites auf denen irgendwelche Freaks versuchen, ihre bisweilen kruden Gedanken der Weltöffentlichkeit aufzunötigen.

Wie auch immer. Im Frühjahr 2009 jedenfalls führte die Beschäftigung mit dem Small-World-Problem und der damit verbundenen Hoffnung auf Vernetzung, glaube ich, zu dem Initialgedanken, diesen Blog zu begründen und der allererste Artikel thematisiert auch eben diesen Wunsch. Der leider Wirklichkeit und Ernüchterung Platz machen musste, weil schnell klar war, dass an guten Tagen eben nur fünf Leute sich hierher verirrten, und das womöglich nur, weil sie glaubten, wir wären ne Hip-Hop-Crew oder so etwas. Und auch wenn das vielleicht ein bisschen frustrierend klingt – das ist es nicht. Jedenfalls hat es uns nicht davon abgehalten weiterzumachen.

Und irgendwie war das auch alles gut so wie es gekommen ist und nicht zu letzt ist die Idee des PAL-Projektes überhaupt erst in Zusammenhang mit diesem Blog entstanden und auch wenn sich derzeit keine fünf Leute kontinuierlich um die Weiterführung dieser Idee bemühen ist das kein Grund, die Flinte im Korn in die Tonne zu treten. Denn auch das ist zwar ein wichtiger Nebeneffekt, aber immer noch nicht der Zweck, den ich inzwischen in diesem Blog sehe.

Wer es bisher geschafft hat, den würde ich jetzt bitten, sich das Video anzusehen, in dem der ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Uwe Barschel schamlos in die Kamera lügt. Interessant ist an diesem kleinen Ausschnitt, dass Barschel zweimal die Augen schließt. Und zwar bei der Abgabe seines Ehrenwort. Und der Versicherung, dass die Vorwürfe gegen ihn haltlos sind. Was ein Beleg dafür ist, dass sich wohl niemand hinsichtlich seiner Empfindungen völlig unter Kontrolle haben kann. Selbst wenn es – wie im Fall Barschel – erstens ein Politiker ist, bei dem es zweitens im wahrsten Sinne des Wortes um seinen Kopf geht.

Nun fragt sich sicherlich auch der Letzte was mein Geschwafel wohl diesmal wieder zu bedeuten hat und wohin das Ganze führen soll. Nun, es ist ein Beispiel für den reichhaltigen Fundus an Erkenntnissen, die die Wissenschaft inzwischen über den Menschen gewonnen haben. Nach Jahrhunderten der Suche und Entdeckung nach den innersten Zusammenhängen der Erde und des Alls haben wir schließlich auch die Zeit gefunden, uns mit uns und unserem Verhalten zu beschäftigen und die Prinzipien des menschlichen Vermögens zu durchleuchten. Und die bislang gewonnenen Erkenntnisse sind wirklich verblüffend.

So konnte bspw. gezeigt werden, dass Zitronenlimonade zitroniger schmeckt, wenn man den Farbton der Dose ändert. Ein Mechanismus, den die Werbeindustrie etwa dazu veranlasst, Butter gelb zu färben und sich Gedanken über das Geräusch einer zufallenden Autotür zu machen. Oder dass die Blickrichtung eines Menschen einiges darüber aussagen kann, ob er seine bildliche Vorstellung aktiviert oder eine Erinnerung aus seinem Gedächtnis hervorholt. Und es fast unmöglich ist wütend zu sein, wenn man ein lachendes Gesicht macht. Nicht zuletzt die Erkenntnis, dass Menschen sich in spezifischen, ihnen entsprechenden Umwelten wohler fühlen als in einer fremden Umgebung, was ziemlich banal klingt, jedoch eine Erklärung dafür bietet, weshalb es so häufig zu Ghettobildung kommt. Nicht zuletzt verblüfft die Tatsache, dass bspw. Schwarze Schwarze grundsätzlich schlechter einschätzen als Weiße, was als Beleg gelten kann, dass wir alle Rassisten sind, ob wir wollen oder nicht. Was jeder gerne an sich selbst testen kann.

Dies ist nur ein kleiner Teil dessen was in uns vorgeht und uns zum Handeln motiviert. Und ich wünsche mir, mit diesem Blog – zumindest im Moment – einen kleinen Beitrag zu leisten, dass wir mehr von und in uns selbst erkennen. Um überhaupt erst einmal zu verstehen wie wir ticken und warum überhaupt. Denn erst dann können wir vielleicht Wege finden wie wir überhaupt miteinander klar kommen lernen. Damit wir nicht immer wieder gegen Pumpen laufen ohne es zu merken und uns ständig fragen warum verdammt noch mal uns der Kopf immer weh tut.

Schließlich verhalten wir alle uns ein bisschen so wie die Menschen, die in den 1960er Jahren in New York tatenlos dabei zugesehen haben wie die 28 jährige Kitty Genovese ermordet worden ist. Wofür sich auch eine Erklärung finden lässt. Und was trotzdem keine Entschuldigung dafür sein darf, dass unser Planet. Den Bach runtergeht.

Ganz einfach und schmerzlos und vom ganzen Herzen: ich wünsche Euch ein glückliches Neues Jahr! Möget Ihr weiser werden, aus Fehlern lernen, neue Fehler begehen, neue Erfahrungen sammeln, weiter schreiten, keinen Hunger leiden, einwenig Luxus erfahren, Freundschafet begegnen, Liebe begegnen und alles halb so ernst nehmen!

