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Ich hatte diese Serie begonnen, weil ich den Eindruck hatte, dass zu wenige Menschen eine Idee haben, was überhaupt gemeint ist, wenn – wie in letzter Zeit tagtäglich – von den Finanzmärkten die Rede ist. Vor allem weil viel zu oft die Frage unbeantwortet bleibt, was die Finanzmärkte denn grundsätzlich mit dem zu tun haben, was in der “realen” Welt passiert. Und da wir in einigen Artikeln der Serie vorgearbeitet und einige grundlegende Sachen bereits geklärt haben, können wir nun (hoffentlich) aus dem vollen Schöpfen und endlich ein wenig Licht ins Dunkel der oft genug übermächtig wirkenden Finanzmärkte bringen.

Sehen wir uns einmal das Schaubild an, das wir in Grundzügen schon vor ein paar Wochen bei der Erklärung des Realwirtschaftlichen Kreislaufs vorgestellt haben, und das vor allem den Zusammenhang zwischen Bruttoinlandsprodukt (Bruttosozialprodukt BSP) und Volkseinkommen (VE) verdeutlicht. Kurz gesagt werden nämlich alle Löhne, Gehälter und Gewinne einer Volkswirtschaft gezahlt bzw. verdient, in dem bzw. um alle Waren und Dienstleistungen dieser Volkswirtschaft herzustellen. Vereinfacht stellen Arbeiter die Güter her und kaufen diese wiederum mit dem Lohn, den sie erhalten. Das Geld, das sie nicht ausgeben, bringen sie zur Bank und sparen es. Die Banken wiederum geben das von den Arbeitern eingezahlte Geld in Form von Krediten an die Unternehmen zurück, die wiederum das Geld investieren und so in den Kreislauf zurückfließen lassen.

Nun wird in diesem Schaubild deutlich, dass dieses (theoretische) Gleichgewicht gestört wird, wenn – bspw. in einer Rezession – Arbeitnehmer (AN) freigesetzt werden. Die Folge ist, dass diese Arbeitnehmer nicht mehr zur Erwirtschaftung des Bruttoinlandsproduktes beitragen, wodurch das Bruttoinlandsprodukt sinkt, wenn der Ausfall dieser Arbeitnehmer nicht etwa durch die Anschaffung von Maschinen kompensiert wird. Auf der anderen Seite sinkt aber auch das Volkseinkommen, weil die Arbeiter nichts mehr verdienen, insofern auch keine oder weniger Waren kaufen können. In der Folge können diese “übrig gebliebenen” Waren nur abgesetzt werden, in dem deren Preis gesenkt wird. Was wiederum das (monetär bewertete) Bruttoinlandsprodukt senkt. Und auch wenn man sich wieder einmal fragt, was dieses ganze Gefasel zu bedeuten hat, ist dieser Zusammenhang von entscheidender Bedeutung, um das Verhältnis zwischen den Finanzmärkten und der realen Wirtschaft zu erklären.

De facto fließt nämlich durch eben unterstellte Freisetzung der Arbeitnehmer vereinfacht gesagt, Geld aus dem Kreislauf ab, was – im schlimmsten Fall – eine Kettenreaktion in Gang setzen kann, die die gesamte Volkswirtschaft in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringt, weil sinkendes Volkseinkommen (oder auch Kaufzurückhaltung) das BIP sinken lässt, wodurch in der Folge noch mehr Arbeitnehmer freigesetzt werden, was das Volkseinkommen weiter senkt. Und so weiter. Demgemäß erscheint es für eine Volkswirtschaft nicht zweckdienlich, wenn Geld – aus welchen Gründen auch immer – aus dem Kreislauf abfließt. Obwohl dies tagtäglich und weltweit in großem Stil passiert. Wofür die Finanzmärkte maßgeblich verantwortlich sind.

Um es kurz zu machen: Ein schier unauslöschlicher Mythos dieses, unseres Systems ist, dass, wenn man Geld auf der Bank anlegt, dieses über Kredite wieder in den Kreislauf eingespeist wird. Was natürlich für einen Teil des Geldes auch stimmt. Doch wenn man noch einmal die Volumina der einzelnen Finanzmärkte betrachtet, fällt auf, dass der Wert aller produzierten Waren weltweit in 2010 63 Billionen Dollar, das Volumen aller gehandelten Aktien und Anleihen 2010 87 Billionen Dollar betrug, zusammengerechnet also 150 Billionen Dollar ergab. Hingegen das Volumen aller weltweit gehandelten Finanzderivate das vierfache, nämlich genau 601 Billionen Dollar ergab.

Vernachlässigt man nun aus bereits dargelegten Gründen mal den Devisenmarkt, so zeigt dieses Verhältnis von Realwirtschaft (wozu zumindest der Handel mit Anleihen zählt) zum Handel mit Finanzderivaten, dass sich die Finanzmärkte zum überwiegenden Teil um sich selbst drehen. Dass sie Geschäfte generieren, die nur noch sehr wenig mit Realwirtschaftlichen Prozessen zu tun haben. Denn wie wir es schon bei Aktien gesehen haben, kommen ein großer Teil der auf den Finanzmärkten getätigten Geschäfte in erster Linie wieder den Finanzmärkten zugute. Wird reinvestiert. Etwa in Swaps. Futures. Warentermingeschäfte. Und allein für die Rendite. Was die Welt vor zwei Probleme stellt.

