Reichlich thematisiert wurde die ganze Veranstaltung ja schon. 20 Jahre Wiedervereinigung, so steht es schließlich schwarz und weiß auf dem Papier. Politiker hielten prosaische Reden und Udo Lindenberg durfte auch seinen Beitrag zum Revue-Passieren-Lassen halten. Es sind nicht unbedingt die Landschaften erblüht, die man einst versprochen hatte, aber eine Annäherung, eine Annäherung ist da.

Annäherung – das ist mein Stichwort. Was hatte ich in der Uni nicht alles über die Fremde gelernt und gelesen! Über europäische Schriftsteller etwa, die noch nie Afrika oder Amerika gesehen hatten, aber fleißig Meinung streuten, wie es da wohl aussehen mag und wie die Leute dort sind. Und das Ergebnis sind dann jene Klischees, die man Wahrheit nennt, weil man es – mit Verlaub – nicht besser kennt.

Ich bin ja ein gesamtdeutsches Mädchen. Auch wenn dieses Wort wirklich Übelkeit in mir auslöst, bin ich rein geografisch verpflichtet, das zu sagen, denn ich bin in Ost- und West-Berlin zu Hause. Ebenso wie in Düsseldorf und Magdeburg. Weil da Leute wohnen, die ich liebe. Aber natürlich nur weil ich sie kennengelernt habe.

Ich weiß nicht ob es sprudelnde Naivität war, dass wir diesen Herbst beschlossen haben 50 deutsche Städte in 14 Tagen zu besuchen und in jeder ein Lied für die Menschen in Deutschland zu singen. Eine Mission zur Verständigung und des Händereichens. Einen Vertrag mit der Zukunft, ohne Klischees und Vorwürfe. Und dass diese Aktion letzten Endes dann eine Geheimmission wurde, von der niemand so richtig Notiz nahm, lag an 1000 Faktoren und tut auch nichts zur Sache.

Viel wichtiger fand ich für mich die Erkenntnis, dass es sich gar nicht allein um Ost und West dreht, was die Unterschiede zwischen den Deutschen anbelangt. Sondern dass diese Diskrepanzen auch zwischen Nord und Süd bestehen, zwischen Schwaben und Pfälzern zum Beispiel, Kölnern und Düsseldorfern natürlich und vielleicht auch zwischen Bayern und Berlinern liegen kann.

Es ist ein Ausdruck der Fremde und Fremdartigkeit – der vielleicht schlechten Erfahrung die man mal gemacht – oder auch nur gehört hat. Dagegen aber hilft nur eins: nicht drüber nachdenken und weiter machen. immer weiter machen, bis es normal wird. Denn alles was man kennt, lernt man nicht unbedingt lieben- aber vielleicht ein bisschen mehr verstehen.

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