Von wegen. Dieser Hit der Prinzen aus den frühen 90ern scheint etwas überholt, wenn man sich in diesen ersten Frühlingstagen in Berlin so die Fahrradfahrer anschaut. Ja genau, die Fahrradfahrer in ihrer ungeschönten Allgemeinheit.

Die gehen mir nämlich so richtig auf den Sack. Nix mit Genießer, ich sehe nur Spießer, die sich wie asoziale Arschlöcher benehmen, während ich selbst nur zusehen kann (als Fußgänger, BVG- Fahrgast, Mopedfahrer und Autofahrer, selten auch als Fahrradfahrer). Im Laufe meiner ungewollten Recherche ist mir nämlich ein verlogenes Licht aufgegangen, was die Fahrradfahrer und ihre Rechte und Pflichten so angeht.

Und an allererster Stelle steht da nämlich:  Wir sind immer unschuldig! Und so fahren sie munter auf Fußwegen, oder nebeneinander in Dreierreihen und wundern sich, wenn da gewagt wird hinter ihnen auch nur zu hupen. Zum guten Ton der Fahrradfahrer gehört es außerdem, von den Autofahrern – inklusive meiner Wenigkeit – permanent und andauernd nur genervt zu sein, mit Augenrollen und Beschimpfungen und allem was dazugehört. Selbst wenn einem Autofahrer bloß ein kleiner Fehler unterlaufen ist. Etwa wenn nachts beim Ausparken ein Fahrradfahrer ohne Licht angerast kommt und mich als Autofahrer zum scharf Bremsen zwingt. Das macht mich echt wütend.

Selbstgerecht fahren die Zweiradler auf der Hauptstraße, natürlich in der Mitte der Straße, weil sie irgendwann in 500m mal abbiegen müssen. Ja, und die heißen Tage in der Großstadt wirken dadurch gleich ein bisschen aggressiver. Dabei frage ich mich wirklich nur – warum? Fahrradfahren sollte doch eigentlich eine nützliche Sache sein, die unbedingt Spaß machen müsste. Sicher ist die Laune in den Autos bei den Autofahrern natürlich überhaupt nicht besser als die der Fahrradfahrer. Nein, ganz sicher nicht. Aber im Auto kriegen eben nicht alle um einen herum den geballten Frust mit.

Es ist so ein typisches Verhalten der Schwächeren gegenüber Stärkeren: Immer schön den ganzen Unmut abzutragen, niemals Verständnis zeigen und immer gleich den Arm hochzureißen und in alter Nazi- Manier zu brüllen: ” Was willst  Du, he? Du kommst ja noch nicht mal aus Berlin, du hast hier gar nix zu melden!” Spätestens da müsste man lachen und sagen: “Mensch – ich habe Dich nicht gesehen, mach vielleicht mal Dein Licht an.” Aber nix da. Da habe ich auch meinen Stolz.

Und mit dem Gesetz des Dschungels, fordere ich es ein mein “Recht des Stärkeren” unter der Bezugnahme auf das Fressen und Gefressenwerden und lass den Motor aufheulen. Mein Faustrecht werde ich trotzdem nicht einsetzen, denn der Klügere gibt nach.

Und ich verstehe sie ja auch, wenn sie sich aufregen. Es ist zwar auch ihr Dschungel, aber seien wir mal ehrlich, sie haben viel mehr zu verlieren als wir, wenn einer mal kurz nicht aufpasst.

Nämlich ihr Leben.

Irgendjemand hat mal zu mir gesagt, dass jede Woche in Berlin ein Fahrradfahrer stirbt. Ich glaube in diesem Großstadtdschungel muss man deshalb ganz einfach das Maul aufreißen.

Es ist ein Instinkt. Nicht mehr und nicht weniger.

Eine Anmerkung: Kurz nach dem ich den Artikel geschrieben, aber noch nicht veröffentlicht hatte, begegneten mir auf meinen Wegen so viele nette Fahrradfahrer, dass ich schon ein schlechtes Gewissen aufgrund meiner deutlichen Worte verspürte. Und trotzdem habe ich ihn ungeschönt aufgenommen.

Aber eben mit diesem versöhnlichen Happy End.

2 Responses to “Nur Genießer fahren Fahrrad und sind immer schneller da…”

  1. Sei froh, dass du nicht in Münster wohnst, der Horrorstadt aller Autofahrer und Fußgänger! ;)

  2. Miss Me Too

    Ich bin eh der Ansicht, dass die verschiedenen Fortbewegungsmethoden nicht auf eine Ebene gehören. Nicht auf eine Spur. Man MUSS sich einfach in die Quere kommen und das von Dir geschilderte Szenario kann ich nur bestätigen. Es nervt. Es ist gefährlich. Es ist jedes Mal Adrenalin und schlechte Gefühle.

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