Erstens steht das auf diesen Märkten investierte Geld nicht der Realwirtschaft zur Verfügung und stört den oben skizzierten – und prinzipiell auch so funktionierenden – Kreislauf. Und da zweitens das Volumen dieser Geschäfte den Wert der “realen” Geschäfte bei weitem übersteigt,  vermag eine Störung dieser Märkte, wenn etwa Schuldner ihre Verbindlichkeiten nicht mehr zahlen können, eine ganzes Heer von Banken in den Abgrund zu reißen und damit eine – auch für die Realwirtschaft bedrohliche – Krise auszulösen. In der dann die Banken gerettet werden müssen. Was unlängst geschehen ist. Und vermutlich bald wieder auf der Tagesordnung steht.

Zum 17. Teil der Serie

Es hat sich ganz schön was verändert in der Welt seit wir diesen Blog im April 2009 begonnen haben. Damals war die Krise, die die Welt überrollt hat, erst als schwacher Schimmer am Horizont erkennbar, auch wenn damals schon dauernd von Banken-Zusammenbrüchen und Massenentlassungen gesprochen wurde. Doch damals schien die Welt irgendwie noch in Ordnung, und man hatte das Gefühl, dass all die Probleme, von denen nun geredet wurde, sich schon irgendwie wieder einrenken würden. Naja, ich brauche ja niemanden daran zu erinnern, dass auch damals nicht alles in Ordnung war, insbesondere nicht in Hinblick auf diesen vermeintliche Krieg zwischen Christentum und Islam, der – so kommt es mir jedenfalls vor – das erste Jahrzehnt des Neuen Jahrtausends fast ausschließlich bestimmt hat.

Mag sein, dass es am neuen US-Präsidenten liegt, dass diese Wogen sich geglättet haben, daran, dass Osama Bin Laden inzwischen tot ist und gefühlt jede Woche ein ranghohes Al-Quaida Mitglied von einer Drone in Stücke gerissen wird. Vielleicht sind auch durch die Verschiebung alter Machtverhältnisse – der Aufstieg Chinas, der Arabische Frühling – einige althergebrachte Vorstellungen ins Wanken geraten und dieser seltsame “Kampf der Kulturen” im Nachhalldes 11. Septembers einfach nicht mehr so wichtig und überholt. Womöglich tobt er auch ungehindert weiter, und wir kriegen es einfach nicht mehr so mit, weil die Ereignisse sich angesichts all der drohenden Staatsbankrotte schlichtweg überschlagen. Oder die Welt stellt nun und mit Verblüffung fest, dass der gute, alte “Westen”, der sich jahrzehnte- wenn nicht jahrhundertelang mit Selbstverständlichkeit eines Auserwählten als Herrscher über den Planeten wähnen durfte, inzwischen ein ziemlich bedauernswertes, geradezu jämmerliches Bild abgibt, und sich nicht einmal mehr zu bekämpfen lohnt. Wie etwa, wenn das Bundesamt für Wehrverwaltung einen Soldaten im Afghanistan-Einsatz auffordert, einen auf einer Patrouille verloren gegangen Handschuh im Wert von 7,17 Euro zu ersetzen. Oder die Bundespolizei das Benzin rationiert, weil einfach das Geld fehlt. Ojemine.

Ganz am Anfang hatte ich die sehr unkonkrete Idee, mittels dieses Blogs ein Netzwerk aufzubauen, in dem sich Gleichgesinnte austauschen und gemeinsam mögliche Lösungen erörtern, wie dieser ganze Quatsch, der sich dort draußen vor unserer Tür abspielt, zu beenden ist. Da damals schon abzusehen war, dass dieses System sich innerhalb der nächsten zehn Jahre überleben wird, hatte ich gehofft, sich mit und mit immer mehr Menschen finden zusammenfinden würden, die gewillt wären, aufzustehen und wirklich etwas zu verändern. Nun, diese Leute gibt es tatsächlich, immer mehr, in immer mehr Ländern – Griechenland, Spanien, Ägypten, USA, Großbritannien, Chile. Sie streiken, rufen zum Protest auf, beklagen die Ungerechtigkeit mittels des Internets, bringen Machtverhältnisse ins Wanken von Tripolis bis Stuttgart und wählen aus lauter Verzweiflung unnütze Parteien. Antworten aber geben sie nicht. Und das ist das Mysterium für mich, dass mich immer noch mit tiefer Ratlosigkeit befällt. Dass es die Antworten gibt. Und sie niemand hören will. Oder kennt. Oder abtut als unsinnig. Undurchführbar. Hanebüchen. Als ob die Rezepte von Schwarz-Gelb, Rot-Grün, Rot-Rot-Orange, Blassblau, Schneeweiß, Rosarot, Kotzgrün oder Tea-Party-Braun sinniger wären. Durchführbarer. Und nicht aus dem Holz der Hagebuche. Ich begreif’s einfach nicht. Ganz ehrlich.

Auch wenn mich gerade dieser Umstand jedesmal wieder aufs Neue zwingt, weiter zu machen. Auch wenn es mich – wie phasenweise bei der letzten Serie zu den Märkten – selbst über weite Strecken langweilt. Aber vielleicht hilft es ja was. Man weiß ja nie.

