Jun 06

Rechenexempel

Posted by me in freigeld.org

Weil die Sache mit dem Josephspfennig sich so vortrefflich anbringen lässt und ich obderhalben immer mal wieder darauf zu sprechen komme, leider aber nicht die Zahlen, um die es dabei geht, so richtig im Kopf habe… Naja, ich denke, jeder wird inzwischen wissen, worauf dieser Artikel hier hinausläuft.

Bei besagtem Gedankenexperiment geht es um die Frage, wieviel Geld man heute besäße, wenn man zu Christi Geburt

1 Cent

zu 5% Zinsen auf eine Bank gelegt und dort mit sämtlichen Zinseszinsen belassen hätte. Natürlich wäre es schwer, eine Bank zu finden, die den Zusammenbruch des Römischen Reiches, das Mittelalter, die Neuzeit und sämtliche Kriege und Konflikte schadlos überstanden hätte. Darum ist es ja auch nur ein Gedankenexperiment. Interessant ist, wenn man die Leute fragt, wie viel Geld, sie denken, aus einem Cent in 2000 Jahren werden kann. Da reichen die Meinungen von 200 Euro bis hin zu ein paar Millionen. Wollen wir also mal sehen.

Und der Einfachheit halber annehmen, dass Jesus im Jahre Null geboren wäre, und nicht im Jahre 4 vor seiner Geburt. Ebenso wie wir uns das Geld nicht heute, sondern schon vor elf Jahren haben auszahlen lassen. Um wenigsten ein paar Jahre von unserem Gesparten zu leben. Nun, welches Vermögen man nach zweitausend Jahren besäße, lässt sich ziemlich einfach errechnen mithilfe der Formel 1,05^2000 (1,05 hoch 2000). Im Internet gibt es ziemlich viele konstenlose Zinsrechner weshalb jeder ganz einfach nachrechnen kann, dass nach 2000 aus dem Cent ein Vermögen von sage und schreibe

23.911.022.046.137.545.440.953.299.463.261.025.992.704 Euro

geworden ist. Das müssten, wenn ich es richtig gezählt habe, 2,39 Septillionen sein. Falls die Bezeichnung da überhaupt noch ein Rolle spielt. Ist jedenfalls ein stolzes Sümmchen, was aus unserem Cent geworden ist, Donnerwetter. Hätte ich jedenfalls nicht sofort gedacht.

Und um die gewaltige Summe in irgendeiner Form vorstellbar zu machen, teilen wir diese Summe einfach mal durch den aktuellen Goldpreise (liegt heute, am 6.6.2011 bei 34.020,27 € pro Kilo), Ergebnis:

702.846.333.851.480.000.000.000.000.000.000.000

also etwa 700 Quintilliarden Kilo Gold oder, in Tonnen

702.846.333.851.480.000.000.000.000.000.000.

Als ob das noch eine Rolle spielte. Dagobert Duck würde jedenfalls vor Neid erblassen. Ein Geldspeicher voll Geld – pah! Denn wenn wir nun diese Summe durch das Gewicht der Erde Teilen, die mit ihrem Gewicht von immerhin 5.973.600.000.000.000.000.000 Tonnen (5,973 Quadrillionen) im Verhältnis geradezu leicht wirkt, erhalten wir für unseren einen lumpigen Cent nach 2000 Jahren immer noch unvorstellbare

117.658.754.160.218

also knapp über den Daumen gepeilt (wir wollen ja nicht so kleinlich sein) 117 Billionen Goldklumpen, die so schwer sind wie unser Planet. Immer noch keine Zahl, die wirklich greifbar ist. Vor allem, weil man sich Gewicht nicht so gut vorstellen kann. Probieren wir es daher mal mit Ausmaß, bzw. Volumen: Gold hat eine Dichte von 19,32 g/cm3, was bedeutet, dass ein Kilogramm Gold ein Volumen von 52,03 cm3 hat. Da wiederum 1.000.000 Kubikzentimeter einen Kubikmeter ergeben (ich hoffe, ich verrechne mich nicht, bei dieser Zahlenjonglage), wiegt ein Kubikmeter Gold rund 19219 Kilogramm. Das angehäufte Gold entspräche demnach einem Volumen von

36.569.094.750.292.500.000.000.000.000.000

oder 36 Quintillionen Kubikmetern.
Eine Masse, die ich wiederum versucht habe, mir selbst begreiflich zu machen. Woran ich letztlich gescheitert bin. Der Goldklumpen wäre dabei jedenfalls um einiges größer als die Sonne unseres Sonnensystems. Was ich mir zwar nicht wirklich vorstellen kann. Sich aber doch unvorstellbar riesig anhört.

Vor allem, wenn man bedenkt, dass sich all diese Zahlen aus einem einzelne Cent entwickelt haben. Zu fünf Prozent verzinst. Innerhalb von 2000 Jahren.

PS: Mir ist am Ende doch noch etwas eingefallen, mit der man die Idiotie des Zins und Zinseszinses am Ende irgendwie begreiflich machen kann. Geht man den umgekehrten Weg und fragt sich, wie lange es dauert bis dieser unaufhörlich wachsende Goldklumpen etwa braucht, um die Milchstraße (!) auszufüllen, dauert das ganze knapp 3436 Jahre. Und nur schlappe 4220 Jahre eh aus dem einen Cent ein Goldklumpen geworden ist, der so groß ist wie der Rauminhalt des beobachtbaren Universums,. Nach aktuellen Schätzungen, versteht sich.

3 Responses to “Rechenexempel”

  1. Wolfgang W

    Gigantismus, ein wenig – Ich habe mit Excel folgende Zahl bekommen
    2,39110220461356E+40 – Rechnen scheint immer noch Glückssache zu sein, zumindest ab der 12 Stelle. Und die Zahl habe ich als Trillionen und Trilliarden, also Septrillionen kennengelernt. Interessant ist noch der Funktionsverlauf erst ab 19. Jh erkennt man das es eine Expotialfkt. ist und die Zinsen der letzten drei Jahre sind je Jahr über 1 Septrillionen.
    Aber was hilft es uns in unserem Dasein, wenn schon Udo Jürgens singt:
    “Was wirklich zählt auf dieser Welt, bekommst Du nicht für Geld”
    Aber er singt auf hohem Niveau.

    Gruß
    Wolfgang

  2. Habs noch einmal gegengerechnet, mein excel zeigt 2,3911E+42.
    wobei es im ergebnis vermutlich keinen großen unterschied macht, ob man nun “meine” oder “Deine” zahl zugrunde legt.
    wenigstens hast Du an der grundsätzlichen vorgehensweise keinen anlass zur beanstandung gefunden.
    und das ist doch auch was…

    :)

  3. [...] und Zins Ich denke, es lohnt die Diskussion nicht, dass sowohl Geldschöpfung als auch Zins- und Zinseszinsmechanismus die nominale Geldmenge erhöht. Fraglich ist hingegen womöglich, welcher Effekt für das [...]

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