Dies ist mein dritter Versuch, die Bedeutung dessen, was in der Wissenschaft als Institutionalisierung bezeichnet wird, hier einigermaßen verständlich darzustellen. Und wenigstens hier und da auch interessant. Bei letzten Mal hab ich mich derart verhoben, dass ich am Ende selbst nicht mehr so recht wusste, warum ich den Artikel geschrieben überhaupt geschrieben habe. Nun habe ich ein paar Wochen darüber nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass es vielleicht das Beste ist, wenn ich einfach ein wenig frei assoziiere über das Thema. Das hat den entscheidenden Vorteil, das ich nicht gezwungen bin, Belege anzuführen und Sachverhalte in Gänze zu erklären, sondern sie ganz bewusst assoziativ zu behandeln. Auch wenn dies ein wenig zu Lasten einer ausgewogenen Betrachtung mancher Aspekte und Begebenheiten geht.

Aber genug des einleitenden Geschwafels. Beginnen wir vielleicht als kleines Warmup mit der als QUERTY-Problem bezeichneten Pfadabhängigkeit, an der sich das hinter der Institutionalisierung stehende Prinzip gut und grundsätzlich erklären lässt. Der Name QUERTY leitet sich dabei von den ersten sechs oben links angeordneten Buchstaben der amerikanischen Computer-Tastatur her, bei der – im Gegensatz etwa zur deutschen – die Buchstaben Y und Z vertauscht sind.

Der Grund für diese Anordnung war zu Beginn des Schreibmaschinenzeitalters vor – ich würde mal vermuten mehr als hundert Jahren ein ganz pragmatischer. Die Mechanik der ersten Maschinen nämlich war noch nicht ausgereift, weshalb bei der Anordnung der Tasten nicht ergonomischen, sondern mechanischen Kriterien genügen musste. Oder anders ausgedrückt: damals interessierte es einfach nicht, ob die Anordnung der Tasten dem Wohlbefinden des Schreiberlings entgegenkam. Man war wahrscheinlich eher froh überhaupt einen Satz flüssig in das Ding reingehämmert zu kriegen. Ähnlich verhält es sich übrigens mit dder CAPSLOCK-TASTE, DIE DER PERMANENTE GROßSCHREIBUNG DER BUCHSTABEN DIENT. Sie wurde ursprünglich eingebaut, weil die Walzen der ersten Schreibmaschinen so schwer waren, dass man schon ein paar Wochen Zementsäcke geschleppt haben musste, eh man sagen wir etwa eine Überschrift von zehn Zeichen ohne Pause zu Papier zu bringen vermochte. Die Capslock-Taste vereinfachte dieses Problem, in dem sie als Arretier-Hebel fungierte, mit dessen Hilfe die Walze in permanenter Großschreibung gehalten werden konnte.

Ganz schön clever, sollte man vielleicht denken. Und das ist es auch. Problemlösungen, die so sinnvoll waren, dass sie sich weltweit durchgesetzt haben, wenn nicht… Ja, wenn nicht. Schlagen wir mal ein paar Geschichtskapitel weiter und sehen uns die Welt des Jahres 2010 einmal an. In der es überhaupt keine Schreibmaschinen mehr gibt außer vielleicht in einem Museum oder im Arbeitszimmer einer verschrobenen Schriftstellers, der vermutlich grad auf Ebay nach den letzten weltweiten Reserven von seit Jahren nicht mehr produzierten Farbbändern fahndet. Der Rest der Welt hämmert – wenn überhaupt – seine mehr oder minder nichtigen Gedanken und Befehle in irgendwelche Rechner, Laptops und Tablet-PCs, die sich vermutlich darüber kaputt lachen würden über die Geschwindigkeit, mit der unsere ach so flinken Finger versuchen, Informationen in sie reinzuhacken. Doch was sehen wir, wenn wir den Blick vom Bildschirm auf die davor befindliche Tastatur richten? Eben. Buchstabensalat Anno 1850. Oder hat sich von Euch etwa noch niemand gefragt wozu diese dämliche TASTE ÜBERHAUPT DA ist, die man blöderweise beim Tippen immer mal wieder erwischt, nur um sich umgehend darüber zu ärgern.

Das ist, kurz umrissen das, das Prinzip, was hinter der Institutionalisierung steht: Ein Lösungsansatz, der für ein spezifisches Problem entwickelt wurde und eine zeitlang gut funktioniert, führt nach einigen Jahren, Jahrzehnten, Jahrhunderten zu massiven Problemen, die man dann allerdings nur schwer in den Griff bekommt, weil niemand sich in der Lage sieht, von den eingetretenen Pfaden abzuweichen. Und wenn wir alle nicht mal in der Lage sind, einfach alte Tastaturen gegen neue auszutauschen. Wie soll es sich dann bspw. mit Religionen verhalten, die auf dem vermeintlichen Wort Gottes Fußen? Oder mit Parteien und womöglich sogar Staaten, die und noch suboptimal oder vielleicht sogar allgemeinwohlschädlich agieren, vielleicht weil sich die Zeiten geändert haben, die Umstände, was weiß ich. Aber nicht im standen sind, sich zu verändern, weil viele Dinge einfach so sind wie sie sind. Und sie schon immer so waren. Zumindest schon lange. So lange, dass sich vielleicht keiner mehr so richtig daran erinnern kann, warum das Alles eigentlich so gekommen ist wie es gekommen ist.
Und wozu es ursprünglich mal gedacht war.