Ich danke meinen Mitstreitern, allen voran Sir Winston Wolf, Bibi Blogs, Agnieszka, Miss Me Too und allen, die immer mal wieder oder auch regelmäßig hier vorbeischauen. Und da ich weiß, dass das inzwischen ziemlich viele Leute sind, schließe ich mit der Bitte, doch in Zukunft vielleicht mal den ein oder anderen Artikel zu kommentieren. Damit ein bisschen mehr Interaktion stattfindet und vielleicht ein paar neue Ideen entstehen.

In den nächsten 500 Artikeln.

Derivate. Tja, was fällt einem bloß zu Derivaten ein. Wahrscheinlich als aller erstes, dass einem nicht viel dazu einfällt. Dabei ist – wie wir im letzten Artikel gesehen haben – der Markt für Derivate um ein Vielfaches größer als der Markt für Aktien und Anleihen. Und nicht zuletzt sind eben diese (Finanz-)Derivate mit- wenn nicht hauptverantwortlich für die so genannten Weltfinanzkrise seit 2007. Was leider auch nicht wirklich zu Klärung der Frage beiträgt, was denn nun genau unter dem Begriff zu verstehen ist, der sich vom lateinischen Wort derivare ableitet, was nichts anderes bedeutet als, ähem, ableiten. Womit der Begriff tatsächlich hinlänglich beschrieben ist.

Denn Derivate sind im Grunde nichts anderes als vor allem von Finanzprodukten wie Aktien und Anleihen abgeleitete Finanzprodukte bzw. -geschäfte. Man kann sie auch, vereinfacht gesagt, als eine Wette bezeichnen, ob eine bestimmte Sache eintritt oder nicht. Daher beziehen sich Derivate – im Gegensatz zu Aktien und Anleihen – immer auf zukünftige Ereignisse, weshalb man in Zusammenhang mit Derivaten häufig auch von Finanztermingeschäften spricht. Diese Ausrichtung auf zukünftige Ereignisse ist die zweite Eigenschaft von Derivaten, die, wie wir bereits im Artikel über die Entstehung von Hedgefonds gesehen haben, ursprünglich entwickelt worden sind, um Risiken einzelner Marktteilnehmer zu minimieren.

Schon in der Antike versuchten Investoren sich gegen Risiken abzusichern, etwa für den Fall, dass ein Schiff mit einer erwarteten Getreidelieferung von Piraten gekapert wurde oder in einem Sturm unterging. Da dies im schlechtesten Fall den Ruin des Investors bedeuten konnte, wurde schon vor mehr als zweitausend Jahren eine frühe Form von Derivatehandel entwickelt, indem der Investor seine Fracht an einen Dritten verkaufte, ohne dass die Ware zum Zeitpunkt des Handels überhaupt schon verschifft (oder geerntet) worden war. Ging alles gut und gelangte die Ware sicher in den Hafen, machte der eine Händler ein gutes Geschäft, weil er die Ware zu einem niedrigen Preis gekauft hatte. Ging die Ware unterwegs verloren oder fiel die Ernte niedriger aus als erwartet, trug er dafür das alleinige Risiko.

Dieses Prinzip erscheint ja erst einmal ganz vernünftig. Wer möchte schon jemandem vorschreiben wie er seine Geschäfte zu tätigen, geschweige denn abzusichern gedenkt. Schließlich würde auch niemand auf die Idee kommen, irgendwen zu kritisieren, weil er eine Feuerversicherung abschließt oder eine Haftpflichtversicherung. Doch wie wir bereits gesehen haben ist vieles, was mit den Finanzmärkten zu tun hat, aus einem prinzipiell stimmigen und auch vernünftigen Grund entwickelt und etabliert worden, gleich ob man von Banken, Versicherungen, Aktien, Anleihen oder eben Derivaten redet. Wobei an dieser Stelle die Bemerkung erlaubt sei, dass all die genannte Dinge so wie sie heute betrieben werden nur noch sehr wenig mit ihrem ursprünglichen Zweck zu tun haben. Im Bezug auf Derivate bedeutet das vor allem, dass sie sich heutzutage zu einem guten Teil auf Finanzprodukte beziehen, womit sich derlei Geschäfte nicht von realen Vorgängen abgeleitet sind, sondern sich die Finanzindustrie quasi um sich selbst dreht. Zum zweiten stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, was eigentlich der Unterschied ist zwischen einem Geschäft, das ich zur Absicherung eines anderen Geschäftes abschließe und einer bloßen Wette, mit der ich versuche durch Spekulation oder Arbitrage einen Gewinn einzustreichen.

Sicherlich sind die Übergänge zwischen Geschäft und Wette, seriösem Geschäftsgebaren und reiner Spekulation fließend, weshalb es für niemanden einfach sein dürfte, das eine vom anderen zu unterscheiden. Wobei – wie die Grafik im letzten Artikel zeigt – das Volumen des Handels mit Derivaten derart riesig ist, dass Staaten ins Wanken, Märkte in die Tiefe zu reißen und Krisen auszulösen vermag. Und dies zumindest unterscheidet diesen allein auf Schätzungen basierenden Markt von einer Wette, dass – sagen wir mal – Griechenland Fußball-Europameister wird.

