Auch wenn dieser Blog dizrespect heißt, ist nicht meine Absicht zu versuchen, jedem ans Bein zu pissen und über alles herzuziehen, schlecht zu reden, madig zu machen und zu allem und jedem meine kaum geschätzte und noch weniger beachtete Meinung in den Browser zu drücken. Noch dazu, dass ich glaube, dass von den wenigen, die diesen Blog lesen, noch weniger die tiefgreifende Kritik am Bestehenden in vielen Artikeln überhaupt bewusst ist. Nun, das wird zumindest für diesen Artikel nicht gelten, und meine wieder einmal lang gewählte Einleitung gilt dem Versuch, die Wogen von vornherein zu glätten, wenn ich mich hier buchstäblich hinstelle und fordere:

Es sollte keinen Gott geben.

Und bevor nun womöglich einige fromme Geister gekränkt nach dem Scheiterhaufen rufen und einige vermeintlich aufgeklärte Denker bloß an kalkulierte Provokation denken und sich verächtlich gähnend abwenden, sei mir eine kleine Erklärung erlaubt. Es ist ja nicht so, dass Kant alle scheinbaren Beweise für die Existenz Gottes als nicht stichhaltig analysiert hat. Genauso wie Nietzsche schon vor mehr als hundert Jahren erkannt zu haben glaubte, dass die Vorherrschaft der Geistes- und Naturwissenschaften Gott de facto getötet hat. Was allerdings die Milliarden von Gläubigen überall auf der Welt ebenso wenig davon abgehalten hat, an Gott und seine Gnade zu glauben wie die durch Gottes Gnade nur schwer zu erklärenden Monstrositäten à la Auschwitz und Srebrenica.

Wo wir schon von Gottes Gnade reden. Wenn ich die Denkweise der monotheistischen Weltreligionen richtig verstehen geht es doch im Großen und Ganzen darum ein gottgefälliges Leben zu leben, Gutes zu tun und mit seinen Taten die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Wenn man sich daran hält, kommt man in den Himmel, wenn nicht droht ewige Verdammnis und unerträgliche Seelenqual. Natürlich kann man es sich irgendwie zurecht legen und sagen, dass man Gutes tut, wenn man Ungläubige abschlachtet, Menschen unterdrückt, Kriege führt, diffamiert, lügt, intrigiert, foltert, mordet. Alles im Namen Gottes. Und das ist der springende Punkt.

Ich selbst habe jahrelang gedacht, dass Religion und vor allem der Glaube an Gott unerlässlich ist, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. „Religion ist die Brücke zwischen Mensch und Moral.“, hab ich ständig verbreitet. Ich habe damals gedacht, dass, wenn es keinen Gott, keinen Himmel und keine Hölle gibt, die Menschen keinen Grund haben, sich vernünftig zu verhalten. Weil schlicht keine Konsequenzen drohen. Schließlich liegt den monotheistischen Religionen diese Belohnungs- und Bestrafungsphilosophie zugrunde. Die einen bestenfalls zu einem besseren Menschen macht, weil ansonsten unvorstellbare Qualen drohen. Aber ich musste erkennen, dass ich mich grundlegend geirrt habe.

Denn Gott ist in seiner Funktion mittlerweile nicht mehr Grund, sich sittsam und vernünftig zu verhalten. Sondern Ausflucht und Totschlag-Argument um jede noch so verkommene und menschenverachtende Handlungsweise zu rechtfertigen. Ob es nun die strikte Ablehnung der Evolutionstheorie durch radikale Christen ist, die Wahrheiten verdrehen und so tun als wäre die Welt noch eine Scheibe, nur um ihr Weltbild nicht antasten zu müssen. Oder das Verhalten radikaler Juden und Moslems ist, die vor Waffengewalt und Terror nicht zurückschrecken, nur um ihren Gott zu verteidigen bis aufs Blut.

Ich will gar nicht die Frage erörtern, ob es Gott gibt oder nicht. Das ist eine müßige Frage, die wir vermutlich niemals endgültig klären werden. Ich will auch niemandem seinen Glauben wegnehmen oder den Glauben seiner Väter und deren Väter. Noch mich darüber lustig machen in irgendeiner Weise. Wir wollen alle nur am Leben bleiben, und wenn der Glaube an Gott für den jeweiligen Menschen dazugehört, ist das sein gutes Recht. Was ich sagen will ist lediglich, dass ich finde, dass es keinen Gott geben darf. Geben sollte.

Dann kann er nämlich auch nicht mehr als Ausrede benutzt werden, um all die schlimmen Dinge zu tun, die die Menschheit so anstellt, von Krieg über Umweltverschmutzung bis zur Unterjochung ganzer Volksgruppen. All dieses Verhalten lässt sich nämlich nur rechtfertigen, wenn man einen Gott unterstellt, dessen Willen man sekundiert. Wenn man Gott wegließe, wäre jeder plötzlich auf sich selbst gestellt. Und für seine Taten verantwortlich. Wir wären nicht mehr Gottes Werkzeuge. Und wenn jemand von uns einem anderen etwas antun würde, dann wäre allein er es, dann wäre auch er allein dafür verantwortlich. Keine Ausflüchte mehr. Nur noch selbst entscheidende Individuen, die sich mit nichts herausreden können außer ihrem eigenen Verhalten.

Und mit einem Mal wären wir nur eine recht seltsam anmutende, kaum vorstellbare Spezies, die auf einem ziemlich kleinen, unbedeutenden Stein durchs nirgendwo fliegt, die nichts besseres zu tun hat, als sich gegenseitig das Leben schwer zu machen. Na, das wär doch mal was.

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