Viel zu viel was hauptsächlich im Rahmen der Wikileaks-Veröffentlichungen über Informationen geschrieben, gemutmaßt, ähem, informiert wurde. Ich will den ganzen Mist, der überall geschrieben wird nicht auch noch wiederkauen, aber hauptsächlich dreht es sich darum, wie mit Informationen umgegangen wird, die einem nicht gehören, aber irgendwie doch die Öffentlichkeit betreffen oder – das Medienecho ist Beleg genug dafür – von öffentlichen Interesse sind. Irgendwie.
Letztlich ist dieser ganze Vorgang – ähnlich wie meines Erachtens bspw. auch der Grand-Prix-Sieg von Lena Meyer-Landrut – Teil der zunehmenden Institutionalisierung eines Mediums, das angesichts seiner kurzen Lebensdauer noch ganz am Anfang steht. Auch wenn wir uns alle wahrscheinlich gar nicht mehr vorstellen können, wie die Welt ausgesehen hat, in der man sich nicht bei Spiegel Online oder Bild.de ein Bild zur Lage des Planeten machen, bei Wikipedia mal schnell die Geschichte des Nationalsozialismus nachschlagen oder sich die ersten acht Plätze der Charts bei Youtube anhören konnte. Von dem ganzen Stuss, den man anschließend in Blogs, Tweeds und Comments sich in die Welt hinauszuposaunen genötigt sieht mal ganz und gar abgesehen.
Und auch wenn dieses inzwischen zumindest einen Teil unseres Lebens direkt bestimmende Medium sich entwicklungsgeschichtlich noch im Larvenstadium befindet, sind jetzt schon einige Probleme erkennbar, die in Zukunft vermutlich an Schärfe noch zunehmen werden.

1. Verfügbarkeit von Informationen
Die Tendenz der Internet-User, sich hauptsächlich über Dienste wie Facebook und iGoogle zu vernetzen sind erschreckend. Allein, dass Google als Suchmaschine eine derartige marktbeherrschende Stellung hat, würde in anderen Bereichen und Branchen wohl längst das Kartellamt auf den Plan gerufen haben. Bei Facebook ist es ähnlich. Hinzu kommt, dass diese Unternehmen durch die Erweiterung ihres Angebots etwa auf Email-Dienste immer mehr Aufmerksamkeit ihrer Nutzer zu binden in der Lage sind. Zumal der Nutzen bspw. von Facebook durch jeden weiteren User steigt. Und womöglich werden in naher Zukunft Facebook-User im Netz alles tun können, ohne Facebook überhaupt zu verlassen. Zumindest alles tun können, was Facebook ihnen gestattet. Problematisch ist nämlich, dass Facebook, also ein Konzern – ähnlich wie Google heute schon – als eine Art Schleusenwächter fungiert, der entscheidet, welche Informationen die User zu sehen bekommen. Oder zumindest massiven Einfluss darauf nehmen kann, wie Informationen gefiltert, dargestellt und bewertet werden. Und mir ist kein Beispiel geläufig, bei dem es ein Segen gewesen wäre, dass sich ein Konzern um das Gemeinwohl gesorgt hätte.

2. Verlässlichkeit der Informationen
Was uns gleich zum zweiten Problempunkt führt, der Verlässlichkeit von Informationen. Wozu das Netz allerdings einen wesentlichen Beitrag leistet, ohne das etwa der Fauxpas der letzten Wetten, dass..?-Sendung völlig unentdeckt geblieben wäre. Von den Wikileaks-Veröffentlichungen mal ganz zu schweigen. Allerdings… im Netz weiß niemand, dass Du ein Hund bist, wie es so schön heißt. Und daher weiß auch niemand wirklich, wer hinter welchen Informationen steckt. Sonst hätte bspw. die CIA schon an einige Haustüren mehr geklopft. Wer aber versucht uns was abseits eingetretener Pfade wie Spiegel Online glauben zu machen? Und wer weiß überhaupt, welches Ziel ich mit dem Schreiben dieser Zeilen bezwecke?

3. Relevanz der Informationen
Eine Schwemme, die das Netz erst richtig möglich macht. Lady Gaga hat dies. Der Freak auf Youtube hat jenes. Superpimp88 findet dieses gut und hat jene High-Score in World of Hastenichtgesehen geknackt. Und fiebert mit Chiles verschütteten Bergleuten mit. Und mit den chinesischen eben nicht.
Aber neben dem ganzen Gossip-Müll von X-Faktor bis Boris Becker und der Frage nach der Sinnhaftigkeit diesbezüglich überbordender Berichterstattung ist da noch ein Punkt, der mir beim Schreiben meines letzten Blogs so richtig bewusst geworden ist. Ob wirklich alle verfügbaren Informationen für alle automatisch zur Verfügung stehen sollten.
Nehmen wir als Beispiel etwa ein Dokument über sicherheitsrelevante Ziele (vorausgesetzt man einigt sich auf eine Definition dieses Begriffs). Vielleicht interessiert und darf auch interessieren, wer dieses Dokument in Auftrag gegeben hat und zu welchem Zweck. Und von mir aus auch welche dunklen Machenschaften damit vertuscht werden sollten und dergleichen. Aber hat die Öffentlichkeit wirklich zu interessieren, um welche sicherheitsrelevanten Ziele es sich handelt? Trägt das zu irgendeiner Erhellung bei, die irgendjemandem nutzt?
Oder eine Anleitung zum Bau von Bomben. Soll so etwas für alle frei zugänglich sein? Durch einen Click auf einen Link, besser noch: auf ein Video? Ich weiß nicht. Ich mein, immerhin kann man sich dieses Wissen auch aneignen, ohne das Netz. Durch ein Chemie-Studium etwa. Braucht man also dieses Wissen auch auf Knopfdruck? Und würde es irgendwen ernsthaft stören, wenn es einem nicht unmittelbar zur Verfügung stünde?

All diese Punkte wurden für mich durch die Nachwirkungen der Wikileaks Veröffentlichung bewusst gemacht. Wer hat überhaupt das Recht welche Informationen preiszugeben? Und wie verlässlich sind diese Informationen? Und auch wenn ich grundsätzlich für gut erachte, was Wikileaks tut, bin ich mir nicht sicher, ob gerade der letzte Punkt mit der Philosophie der dahinterstehenden Menschen vereinbar ist. Bleibt daher nur zu hoffen, dass dadurch niemandem ein ernsthafter Nachteil erwächst.
Und vor allem, dass die Sarah Palins dieser Welt den momentanen Feldzug nicht zu nutzen wissen, um das Netz zu regulieren. Wie es Facebook heute schon tut.