Zum 16. Teil der Serie

Okt 02

Goldman Sachs rules the World

Posted by Winston Wolf in freigeld.org

Ein BBC-Interview machte Alessio Rastani weltbekannt: Der Hobby-Aktienhändler gab sich als Profi aus und erklärte, dass er für eine Rezession bete und die Investmentbank Goldman Sachs die Welt regiere. (Spiegel)

Video der Woche (35): BBC Speechless As Trader Tells Truth: “The Collapse Is Coming…And Goldman Rules The World”

Im Grunde lassen sich die Finanzmärkte in vier Bereiche unterteilen. Da wäre zunächst der so genannte Geldmarkt, also jener Markt, auf dem von der Zentralbank ausgegebenes Geld an Banken weiterverliehen wird. Der Preis für das verliehene Geld ist dabei der so genannte Leitzins, den die Banken (oder andere Finanzinstitute) bezahlen müssen, um von den Zentralbanken der Staaten Geld zu bekommen. Dabei richtet sich der Leitzins nicht zwangsläufig nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage, sondern kann auch als finanzpolitisches Instrument benutzt werden, um die im Umlauf befindlichen Geldmenge zu regulieren, worauf wir noch zu sprechen kommen werden.

Den zweiten Bereich innerhalb der Finanzmärkte ist der so genannte Kredit- und Kapitalmarkt, auf dem die bereits besprochenen Aktien und Anleihen gehandelt werden. Denn wie der Name schon sagt dient dieser Markt den Unternehmen und Staaten, sich mit mittels Krediten Geld zu versorgen, um Investitionen zu tätigen oder – im Fall von Staaten – vor allem alte Schulden durch neue Schulden abzulösen. Doch auch wenn man es vielleicht nicht vermuten würde, sind ist der Kapital- und Kreditmarkt vom Volumen her mit der kleinste Markt innerhalb der Finanzmärkte.

Der bei weitem größte ist der Devisenmarkt, wie die Grafik eindrucksvoll demonstriert. Allerdings ist dies auch insofern verständlich, weil Devisen für alle internationalen Transaktionen benötigt werden, unabhängig davon ob es sich dabei um finanzwirtschaftliche oder realwirtschaftliche Transaktionen handelt. So wird bspw. der weltweite Ölhandel grundsätzlich in US-Dollar, den so genannten Petrodollar abgewickelt. Entsprechend muss jede Institution, die keine Dollar-Reserven besitzt, ihr Geld erst in Dollar umtauschen, wenn sie Öl am Weltmarkt kaufen will. Oder andersherum in Euro, wenn etwa außereuropäische Staaten Waren in Deutschland kaufen. Die Besonderheit dieses Marktes allerdings ist, dass der Devisenhandel hauptsächlich zwischen den Marktakteuren selbst stattfindet, weshalb es für Devisen keinen institutionalisierten Markt wie etwa eine Devisenbörse (mehr) gibt. Daher ist, wenn in der Presse von den Finanzmärkten die Rede ist, nur sehr selten der Devisenmarkt gemeint, auch wenn dieser der größte aller Finanzmärkte ist.

Hingegen ist fast immer vom vierten Teilbereich der Finanzmärkte, dem Handel mit Derivaten, die Rede, wenn es um gierige Banker geht, um Maßlosigkeit und dringend notwendiger Regulierung. Und angesichts des in der Grafik dargestellten Volumens dieses Marktes ist die Sorge darum natürlich verständlich. Schließlich übersteigt das an diesem Markt gehandelte Volumen das Volumen aller weltweit gehandelten Güter und Dienstleistungen um mehr als das 9fache.

Und was nichts anderes heißt als sich die Finanzindustrie zu einem großen Teil um nichts anderes dreht als sich selbst.

Zum 15. Teil der Serie

Nachdem ich eine etwas längere Pause habe machen müssen, will ich heute einmal ohne Umschweife zur Sache kommen, und für heute die Frage stellen, wo das ganze Geld eigentlich hingeht, das an den Finanzmärkten verdient wird. Dabei geht es mir nicht so sehr um die Frage, wer genau die Milliarden und Billionen verdient, die an den Börsen der Welt umgeschlagen werden. Vielmehr will ich versuchen zu beantworten, wer genau die Gewinner der Krise sind, die seit mehr als drei Jahren auf unserem Planeten wütet. Schließlich ist eine Menge Geld, nach Schätzungen des IWF rund 4.000.000.000.000 Dollar, verbrannt worden, Banken kamen ob dieser gigantischen Summe ins Trudeln, schließlich gar eine ganze Reihe von Staaten. Da darf man sich ja schon fragen, wo dieses Geld geblieben ist.

Um es gleich zu sagen: Der größte Teil davon ist auf Nimmer Wiedersehen verschwunden. Verbrannt. In Luft aufgelöst. Weil er niemals existiert hat. Das mag jetzt womöglich seltsam klingen. Zumal sich die Frage stellt, warum viele Banken dann überhaupt so ins Trudeln gerieten, wenn das Geld, um das es ging, nicht wirklich existierte. Die Wahrheit aber ist, dass die Finanzmärkte zu einem guten Teil – wenn nicht zum überwiegenden – mit Geldern hantieren, die nur auf dem Papier existieren und für die es in der Realwirtschaft keine Entsprechung gibt. Und auch wenn das immer noch ziemlich seltsam klingen mag. Bis zu einem gewissen Grad muss das noch nicht einmal schlecht sein.

