Ein Problem der Institutionalisierung ist, dass sich Unternehmen, die sich eine gewisse Marktmacht erkämpft haben, alles daran setzen, dass das auch so bleibt. Und da die Umwelt ja naturgemäßem Wandel unterliegt, wird versucht, es möglichen Konkurrenten und möglicherweise sogar neuen Technologien so schwer wie möglich zu machen.

Das Ganze geht dann natürlich zu Lasten der Konsumenten, die mit höheren Preisen oder schlechteren Produkten leben müssen, obwohl es billiger oder besser ginge. Und so ist es kaum verwunderlich, dass die Lebensmittelindustrie den Kampf um die in ihren Augen überflüssige Ampelkennzeichnung angestrebt hat. Auch wenn es mich am Ende doch ein wenig überrascht hat, dass sie damit durchgekommen ist. Aber Großkonzerne haben einfach mehr Geld und Einfluss als irgendwelche vielleicht leicht spinnerten Verbraucherschützer. Und wir müssen am Ende fressen, was die uns vorwerfen.

Na ja, verboten wird die Lebensmittelampel ja gar nicht, wie auf der Seite der derzeit für den Gesetzesvorschlag verantwortlichen EU-Abgeordneten Dr. Renate Sommer zu lesen. Aber erzwungen wird sie auch nicht. Und da die Industrie schön blöd wäre, wenn sie uns über den Zucker-, Fett- oder Salzgehalt der Lebensmittel in aller Deutlichkeit aufklärte, aber das hatten wir ja schon.

Glücklicherweise tut die Industrie da natürlich nur aus reiner Fürsorglichkeit. Fr. Dr. Sommer wehrt sich gegen das Modell, weil es “im Verdacht steht, letztendlich zu einer Fehl- und Mangelernährung der Bevölkerung zu führen”, so die Abgeordnete im O-Ton. Aha. Wieso das so sein soll, darauf wird nicht weiter eingegangen. Aber vielleicht spielt das auch keine große Rolle. Es tut jedenfalls gut zu wissen, dass sich Fr. Dr. Sommer in Brüssel um uns sorgt. Und alles daran setzt, dass wir uns nicht falsch und mangelhaft ernähren, wenn wir am Ende noch auf Chips, Burger und Süßigkeiten verzichten.

Daher: Dank dem Dr. Sommer-Team.

PS: Die in Südamerika seit Jahrhunderten und in Japan seit Jahrzehnten verwendete Stevia rebaudiana (Süßkraut) ist in der EU nicht zugelassen, obwohl sie 300mal süßer ist als Zucker, kein Karies verursacht, für Diabetiker geeignet ist und befürchtete Gesundheitsrisiken bisher nicht nachgewiesen worden sind. Also, ich bin ein Gegner von Verschwörungstheorien, ehrlich. Aber hätte die Zuckerindustrie mit ihren 2.700.000.000 Euro Umsatz im Jahr wirklich Interesse an der Einführung eines solchen Produktes?

One Response to “Friss und / oder stirb !!!”

  1. [...] Frechheit. Schließlich sind so Mangel- und Fehlernährung vorprogrammiert. Vielleicht mal Dr. Sommer fragen, was die davon [...]

Leave a Reply