So, gönnen wir den Linken mal eine Pause und sehen uns an, wie grotesk das Establishment als Bewahrer der Werte zu Werke geht. Es ist eine unfassbare Unfassbarlichkeit, so viel steht fest. Nicht nur, dass die Staaten von Griechenland über Großbritannien bis einschließlich den USA unter der Schuldenlast zusammenzubrechen drohen. Nein, nun wird ernsthaft über eine Exit-Strategie nachgedacht, wie man das sich abzeichnende Problem (war die Finanzkrise nicht eigentlich überwunden) in den Griff kriegen könnte.

Am brachialsten – oder sollte ich sagen: unkreativsten – gehen mal wieder die Amerikaner die Sache an – hemdsärmelig, wie sie sich selbst am liebsten sehen. Denn da ihr maroder, schlecht konzipierter und ideell ausgebluteter Staat, der es sich zum Ziel gesetzt hat, den Großteil der Bevölkerung in die bittere Armut zu treiben, immer weiter in den Abgrund rutscht, spielt Notenbankchef Bernanke ernsthaft mit dem Gedanken, den Geldhahn aufzudrehen und das Land und die Welt mit Dollars zu überschütten. Viel hilft ja bekanntlich auch viel. Na ja, die Amerikaner wirds vermutlich nicht sonderlich stören, schließlich hat derlei Verhalten Tradition und schon der frühere Notenbank-Chef Greenspan wusste jeder “Krise” mit einer Leitzinssenkung zu begegnen, bis diese dann irgendwann bei sagenhaften 0% lagen.

Na ja, da sind die Europäer vielleicht schon weiter, mag mancher denken. Denn egal wie man es sieht, der gemeinsame Euro-Raum erzwingt gemeinsames Handeln und macht nationale Alleingänge wie die USA sie lieben zumindest schwierig. Wobei auch nicht wirklich von Alleingang geredet werden kann, denn selbst der IWF plädiert dafür den so genanten Rettungsschirm auszudehnen und noch mehr Geld in den Markt zu pumpen. Da drängt sich ja fast schon die Frage auf, wer beim IWF das Sagen hat.

Aber zurück nach Europa. Die Bürokraten dort bevorzugen nicht unbedingt die hemdsärmelige Lösung. Sondern verlieren sich lieber im Paragrafen-Wirrwarr. So wird bspw. über ein Insolvenzrecht für Staaten nachgedacht. Als wäre Griechenland nichts anderes als etwa Karstadt oder Holzmann. Zur Debatte steht in diesem Zusammenhang jedenfalls der Zwang privater Gläubiger, notfalls auf Forderungen gegenüber Staaten zu verzichten. Oder eine vorab eingeleitete Um- und Entschuldung, der betroffenen (also aller) Staaten, bei der man sich mit den Gläubigern (den Banken) einigt, welche Forderungen abgeschrieben werden müssen, bei welchen die Zinsen für eine gewisse Zeit ausgesetzt werden und bei welchen Gläubigern ein Forderungsausfall nicht tragbar erscheint und die Lasten verteilt werden müssen.

Fassen wir also zusammen: Die Staaten haben die Geldpolitik einer “unabhängigen” Institution überantwortet, damit die Politiker nicht versucht sind, im Zweifelsfall die Notenpresse anzuschmeißen, Geld zu drucken und die Inflation anzuheizen. Was sie auch gar nicht mehr brauchen, weil das jetzt einfach die Notenbankchefs übernehmen, was den zusätzlichen
Vorteil hat, dass die Politiker jede Schuld von sich weisen können.

Das System sieht weiterhin vor, dass das von den Notenbanken ausgegebene (oder besser: ausgeschüttete) Geld an die Banken weiterverliehen wird – bestenfalls zu einem Zins von 0%. Damit diese das dann wiederum den Staaten leihen können, damit diese sich über die Jahre hinweg zu Tode verschulden. Und wenn dann irgendwann nichts mehr geht, stützt man entsprechend die Banken, wenn diese durch Forderungsausfälle zusammenzubrechen drohen. Oder man einigt sich mit den Banken und stellt für ein paar Monate die Zinsforderungen zurück – gegen einen saftigen Risikoaufschlag, versteht sich. Oder man streicht die Forderungen nach Gutdünken, weil man sie nicht mehr bezahlen kann. Und rettet die Banken dann anschließend, mit Rettungspaketen und Schirmen. Mit welchem Geld auch immer.

Schließlich können Staaten nicht wirklich pleite gehen wie Unternehmen. Dann kriegen sie vielleicht zur Strafe kein Geld mehr. Aber da fällt irgendwem sicherlich auch noch etwas Kluges zu ein. Hauptsache es geht weiter irgendwie. Immer weiter. Irgendwie.

Reden wir heute mal über Ernährung und Lebensmittel, das Thema das derzeit, ähem, in aller Munde zu sein scheint. Und auch hier ist es nicht sonderlich schwer, die Abgründe aufzuzeigen, die dieses System – auch global gesehen – mit uns macht. Und in diesem Fall auch in uns.

Fangen wir mit den Produzenten an. In Kamerun etwa sind vor ein paar Jahren die Geflügelbauern auf die Barrikaden gegangen. Grund war, dass europäische Geflügellieferanten den heimischen Markt mit Geflügelteilen zu Dumpingpreisen überschwemmten. In Europa nämlich wird fast ausschließlich die Brust von Hühnern nachgefragt. Was mit dem Rest des Huhns passiert, interessiert ja auch nicht weiter. Da man aus den Schenkeln zumindest noch ein Geschäft machen kann, verhökert man diese zu Schleuderpreisen in die so genannte Dritte Welt. Und treibt die Bauern vor Ort in den Ruin.