Wir haben dieses Phänomen auch bereits kennengelernt. Und zwar als wir das Prinzip der Geldschöpfung beleuchtet haben. Noch einmal zur Erinnerung. Wenn ich bspw. 100 Euro bei einer Bank einzahle, die Bank diese 100 Euro nimmt und weiter verleiht, hat diese beiden einfache Transaktionen die Summe des sich im Kreislauf befindlichen Geldes glatt verdoppelt. Schließlich halte ich eine Forderung gegenüber der Bank von 100 Euro. Die Bank wiederum eine Forderung gegenüber demjenigen, dem sie die 100 Euro geliehen hat. Macht entsprechend 200 Euro. Krass oder? Wie schnell es geht, Geld zu schöpfen! Und wenn die Bank mir darüber hinaus noch Zinsen zahlt und das Geld nur gegen Zinsen verleiht, wird sogar noch mehr Geld aus dem Nichts geschaffen.

Dennoch muss man sagen, dass diesen Transaktionen, gewissermaßen reale Prozesse zugrundeliegen. Denn auch wenn mehr Geld geschöpft wird (200 Euro + Zinsen) als tatsächlich im Umlauf ist (nach wie vor: 100 Euro), so existieren die 100 Euro schließlich. Ich habe sie eingezahlt, die Bank hat sie einem anderen geliehen. Entsprechend ist die Gesamtgeldmenge zwar absolut angewachsen (ich hoffe, das hat jetzt jeder verstanden), jede Transaktion für sich genommen ist aber ein so genanntes Nullsummenspiel, also ein Spiel bei dem der Gewinn des einen Marktteilnehmers zugleich und unweigerlich der Verlust des Marktteilnehmers ist.

Entsprechend sind alle Transaktionen, die sich auf die in dieser Serie bereits angesprochenen Aktien und Anleihen beziehen, Transaktionen, bei denen sich die Summe der Gewinne und die Summe der Verluste die Waage halten. Zu einem Aktienverkäufer gibt es einen entsprechenden Aktienkäufer, zu einem Kreditgeber gibt es – im Falle der Anleihen – einen sich verschuldenden Staat. Kauft der eine Akteur eine Aktie zu einem Wert von bspw. 100 Euro und fällt diese Aktie dann, weil das Unternehmen Konkurs anmeldet, auf 0 Euro, so hat der Käufer einen Verlust von 100 Euro gemacht. Die allerdings der Verkäufer eingestrichen hat. Derjenige, der die Aktien rechtzeitig verkauft hat, ist also der Gewinner. Und im Falle eines Börsencrashs sackt er dann die Kohle ein, die die anderen verloren haben.

Klingt nach einer Welt im Gleichgewicht. Nach soliden Geschäften, bei denen – wie bei einem Pokerspiel – derjenige mit den stärksten Nerven, dem besten Riecher oder von mir aus auch dem besten Blatt den Pott mit nach Hause nimmt. Also sitzt doch irgendwo irgendwer auf einem riesigen Haufen von 4 Billionen Dollar, die er oder sie während der Finanzkrise verdient haben? Mitnichten. Würde ich einfach mal behaupten. Denn es gibt neben dem Handel von Aktien und Anleihen (und Währungen) noch eine anderes Betätigungsfeld der Finanzmärkte, der Handel mit so genannten Derivaten. Und auf diesem Markt muss es nicht unbedingt sein, dass sich Gewinner und Verlierer die Waage halten. Wenn es schlecht läuft, stehen eine kleine Zahl von Gewinnern einer unverhältnismäßig größeren Anzahl von Verlierern gegenüber.

Nehmen wir einmal an zwei Akteure, A und B, schließen eine Wette ab, und zwar auf den Kursverlauf einer Aktie X, die derzeit bei 100 Euro steht. A allerdings ist fest davon überzeugt, dass die Aktie am 1. 1. 2012 nur noch bei 50 Euro steht. B hingegen glaubt, dass die Aktie bis zu diesem Tag auf 150 Euro steigen wird. Also verabreden die beiden, dass A dem B am 1. 1. 2012 die Aktie X zum Wert von 100 Euro verkaufen wird. A denkt nämlich, dass er die Aktie am Stichtag für 50 Euro kaufen kann und B sie ihm am selben Tag für 100 Euro abkaufen muss. B wiederum glaubt, dass er die Aktie, die A ihm an diesem Tag für 100 Euro verkauft, am selben Tag für 150 Euro verkaufen kann. Und derjenige, der am Ende Recht behält, verdient ein hübsches Sümmchen. Der andere macht einen entsprechenden Verlust. Also, mag ein mancher nun denken, hält es sich hier doch letztlich auch die Waage, und jeder Verlust von A ist gleichzeitig der Gewinn für B und umgekehrt. Möglicherweise. Denn das Kuriose an diese Wette (und nichts anderes ist es) ist, dass A die Aktie überhaupt nicht besitzt. Er will sie ja grade erst am Stichtag kaufen, um seinen Profit zu maximieren, der größer wird, je tiefer die Aktie fällt. Verstanden?

