Ich bin zwar noch nie nach dem Ziel und Sinn dieses Blogs gefragt worden oder danach was dieses anmaßende Motto zu bedeuten hätte: Was tust Du, um die Welt zu retten…? Wäre dem jedoch so, dann würde ich dem Fragesteller vermutlich von Kitty Genovese erzählen. Von der Farbe einer 7up-Dose. Und davon, dass man nicht nur lächelt, wenn es einem gut geht. Sondern dass es einem gut geht, wenn man lächelt.

Selbstredend hab ich in den fast zwei Jahren seit Bestehen dieses Blogs immer mal wieder von all diesen Dingen erzählt und finde es hin und wieder schade, dass einige der Artikel auf Seite 14 dieser Seite und eigentlich wieder im Nirvana des Netzes verschwinden. Und doch haben einige dieser Artikel – auch wenn im ersten Jahr im Schnitt nur um die fünf Leute täglich auf der Seite vorbeigeschaut haben – mir dabei geholfen, mir selbst ein paar Dinge klar zu machen. Und über die zurückliegende Zeit auch den Blick geschärft wozu er eigentlich gut ist, dieser Blog, der sich einreiht in die schier unendliche Schlange von Websites auf denen irgendwelche Freaks versuchen, ihre bisweilen kruden Gedanken der Weltöffentlichkeit aufzunötigen.

Wie auch immer. Im Frühjahr 2009 jedenfalls führte die Beschäftigung mit dem Small-World-Problem und der damit verbundenen Hoffnung auf Vernetzung, glaube ich, zu dem Initialgedanken, diesen Blog zu begründen und der allererste Artikel thematisiert auch eben diesen Wunsch. Der leider Wirklichkeit und Ernüchterung Platz machen musste, weil schnell klar war, dass an guten Tagen eben nur fünf Leute sich hierher verirrten, und das womöglich nur, weil sie glaubten, wir wären ne Hip-Hop-Crew oder so etwas. Und auch wenn das vielleicht ein bisschen frustrierend klingt – das ist es nicht. Jedenfalls hat es uns nicht davon abgehalten weiterzumachen.

Und irgendwie war das auch alles gut so wie es gekommen ist und nicht zu letzt ist die Idee des PAL-Projektes überhaupt erst in Zusammenhang mit diesem Blog entstanden und auch wenn sich derzeit keine fünf Leute kontinuierlich um die Weiterführung dieser Idee bemühen ist das kein Grund, die Flinte im Korn in die Tonne zu treten. Denn auch das ist zwar ein wichtiger Nebeneffekt, aber immer noch nicht der Zweck, den ich inzwischen in diesem Blog sehe.

Wer es bisher geschafft hat, den würde ich jetzt bitten, sich das Video anzusehen, in dem der ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Uwe Barschel schamlos in die Kamera lügt. Interessant ist an diesem kleinen Ausschnitt, dass Barschel zweimal die Augen schließt. Und zwar bei der Abgabe seines Ehrenwort. Und der Versicherung, dass die Vorwürfe gegen ihn haltlos sind. Was ein Beleg dafür ist, dass sich wohl niemand hinsichtlich seiner Empfindungen völlig unter Kontrolle haben kann. Selbst wenn es – wie im Fall Barschel – erstens ein Politiker ist, bei dem es zweitens im wahrsten Sinne des Wortes um seinen Kopf geht.

Nun fragt sich sicherlich auch der Letzte was mein Geschwafel wohl diesmal wieder zu bedeuten hat und wohin das Ganze führen soll. Nun, es ist ein Beispiel für den reichhaltigen Fundus an Erkenntnissen, die die Wissenschaft inzwischen über den Menschen gewonnen haben. Nach Jahrhunderten der Suche und Entdeckung nach den innersten Zusammenhängen der Erde und des Alls haben wir schließlich auch die Zeit gefunden, uns mit uns und unserem Verhalten zu beschäftigen und die Prinzipien des menschlichen Vermögens zu durchleuchten. Und die bislang gewonnenen Erkenntnisse sind wirklich verblüffend.

So konnte bspw. gezeigt werden, dass Zitronenlimonade zitroniger schmeckt, wenn man den Farbton der Dose ändert. Ein Mechanismus, den die Werbeindustrie etwa dazu veranlasst, Butter gelb zu färben und sich Gedanken über das Geräusch einer zufallenden Autotür zu machen. Oder dass die Blickrichtung eines Menschen einiges darüber aussagen kann, ob er seine bildliche Vorstellung aktiviert oder eine Erinnerung aus seinem Gedächtnis hervorholt. Und es fast unmöglich ist wütend zu sein, wenn man ein lachendes Gesicht macht. Nicht zuletzt die Erkenntnis, dass Menschen sich in spezifischen, ihnen entsprechenden Umwelten wohler fühlen als in einer fremden Umgebung, was ziemlich banal klingt, jedoch eine Erklärung dafür bietet, weshalb es so häufig zu Ghettobildung kommt. Nicht zuletzt verblüfft die Tatsache, dass bspw. Schwarze Schwarze grundsätzlich schlechter einschätzen als Weiße, was als Beleg gelten kann, dass wir alle Rassisten sind, ob wir wollen oder nicht. Was jeder gerne an sich selbst testen kann.

Dies ist nur ein kleiner Teil dessen was in uns vorgeht und uns zum Handeln motiviert. Und ich wünsche mir, mit diesem Blog – zumindest im Moment – einen kleinen Beitrag zu leisten, dass wir mehr von und in uns selbst erkennen. Um überhaupt erst einmal zu verstehen wie wir ticken und warum überhaupt. Denn erst dann können wir vielleicht Wege finden wie wir überhaupt miteinander klar kommen lernen. Damit wir nicht immer wieder gegen Pumpen laufen ohne es zu merken und uns ständig fragen warum verdammt noch mal uns der Kopf immer weh tut.

Schließlich verhalten wir alle uns ein bisschen so wie die Menschen, die in den 1960er Jahren in New York tatenlos dabei zugesehen haben wie die 28 jährige Kitty Genovese ermordet worden ist. Wofür sich auch eine Erklärung finden lässt. Und was trotzdem keine Entschuldigung dafür sein darf, dass unser Planet. Den Bach runtergeht.

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