Die haben übrigens auch in anderer Hinsicht das Nachsehen. Etwa wenn sich die Äthiopische Regierung die Namen Sidamo, Harar und Yirgacheffe markenrechtlich schützen lassen will. Das sind schließlich Regionen in Äthiopien, ähnlich wie bei uns das Rheinland oder das Erzgebirge. Nur, dass die Namen dieser Regionen gleichzeitig Synonyme sind für den Kaffee, der in diesen Regionen angebaut wird. Aus diesem Grund wollten sich die Äthiopier diese Namen schützen lassen, um den Wert und damit den Preis des von ihnen exportierten Kaffees zu steigern. Was der Kaffeehaus-Kette Starbucks überhaupt nicht gefiel, die immerhin einen Jahresumsatz macht, der fast so hoch ist wie das Bruttosozialprodukt Äthiopiens. Starbucks hatte sich die besagten Namen nämlich ebenfalls schützen lassen und verzichteten erst auf diese Markenrechte, nachdem die ganze Sache bekannt geworden war. Kunden trinken schließlich nicht gerne bei Ausbeutern und wollen auch gar nicht wissen, ob Billigklamotten von Kindern hergestellt werden. Oder Bäume von Billigmöbel-Ketten illegal gefällt werden. Aber ich komme vom Thema ab.

Denn nicht nur die ärmeren Länder haben in dieser, unseren Welt leider das nachsehen. Den Viechern, die irgendwann auf Tellern, in Kühlregalen und in runden Blechsärgen mit Aufschrift “Königsberger Klopse” landen, geht es sicherlich nicht besser. 0,4 Quadratmeter gesteht man heute einem Schwein als Lebensraum zu, bevor man es 6 Monate nach der Geburt zum Schlachthof karrt. Und wer sich durchliest, wie diese 6 Monate im Leben eines zukünftigen Schweineschnitzels aussehen, oder ansieht wie es Kühen und Schafen ergeht, die von Übersee zum Schlachten hergeschafft werden – notfalls mit gebrochenen Beinen. Der denkt wahrscheinlich zumindest über die Alternative eine fleischlosen Ernährung nach.

Seltsamerweise hat am Ende nicht einmal der Verbraucher bzw. Konsument von all dem etwas. Zumindest nicht grundsätzlich. Natürlich bekommt er seinen Kaffee brühwarm. Seine Hähnchenbrustfilets auf seinem Caesar-Salat. Frühstücksspeck und Ei. Da läuft jedem das Wasser im Mund zusammen. Nur, dass wohl oft genug Tiere aus Massentierhaltung vollgestopft sind mit Antibiotika, damit sie die Torturen bis zur Schlachtung überhaupt ertragen. Davon ausgegangen werden kann, dass mindesten 20% unsere Lebensmittel aromatisiert sind – was nichts anderes bedeutet, als dass die meisten Erdbeer-Joghurts zwar so heißen, nach Erdbeeren schmecken und auf dem Weg zum Supermarkt vielleicht sogar an einem Erdbeerfeld vorbeigefahren sind. Aber eben keine Erdbeeren enthalten. Ebensowenig wie die meisten Zitrustees, Hühnersuppen oder Pfefferminzbonbons.

Und damit sind wir schon am Ende der Nahrungskette angelangt. Die sich hauptsächlich mit Werbung befasst und damit, uns das Essen schmackhaft zu machen, durch “L. Casei Defensis”-Kulturen etwa, die angeblich unser Immunsystem stärken. Oder Joghurt-Gums, die nicht fett machen sollen, weil kein Fett enthalten ist. Dafür aber ne gefühlte Tonne Zucker oder so. Vorzugsweise angepriesen von Prominenten. Oder – in letzter Zeit in Mode gekommen – Sterneköchen wie Johann Lafer oder Cornelia Poletto. Die täuschen dann auch bestenfalls darüber hinweg, dass die “E-Nummern”, die Zusatzstoffe von Lebensmitteln auf den Packungen, fast völlig verschwunden sind.
Weil den Konsumenten diese Nummern nämlich nicht geheuer sind, ist man einfach dazu übergegangen, die Zusatzstoffe nicht mehr zu nummerieren, sondern einfach beim Namen zu nennen.

E 407 oder Carrageen klingt einfach nicht so gut wie Algenextrakt. Und Hefeextrakt klingt sogar geradezu gesund. Auch wenn es nichts anderes ist als ein Geschmacksverstärker, der – in isolierter Form – einen anderen Namen trägt: Mononatriumglutamat. Na dann. Guten Appetit.

Das Gruselwochenende ist vorbei, jenes, an dem überwiegend (zumindest sichtbar) Halloween gefeiert worden ist, ein Brauch, der aus den USA immer mehr nach Europa rüber schwappt. Verkleidete Kinder, Kürbislaternen, Süsses oder Saures.  Einigen stößt diese Aneignung des amerikanischen (und überwiegend als konsumfreundlich verstandenen) Brauches sauer auf – meine Freundin packte ihre Sachen und fuhr mit ihrem Besuch aus Norwegen gen Osten, um ihm einen ähnliches Fest in Polen zu zeigen. Am 1. November nämlich wird dort Allerheiligen gefeiert. Dieses Fest hat – nicht überraschend – den gleichen Ursprung wie Halloween, nämlich im keltischen Fest Samhain, der das Sommerende feierte und zugleich die Toten ehrte.  Allerheiligen ist ein römisch-katholisches Fest (einige andere christliche Glaubensgemeinschaften kennen ihn auch), das zu Ehren jener Heiligen stattfindet, die sonst im katholischen Kanon nicht erwähnt werden. Menschen strömen auf die Friedhöfe, um dort Kerzen aufzustellen und auch der eigenen verstorbenen  “Heiligen” zu gedenken.