Was das nun mit der Frage zu tun hat, wer am Ende das Geld einsackt? Nun, auch wenn ich es für heute dabei bewenden lassen will, dämmert es vielleicht dem einen oder anderen von Euch, dass solche Geschäfte geeignet sind, am Ende beide, A und B, als Verlierer dastehen zu lassen.

Zum 14. Teil der Serie

Im ersten Artikel über Aktien ist bereits gesagt worden, dass der Wert einer Aktie sich nicht am Wert des Unternehmens orientiert, sondern daran wie sehr die Aktie am Markt nachgefragt wird. Das erscheint zwar grundsätzlich plausibel, weil dies dem Prinzip von Angebot und Nachfrage entspricht. Allerdings mutet es doch ein wenig skurril an, wenn die “Werte”, die am und durch den Aktienmarkt entstehen, mehr mit Massenpsychologie zu  (und bisweilen -hysterie) zu tun haben als mit betriebswirtschaftlichen Prinzipien. Allerdings wird dadurch überhaupt erst verständlich, warum es in regelmäßigen Abständen zu so genannten Blasen bei denen einzelne Titel oder ganze Branchen utopisch hoch bewertet werden, bevor schließlich der ganze Markt zusammenbricht – oder zumindest Teile davon.

Die Dotcom-Blase Anfang des Jahrhunderts ist ein gutes Beispiel für derlei Verhalten, das ein paar von uns vielleicht noch in Erinnerung ist. Damals – man ist fast geneigt zu sagen: in der guten, alten Zeit – schien alles möglich. Das Internet fing an, sich als Medium in breiten Teilen der Bevölkerung durchzusetzen und plötzlich schienen alle Firmen, die auch nur im entferntesten etwas damit zu tun hatten für Investoren interessant. Firmen wie Gigabell, die irgendwas spannendes machten mit Gameservern oder EM.TV, die irgendwelche Rechte irgendwelcher Fernsehformate besaßen, schienen das nächste Microsoft, die neue News-Corporation zu werden, und jeder, der nicht irgendwelche Aktien in den 2003 dichtgemachten so genannten Neuen Markt investierte schien nicht ganz bei Sinnen.

Ob die Firmen mehr besaßen als eine putzige Internetadresse, in was für Geschäftsfeldern sie tätig waren, ob ihre Unternehmenskennzahlen solide waren, das interessierte niemanden so richtig. Am Neuen Markt zu investieren war hip, sexy und jeder, der nicht mitmachen wollte oder konnte schien auf kurz oder kürzer den Anschluss zu verlieren. Am Ende gingen die Lichter an, Gigabell musste als erstes am Neuen Markt notierte Unternehmen Insolvenz anmelden, was die Anleger verständlicherweise verunsicherte. Und solch ein Zwischenfall reicht dann in der Regel schon aus, um die Märkte ins Wanken zu bringen. Die erste Ernüchterung setzt ein, einige beginnen, sich die Fakten anzusehen und ihre Depots aufzulösen. Die dadurch zunächst leicht nachgebenden Kurse verunsichern weitere Anleger, die sich ebenfalls entschließen auszusteigen, was die Kurse weiter nach unten treibt. Am Ende herrscht blanke Panik auf dem Parkett. Alle wollen ihre immer wertloser werdenden Papiere abstoßen, die natürlich niemand mehr kaufen will. Die Kurse stürzen ins Bodenlose, und zig Anleger verlieren viel Geld.

Am Ende bleibt festzuhalten, dass diese Mechanismen irgendwie verständlich sind, nachvollziehbar und sicherlich auch menschlich. Und dennoch nichts mit seriösen, fundierten Entscheidungen zu tun hat. Was man angesichts der Relevanz, die die Finanzmärkte für uns alle haben, irgendwie annehmen sollte.

Zum 13. Teil der Serie

Nun haben wir uns die Hauptakteure an den Finanzmärkten – Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften – angesehen. Die Funktion beleuchtet, die die Rating-Agenturen einnehmen. Gehandelt werden an den Finanzmärkten wiederum die schon besprochenen Aktien, außerdem Anleihen und Finanzderivate. Hinzu kommt der Handel mit Währungen, den ich in dieser Serie wahrscheinlich nur am Rande behandeln will. Das ganze ist ohnehin schon kompliziert genug.

Sehen wir uns stattdessen einmal die Anleihen (englisch: Bond) an, die in letzter Zeit vor allem in Form der so genannten Euro-Bonds bisweilen die Schlagzeilen beherrschten. Anleihen sind im Grunde nichts anderes als Schuldverschreibungen, die Staaten emittieren (herausgeben), wenn die Steuereinnahmen nicht ausreichen, um ihre Ausgaben zu decken. In diesem Fall geben sie festverzinsliche Wertpapiere heraus, die sowohl in Laufzeit und Zinshöhe variieren können und von denen die bekanntesten vermutlich die Bundesschatzbriefe sind.

Insofern unterscheiden sich die Anleihen grundlegend von Aktien. Durch den Erwerb von Aktien wird man Miteigentümer des jeweiligen Unternehmens. Durch den Erwerb von Staatsanleihen gewährt man dem Staat gegen Zinsen einen Kredit, der am Ende der Laufzeit der Anleihe wieder zurückgezahlt wird. Das Geld, das ein Unternehmen durch die Emission von Aktien verdient ist das Eigenkapital des Unternehmens. Das Geld, das ein Staat durch die Emission von Anleihen erhält, ist Fremdkapital, das gegen Zinsen verliehen und am Ende an den oder die Gläubiger zurückgezahlt werden muss. Es handelt sich bei diesen beiden Anlageformen – Aktien und Anleihen – um zwei grundsätzlich verschiedene Dinge, die im Grunde nichts miteinander zu tun haben.

