Mai 07

Das Fischer – Projekt

Posted by Bibi Blogs in freigeld.org, Welt-Geschichten

Wir sind so viele, denk ich gerade, und doch brauchen wir noch viel mehr Menschen. Zumindest für das, was wir vorhaben.

Denn wir wollen Fischen gehen und hoffen dabei auf ein paar tolle Meeresfrüchte. Das ist natürlich nur eine Metapher – wir wollen Gutes tun.

Auch mit dir.

Das Prinzip ist nicht neu, in Japan gibt es das schon seit einer Weile und heißt Fureai Kippu. Eigentlich bedeutet das nichts anderes, wie eine natürliche und durchaus gesellschaftliche Form der Rente: Junge Leute besuchen alte Leute, die allein und hilfsbedürftig hinter so vielen Berliner Türen sitzen, und helfen ihnen bei ganz simplen Dingen wie einkaufen gehen und die Wohnung mal so richtig schön ausmisten. Oft sind die Kinder weggezogen, eine Pflegekraft kommt, aber ansonsten steht den alten Leute doch Langeweile und nicht selten Verzweiflung auf der Stirn geschrieben. Und darum haben wir gestern die Ärmel hochgekrempelt und unseren ersten „Hausbesuch“ bei einer netten alten Dame in der Platte absolviert. Damit mal einfach jemand anfängt.

Bis unter die Zähne mit Schmutzreinigern ausgestattet, haben wir angefangen, mit der Oma unseres Vertrauens einen Frühjahrsputz zu veranstalten, wie ihn meine eigene Wohnung noch nie gesehen hat. Ja ja.

Die betagte Frau fristet ihr ganzes Leben auf 24 gm… ohne Toilettenbrille, ohne Kühlschrank, ihr Bett – ein Schaumstoff-Polster errichtet auf Chiquita-Bananen-Pappkartons.

Pause.

Ich habe die Staubmäuse aufgesammelt und bei mir gedacht, wie soll ich das je schaffen, und alle glücklich machen. Na, von dem Gedanken kannste Dich verabschieden, sagte ich zu mir.

Aber der Anfang ist gemacht. Staub ist weg, Fenster geputzt, neue Toilettenbrille haben wir auch noch besorgt. Und eine glückliche Frau dafür bekommen, die zwei Nächte davor nicht schlafen konnte, weil sie es nicht fassen konnte, das einfach so jemand vorbei kommt und ihr hilft.

Am Ende kriegt man auch noch etwas anderes dafür, als den Dank einer netten, alten Frau. Dieses Fureai Kippu- Projekt sagt, dass die Zeit, die Du beim Helfen einer anderen Person verbringst, auf Deinem Zeitkonto gut geschrieben wird, und wenn Du alt und runzelig bist, kommen dann auch zu Dir Menschen mit guten Absichten und einem Staubwedel in der Hand. Damit haben wir gestern auch angefangen. Uns die Stunden aufgeschrieben, die wir bei der Frau gewesen sind und sie uns von ihr bestätigen lassen. Mal sehen wohin das ganze noch führt.
Ich würde mir jedenfalls wünschen, dass das klappt. Irgendwie.

Das wünsch ich mir.

Was wünschst Du Dir?

3 Responses to “Das Fischer – Projekt”

  1. agnieszka

    Ich wünsche mir auch, dass das klappt. Ich finde diese Aktionen grossartig, und ich mache gern mit – soweit meine Jobs das zeitlich zulassen. Doppeldaumen!

  2. […] ja, leider sieht die Welt außerhalb der Theorie ein wenig trister aus. Ich habs sowohl beim Fischer- als auch beim PAL-Projekt erlebt. Da steht keine und klatscht stehend Applaus, weil man sich […]

  3. […] Der Ausgangspunkt: War eine ältere Dame, der wir der Fairness halber den Alias Frau B. gegeben haben. […]

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