Im Gegensatz zu Halloween ist das Meer von Kerzen auf den Friedhöfen die meist einzige sichtbare Weise, das ansonsten stille und andächtige Fest zu begehen. Es wird nicht getanzt, es wird sich nicht mit fremden Süßigkeiten vollgefressen – vielleicht erzählt der Großvater am Tische nach dem Gebet ein paar gruselige Geschichten, meist aber eher Anekdoten aus dem Leben der lieben Verstorbenen. Im kommunistischen Polen übrigens, in dem das Fest weiterhin begangen wurde, hieß es neutral “Aller Toten” oder “Fest der Toten” – die Kommunisten hatten es ja bekanntlich nicht so mit der Kirche.

Einen weiteren Teil der Mit Knigge in den Abgrund Reihe zu schreiben angesichts solcher Schlagzeilen wie Staaten rüsten zum Weltkrieg der Währungen oder Forscher fürchten massenhaftes Wirbeltier-Sterben erscheint mir dann doch zu einfach. Daher will ich eine zweite Serie beginnen, auch wenn ich den Gedanken Artikel in “Serien” zu schreiben irgendwie albern finde. Allerdings sind einige Dinge, die ich hier ansprechen schon ziemlich kompliziert, weshalb ich die Aufmerksamkeit der rund hundert Menschen, die inzwischen regelmäßig diesen Blog besuchen nicht überstrapazieren will. Schon gar nicht mit dem wichtigen, aber doch unendlich trockenen Gelaber über das liebe Geld.

Kommen wir zur Abwechslung mal zu etwas völlig anderem. Und fangen mal ganz am Anfang an. Nicht unbedingt bei Adam und Eva. Auch die Ägypter, Babylonier, Perser, Griechen, und Makedonen klammern wir aus. Und kommen gleich auf die uns vielleicht eher bekannten, alten Römer zu sprechen. Doch auch hier starten wir nicht bei Romulus und Remus und dem Raub der Sabinerinnen und dem ganzen ollen Plunder. Sondern überspringen die Stadt- und Staatsgründung und sehen uns an, was zum Ende der Römischen Republik los war, die entstanden war, nachdem man das ursprünglich bestehende Königreich um 500 v. Chr. hinweggefegt und den Staat zur Republik, zur Sache des Volkes (Res Publica – öffentliche Sache) erklärt hatte. Um die Macht einzelner zu beschneiden versteht sich, was sich auch zunächst gut anließ: Ämter, auch die höchsten im Staat, wurden von zwei, sich gegenseitig kontrollierenden Personen ausgeübt, und das jeweils auch nur für ein Jahr. Klingt ziemlich fortschrittlich für eine Zeit, in der Gegner massenhaft gekreuzigt wurden und Verlierer sich in ihr Schwert zu stürzen hatten, ehrlich.

400 Jahre später sah die Sache mit dem Volk allerdings schon wieder ganz anders aus. Die Oberschicht hatte es sich nämlich inzwischen in Senat und Staatswesen gemütlich gemacht und schob sich nicht nur gegenseitig die zu verteilenden Ämter zu, sondern nahm – durch entsprechende Gesetze legitimiert – auch einen erheblichen Teil der Ländereien jener Völker in ihren (Privat-)besitz, der von Rom erobert worden war. Als sich aber dann der Volkstribun Tiberius Gracchus – selbstredend keineswegs uneigennützig – anschickte, eine Art Landreformen durchzusetzen, um der ärmeren Bevölkerung Roms wenigstens einen Teil des zu verteilenden Landes zukommen zu lassen – von wegen Sache des Volkes und so – scheiterte diese wenig überraschend am Widerstand der Senatoren.

Diese gescheiterte Reform war dann der Beginn eines sich Jahrzehnte hinziehenden Bürgerkriegs, an dessen Ende auch das Ende der Republik stand. Und der Beginn des Römischen Kaisertums. Das dann auch immerhin noch gut 400 Jahre währte, bevor das Reich dann endgültig kollabierte. Woran ein etwa zeitgleich zum Ende der Republik in der römischen Provinz Galiläa geborener Mann nicht ganz unschuldig war, der über die Jahrhunderte und mithilfe zigtausend kleiner und großer Helferlein die bestehenden Verhältnisse noch um einiges wesentlicher und bis in die heutige Zeit hinein um wälzen würde als die meisten menschen vor – und wohl auch nach ihm.: Der um 4 vor sich selbst in Nazareth – und nicht etwa Betlehem – geborene Sohn eines wohlhabenden Zimmermanns mit Namen Jesu.

Ich denke, dass wir die Geschichte von Jesus und seinen Mannen so mehr oder minder alle zur Genüge kennen. Und ich lege es auch gar nicht darauf an, ein paar bekannte oder auch weniger bekannte Sozialrevolutionäre aus der Kiste zu kramen und Für und Wider ihres Wirkens gegeneinander zu stellen. Vielinteressanter ist vielleicht, sich einmal anzusehen, in welchem gesellschaftlichen Kontext diese Umwälzungen stattfanden, die für unsere Gesellschaft immer noch minder bzw. im Fall von Jesus sogar erheblich bedeutsam sind.

Die Rede soll hier sein von dem, was gemeinhin als Institutionalisierung bezeichnet wird, über die ich schon einmal einen Artikel verfasst habe und mit der Prozesse gemeint sind, durch die sich soziale Beziehungen und Handlungen zu nicht mehr zu hinterfragenden entwickeln und somit irgendwann als “objektiv gegeben” angesehen werden. Das klingt jetzt wahrscheinlich komplizierter als es ist. Aber grade die Institutionalisierung ist meines Erachtens maßgeblich dafür verantwortlich, dass unsere Welt so besch!ssen ist wie sie nun mal ist, und mit der Hauptgrund, warum zumindest ich seltsamerweise immer wieder das Gefühl hat, dass – salopp gewagt – normalerweise die “Bösen” gewinnen.