Anleihen gelten als risikoarm. Natürlich, weil sowohl Verzinsung als auch Rückzahlungszeitpunkt schon beim Kauf feststehen. Zudem werden Verbindlichkeiten aus Anleihen gegenüber Aktien und selbst Krediten bevorzugt bedient werden. Schließlich gelten sie deshalb als sichere Anlage, weil Staate – im Gegensatz zu Unternehmen – im eigentlichen Sinne nicht wirklich pleite gehen können. Daher haben die Gläubiger gute Chancen, ihr Geld auch zurückzubekommen, wenn das Land nicht tatsächlich pleite geht. Was in vielen Fällen recht leicht zu verhindern (oder zumindest aufzuschieben) ist, wie das Beispiel der USA zeigt, die einfach die die Staatsverschuldung abgewendet haben, indem sie kurzerhand das gesetzlich festgelegte Schuldenlimit anhoben.

Droht einem Staat jedoch tatsächlich zahlungsunfähig zu werden – wie es im Fall Griechenlands immer wahrscheinlicher wird – so ist es durchaus möglich, dass griechische Staatsanleihen schlicht nichts mehr wert sind, was bedeutet, dass der Gläubiger das Geld, das er dem Staat geliehen hat, nicht mehr zurückbekommt. Dieses Risiko wiederum, das der Gläubiger trägt, will er in Form von höheren Zinsen entgolten haben, weshalb es für den in Not geratenen Staat noch schwieriger wird, da er für die Aufnahme neuer Kredite noch mehr Geld ausgeben muss.

Entsprechend zahlen Länder mit einer guten Bonität, bspw. Deutschland einen geringeren Zins als Länder wie Griechenland und Italien, deren Staatsbankrott zumindest möglich ist. Weshalb einige dafür plädieren, dass sich die Staaten des Euro einer gemeinsamen Anleihe bedienen, wenn sie sich Geld leihen müssen. Was dazu führen würde, dass Länder wie Griechenland niedrigere Zinsen zahlen müssten, weil alle Länder im Fall der Zahlungsunfähigkeit die Rückzahlung der Kredite garantieren würden. Andererseits müssten Länder wie Deutschland verhältnismäßig höhere Zinsen zahlen als sie es jetzt tun. Wobei Deutschland natürlich ohnehin schon mit Euro 211.000.000.000 für Griechenland, weshalb uns eine hellenische Staatspleite  sowieso und im wahrsten Sinne des Wortes teuer zu stehen käme.

Vermutlich hat Finanzminister Schäuble auch nur deshalb etwas gegen die Einführung von Eurobonds, weil es seinen schönen Haushaltsplan in Unordnung bringen würde. Schließlich kann man die Kosten für die Griechenland-”Rettung” gesondert und als nicht selbstverschuldet ausweisen. Wohingegen höhere Zinsen für Kredite sich direkt auf die Neuverschuldung auswirken würden. Das Leben ist doch ein Rechenexempel.

Zum 12. Teil der Serie

Das übergeordnete Thema dieser Artikel-Serie sind die Finanzmärkte, das will ich nur noch einmal kurz in Erinnerung rufen. Da dies nun aber bereits der zehnte Blog dieser Serie ist, halte ich es für sinnlos zum Endspurt hin eine kurze Zusammenfassung des bisher Beschriebenen zu geben. Damit wie bei dem ganzen Kuddelmuddel nicht den Überblick verlieren.

Wir haben uns dem Problem der Finanzmärkte genähert, indem wir Märkte und deren grundsätzliches Funktionsprinzip von Angebot und Nachfrage angesehen haben. Dabei haben wir festgestellt, dass die Dynamik von Märkten gewissermaßen mit den Prinzipien der Evolutionstheorie vergleichbar sind, da neue Ideen (Mutation) durch die und von den Märkten angenommen werden oder nicht (Selektion). Allerdings konnten wir in diesem Zusammenhang auch gleich klarstellen, dass das Weltbild, dass die Neoliberalisten erfolgreich in den Kopf der meisten Menschen verankern konnten, schlicht nicht der Wirklichkeit entspricht. In der Realität führen ungleich Informationsverteilung, Marktmacht und die Vernachlässigung gesamtgesellschaftlicher Aspekte zu so genanntem Marktversagen, das wir anhand des Zitronenproblems beispielhaft nachvollzogen haben, das in erster Linie auf ungleiche Informationsverteilung zurückzuführen ist.

Diese einseitigen Informationsdefizite sind auch auf den Finanzmärkten zu finden. Was der Hauptgrund ist für die Existenz der in die Kritik geratenen Rating-Agenturen wie Fitch und Moodys, die den Investoren durch eben diese Ratings zeigen sollen, welche Finanzprodukte seriös genug sind, um in sie zu investieren. An den Finanzmärkten investieren tun nun wiederum hauptsächlich institutionelle Anleger, die entweder für sich oder im Namen von anderen (also auch Einzelpersonen) die am Finanzmarkt angeboten Produkte kaufen. In erster Linie sind das natürlich die Banken, Versicherungen und auch Fonds, die, nicht ganz treffend, häufig einfach als Hedgefonds bezeichnet werden.