Vereinfacht lässt sich sagen, dass am Beginn menschlichen Handelns der Wunsch oder die Notwendigkeit stehen, etwas zu verändern, zu verbessern, normalerweise um den Nutzen – den persönlichen, aber vielleicht sogar den gesellschaftlichen – zu erhöhen. Das kann bspw. die Absetzung eines Königs oder gar Despoten sein wie zu Beginn der Römischen Republik geschehen. Oder die Abkehr von einer Vielzahl aller möglichen Götter und Hinwendung und Konzentration auf einen einzigen, wahren Gott, eine Idee, die am Beginn des Judentums stand. Natürlich sind auch andere Dinge denkbar, etwa die Entdeckung eines Medikaments. Oder irgendeine Erfindung. Eine Theorie vielleicht… Irgendetwas von dem die Schöpfer oder die Unterstützer überzeugt sind, dass es ihr Leben und womöglich das ihrer Kinder verbessert.

Leider ist die menschliche Natur jedoch so gestrickt, dass sie ein Prinzip, dass sich vermeintlich bewährt hat, gerne zur Norm erklärt. Zur allseits gültigen Gesetzmäßigkeit. Und hier beginnt der vielgerühmte Hamster zu humpeln. Denn Zeiten und Menschen sich nun mal und es passiert durchaus, dass die für alle geltenden Normen irgendwann nicht mehr geeignet sind, aktuelle Probleme zu lösen. So hatte sich bspw. auch der Römische Senat über die Jahrhunderte von einer mehr oder minder echten Volksvertretung zu einem Interessenverband für Senatoren gewandelt, die durch zahlreiche Gesetze dafür sorgten, dass ohne ihre Zustimmung keine Entscheidungen mehr getroffen werden konnten. Und auch das irgendwie durch Jesus begründete Christentum kann in seinen Anfängen durchaus schlicht als Reformbewegung innerhalb des Judentums gesehen werden, das sich – nach Jahrhunderten der Kriege und Vertreibungen trotz der Okkupation durch Rom – im heiligen Land allmählich einzurichten begann.

Zahlreiche Effekte lassen sich durch die Institutionalisierung erklären. Lobbyismus zum Beispiel. Unser Geldsystem. Die Unfähigkeit der katholischen Kirche auf die AIDS-Epidemie in Afrika anders zu reagieren als mit dem Predigten zur Enthaltsamkeit. Selbst der Zusammenbruch der Sowjetunion oder der Untergang des Kaiserreichs lassen sich zumindest teilweise damit erklären. Was ich in dieser neuen Serie versuchen will. Und da ich bis hierher so unfassbar viel Zeug verzapft habe, belassen wir es auch erstmal dabei.

Eins der bemerkenswertesten Bücher, die ich gelesen habe, ist Guy Kawasakis inzwischen leider vergriffenes Gesetze für Revolutionäre, dessen zweites Kapitel überschrieben ist mit:
Don´t worry, be mies (engl. Don´t worry, be crappy). Was Kawasaki in dem Kapitel sagt ist, dass man mit einem Projekt erstmal starten soll, auch wenn es am Anfang womöglich chaotisch ist und unzureichend. Denn das was man an Feedback bekommt, wenn man sich den Realitäten (bei Kawasaki: des Marktes) stellt, ist wertvoller als alle hochtrabende Planung und Theorie. Und eine unschätzbare Hilfe, wenn man sich verbessern will. Ironischerweise ist das auch einer der Hauptkritikpunkte, die ich den von mir so oft schon gescholtenen Linken vorwerfe: Dass sie in ihren Zirkeln sitzen und sich darin gefallen, schöngeistige Reden zu schwingen. Statt aufzustehen und mehr zu tun als hin und wieder wahlweise gegen Hartz IV oder irgendwelche Nazi-Vollidioten zu demonstrieren.

Aber weg von den Linken, hin zum PAL-Projekt. Für das derselbe Grundsatz gilt von Beginn an. Don´t worry, be mies. Um uns das Ganze noch einmal in Erinnerung zu rufen: Mitte letzten Jahres hat das ganze begonnen mit dem Fischer-Projekt, einer einmaligen Sache, bei der wir Frau B. Bett und Küche gebaut und die Wohnung mal aufgeräumt haben. Im Verlauf dieser Aktion entstand die Idee, diese Art der Bedürftigen-Hilfe dauerhaft zu etablieren. Also haben wir uns ein Altenheim gesucht, und sind mit den gehbehinderten Leuten dort einmal in der Woche Enten füttern gegangen. Die geleisteten Stunden wurden – und werden – von der Altenheim-Verwaltung dokumentiert und alle Helfenden bekommen ¥€$-Punkte für ihre Arbeit. Damit war das PAL-Projekt geboren (dessen Name sich ursprünglich auf Douglas Adams’ Buch Per Anhalter durch die Galaxis bezieht und zuerst als Witz gedacht war). Und nun, ein Jahr später, schreibt mich eine mir nicht bekannte Person an, Miss Me Too, und fragt, inwiefern man das Projekt auf andere Hilfsbedürftigen-Gruppen übertragen könne. Unabhängig von den zig Leuten, mit denen wir in der Zwischenzeit darüber geredet haben, und die alle mehr oder minder begeistert sind von der Idee. Dazu kann ich nur sagen: Hammer. Und dass es mich echt freut, dass sich wirklich was bewegt. Wenn auch noch ziemlich chaotisch. Und in Tip-Top-Schritten.

Nehme ich Miss Me Toos Kommentar daher zum Anlass, um eine Zwischenbilanz zum PAL-Projekt zu ziehen, und zusammenzufassen, was sich aus unserer Arbeit und allen Gesprächen, die wir zwischenzeitlich geführt haben, ergeben hat:

1. Die Situation dürfte jedem klar sein, dennoch eine kurze Prognose: ohne Schwarze Schafe an die Decke malen zu wollen, aber: Das System wie wir es kennen schlittert dem Untergang entgegen. Wie ich bereits an anderer Stelle ausgeführt habe, wird das Zinssystem und die damit zusammenhängende Staatsverschuldung auf kurz oder kürzer dazu führen, dass unser Staat und alle übrigen Staaten unter den Zinslasten und Schuldenbergen zusammenbrechen wird. Wie es in Griechenland bereits geschehen ist – und trotz der Billionen und Billiarden, die sie jetzt auf Pump (!) in den Markt blasen. Zu diesen monetären Problemen kommt eine systemimmanente Sockelarbeitslosigkeit, die – bedingt u. a. durch die Entwicklung hin zur Dienstleistungsgesellschaft – den Effekt hat, dass es nicht genug (bezahlte) Arbeit gibt, um alle arbeitsfähigen Menschen zu beschäftigen. Was neben einem offensichtlichen Allokationsproblem vor allem das Problem mit sich bringt, dass Menschen innerhalb der Gesellschaft ausgegrenzt werden, sozial und vor allem ideell.

2.  Was das zur Folge hat – wer weiß? Jedenfalls wird es nicht mehr lange so weitergehen. Ich lese grade ein Buch mit dem Titel: Wann kommt der Staatsbankrott? Gedruckt 1982. Also, das wird nicht mehr lange dauern. Ich glaube, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass es wahrscheinlich schlimmer wird als besser. Was auch immer das heißt. Und dass insbesondere für soziale Dienste immer weniger Ressourcen zur Verfügung stehen werden. Siehe bspw. das Sparpaket. Das leider auch nicht helfen wird.

3. Fassen wir also zusammen. Auf der einen Seite haben wir eine überalternde Gesellschaft, die sich weder ausreichend um die Alten noch ausreichend um den Nachwuchs kümmern kann, und die zwar Ressourcen zur Verfügung stellt, um ihre Kranken und Pflegebedürftigen hinreichend mit Medikamenten und ärztlichen Leistungen zu versorgen. Sonstige – nennen wir sie einmal gefühlsduselig menschliche – Leistungen aber immer weiter zurückschraubt, weil schlicht kein Geld da ist. Auf der anderen Seite steht unserer Gesellschaft ein größer werdender Pool an Menschen zur Verfügung, die (im Großen und Ganzen) arbeitswillig und arbeitsfähig sind, für die es jedoch systembedingt immer weniger Arbeit gibt und geben wird. Zum Dritten leben wir innerhalb eines Wirtschaftssystems, das zusammenzubrechen droht und niemand vorhersagen kann, was dann passieren wird.
Im August 1939 noch war sich – trotz des hitlerschen Säbelrasselns und der deutschen Annexion ganzer Länder – kaum ein Mensch des sich abzeichnenden Krieges bewusst. Schlicht weil Menschen insgesamt dazu neigen, den bestehenden Zustand als gegeben zu akzeptieren. Und auf das Beste zu hoffen. Wollen wir nun hoffen, dass es nicht zu (Bürger-)krieg und Verteilungskämpfen kommt, wenn das System zusammenbricht. Wenn wir plötzlich vor leeren Supermarktregalen stehen und kein fließendes Wasser mehr aus der Leitung kommt. Weil auch die Zahlungsströme versiegt sind.

4. Das PAL-Projekt oder das dahinterstehende Prinzip kann helfen, die unter 3. genannten möglichen Effekte zu dämpfen. Hauptsächlich weil es Hilfebedürftige und Hilfewillige zusammenführt. Daneben aber, weil es ein Parallelsystem (ein komplementäres Wirtschaftssystem) befördert, das unabhängig existiert vom regulären Geldmarkt. Sollte es auf diesem dann zum Zusammenbruch kommen, können die durch ein solches Netzwerk entstanden Organisationsstrukturen helfen, das System der notwendigen gegenseitigen Hilfe (Arbeitsteilung) aufrecht zu erhalten.

5. Das Prinzip selbst ist denkbar einfach. Man geht hin und hilft irgendwelchen hilfebedürftigen Menschen. Fertig ist der Lack. Doch natürlich ist es so einfach dann doch nicht. Zum einen weil, wie Miss Me Too richtig bemerkt, man in Konkurrenz tritt zu anderen Pflegeinstitutionen. Das wird im Moment noch kein Problem sein, weil wir Wenige sind. Aber zunehmend problematisch, wenn das Projekt ins Rollen kommen sollte. Schließlich gibt es immer nur einen Kuchen zu verteilen. Und das bezieht sich auch auf die Pflege.
Ich werde das an andere Stelle vertiefen, der Artikel ist ohnehin schon viel zu lang. Außerdem werden sich damit am Ende eher Anwälte auseinandersetzen. Auch andere Probleme, nämlich vor allem das Problem der Geldschöpfung (die ¥€S-Punkte sind und wären eine komplementäre Währung) und das damit in Zusammenhang stehende Problem der Schwarzarbeit kann und soll hier nicht behandelt werden. Ich verspreche aber, das so schnell wie möglich auszuführen.

Insgesamt geht es und muss es darum gehen zu helfen. Das ist der Kern der ganzen Angelegenheit.  Und wenn das ganze am Ende nichts bringt, das PAL-Projekt scheitert, die dämlichen ¥€$-Punkte und all die kilometerlangen Ausführungen und Überlegungen nirgendwohin führen und in einem Jahr schon niemand mehr davon redet. Haben wir am Ende ein paar alten Leuten einen schönen Tag am See geschenkt und mit ihnen die Enten gefüttert. Und wenn es auch nur eine Stunde war.

Dann hat das Alles was gebracht.