Von den Produkten, die an den Finanzmärkten gehandelt werden, haben wir die Aktien als großen Markt bereits angesprochen und gezeigt, dass der Kurs einer Aktie – wenn überhaupt  - dann nur sehr wenig mit der marktwirtschaftlichen Ausrichtung des Unternehmens zu tun hat. Und der Aktienhandel nur sehr entfernt in Beziehung steht mit dem realwirtschaftlichen Geldkreislauf. Ebenso wie das zweifelhaft Prinzip der Geldschöpfung, das wir im Zusammenhang mit der Gründung von Banken angerissen haben.

Die Vorgänge an den Finanzmärkten sind ziemlich komplex und, ich glaube, von niemandem wirklich zu durchschauen. Ich hielt daher all diese Vorbemerkungen für wichtig, weil wir sicherlich auf das ein oder andere noch zurückkommen werden.

Ich hoffe jedenfalls, dass ich nicht zuviel verspreche. Wenn wir uns nun den Anleihen und Finanzderivaten zuwenden.

Zum 11. Teil der Serie

Liest man den letzten Artikel, stellt sich einem vielleicht die Frage, was das überhaupt sind, diese Aktien, an denen alle so unfassbar interessiert scheinen. Und wie sie in Zusammenhang stehen mit den großen und kleinen Finanzkatastrophen, von denen so oft zu hören ist, und die die Finanzmärkte ständig mit all diesen Sorgen erfüllen.

Im Grunde sind Aktien nichts anderes als Anteilsscheine an einem Unternehmen. Wobei allerdings schnell deutlich wird, dass der Anteil an diesem Unternehmen ziemlich klein sein muss, wenn man nur eine Aktie hält und – wie etwa bei der Deutschen Bank – mehr als 900.000.000 davon im Umlauf sind. Und dennoch gehört einem mit dem Erwerb einer Aktie ein Teil des Unternehmens, man hat – zumindest theoretisch – das Recht, an der jährlichen Hauptversammlung teilzunehmen und über die Zusammensetzung des Aufsichtsrats mitzubestimmen, der wiederum den Vorstand wählt und damit die eigentliche Unternehmensleitung bestimmt. Außerdem hat man durch den Erwerb eines dieser Anteilsscheine Anspruch auf einen Teil des Gewinns des Unternehmens, die so genannte Dividende, sofern diese ausgeschüttet wird. Kurzum: Durch den Erwerb einer oder mehrere Aktien ist man ein Miteigentümer des betreffenden Unternehmens.

Entsprechend ist das Geld, das (anfänglich) für einen Aktie gezahlt wird, Eigenkapital des Unternehmens. Braucht also ein Unternehmen Geld, um bspw. in eine Produktionsstraße zu investieren, muss es nicht unbedingt zur Bank gehen und sich dort Geld leihen. Es kann auch Anteilsscheine (an der Börse) verkaufen und so frisches Geld in die Kassen spülen. Dieses Geld gehört dem Unternehmen und muss nicht -wie bei einem Kredit –  zurückgezahlt werden. Im Gegenzug verzichten die vorherigen Allein-Eigentümer auf einen Teil des Unternehmens mit allen Konsequenzen wie dem Verzicht auf den entsprechenden Teil des Gewinns und des Stimmrechts. Kluge Sache also, das mit den Aktien, weil alle etwas davon haben. Geld für das Unternehmen. Anteile am Gewinn für die Aktionäre.

Nehmen wir aber an, einer dieser Aktionäre will seinen Aktienanteil weiter veräußern. Dann bietet er diesen an der Börse zum Verkauf an. Sind nun mehrere Käufer daran interessiert, diese Aktien zu kaufen, steigt – entsprechend dem Prinzip von Angebot und Nachfrage – der Preis. Insofern kann der Aktionär Geld allein mit seinen Unternehmensanteilen, seinen Aktien verdienen. Er kann sich einfach Aktien all der Unternehmen kaufen, von denen er glaubt, dass sie für andere Käufer auch in Zukunft attraktiv sind oder noch werden. Dann kann er diese Aktien später zu einen höheren Preis verkaufen und den Gewinn einstreichen.

Dieses Prozedere bestimmt den Wert des Unternehmens. Sind die Aktien begehrt genug, steigt der Preis für alle Aktien, wodurch das Unternehmen, wenn man es als die Summe all seiner Anteile betrachtet, wertvoller wird. Und auch das Aktienpaket, dass das Unternehmen aller Voraussicht nach selbst hält, steigt im Wert und kann, so es das Unternehmen will, zu einem höheren Preis weiterveräußert werden. Allerdings hat dies – steigenden oder fallende Aktienkurse – überhaupt keinen Einfluss auf die Eigenkapitalquote des Unternehmens. Denn auch wenn die Aktieninhaber ihre Anteile zu einem hundertfachen des ursprünglichen Kaufpreises veräußern, hat das Unternehmen davon überhaupt nichts, denn das Geld wandert direkt in die Taschen der Verkäufers. Man kann denselben Teil von einer Sachen schließlich nicht zweimal verkaufen.

Zum 10. Teil der Serie