Reden wir mal über Märkte. Ich meine, hat sich einer von Euch schon einmal die Frage gestellt, was das eigentlich sind, diese Finanzmärkte, von denen in letzter Zeit immer gefaselt wird? Die Finanzmärkte sind besorgt, reagieren verängstigt, panisch, honorieren dieses und bestrafen jenes. Die Finanzmärkte. Klingt irgendwie wie ne Gang. Wie die Ludolfs in riesig. Aggressiv. Weltvernichtend.

Doch bevor wir uns mit diesem furchteinflößenden Machtinstrument befassen, will ich kurz ein paar prinzipielle Worte über Märkte verlieren. Und warum die Marktwirtschaft nicht nur der (kommunistischen) Planwirtschaft, sondern vermutlich allen anderen Wirtschaftssystemen überlegen ist. Und falls es einen oder zwei aufmerksame Leser dieses Blogs gibt – diese Aussage steht nicht in Gegensatz zu der von mir immer wieder propagierten Freiwirtschaftslehre.  Aber dazu an andere Stelle.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Vorgängen am Markt – zumindest in der Theorie – Vorgänge abbilden, wie sie auch in der Natur vorkommen. Schließlich ist ein Markt nichts anderes als Ort, an dem Lösungen (Angebot), für eine Vielzahl von Problemen (Nachfrage) angeboten werden. Und gleicht damit den Mechanismen der Evolution. Dort kommt es durch Mutation zu spontanen (genetischen) Veränderungen, die, wenn sie sich als durchsetzungsstark gegenüber der Umwelt herausstellen (Selektion), weitervererbt werden können und auf diese Weise “überleben”. Um es an einem Beispiel zu verdeutlichen: Wird jemand etwa ohne Blinddarm geboren (Mutation), so steigert das (in einer Welt ohne medizinische Versorgung) seinen Überlebenswahrscheinlichkeit im Vergleich zu den Menschen mit Blinddarm. Ist diese Eigenschaft nun weitervererbbar, so kann der Mensch ohne Blinddarm  diese Eigenschaft in seinen Gene weitergeben, während zumindest ein Teil der Menschen mit Blinddarm am Durchbruch desselben verstirbt. Weshalb sich das Verhältnis durch Vererbung über mehrere Generationen zugunsten der Spezies ohne Blinddarm verbessert (Selektion), bis es schließlich immer weniger Menschen ohne Blinddarm gibt. Und was hat dieses Mutations-Selektionsgelaber jetzt mit Märkten zu tun?

Nun, es gibt mehr als das eben kurz skizzierte Prinzip von Angebot und Nachfrage. Denn schon allein durch technische Neuerungen sind Märkte stetigem Wandel unterworfen. Und Ideen, Lösungen, Angebote konkurrieren mit anderen, besseren (oder auch schlechteren) Ideen und Angeboten. Oder hat irgendwer noch Verwendung für Wählscheibentelefone oder CB-Funkgeräte? Neue Ideen (Mutationen) drängen auf den Markt (Angebot) und buhlen bei den Nachfragern um Marktanteile. Einige Ideen setzen sich durch (Blu-ray), andere nicht (HD DVD). Und der Markt sorgt dafür und übernimmt sozusagen die oben skizzierte Selektion.

So schön ist das Alles in der Theorie. In der Realität aber sieht das leider ein bisschen anders aus. Denn anders als bei der Evolution entwickeln sich Märkte selten spontan und erst Recht nicht planlos. Denn auch wenn die Evolution dafür verantwortlich ist, dass aus irgendwelchen Amöben schließlich der Mensch hervorgegangen ist, verfolgt die Natur damit keinen Zweck. Es gibt kein Ziel, keine Richtung und keinen Grund für dieses seltsame Ding, das wir Leben nennen. Natürlich denkt man nun unwillkürlich an Gott und den Plan, den er nach den Vorstellungen einiger Religionen mit uns verfolgt.

Aber das gehört nicht hierher. Entscheidend ist, dass Märkte sehr wohl zielgerichtet funktionieren. Weshalb es bspw. zu Monopol- oder Kartellbildung kommt, oder dies zumindest von den Marktteilnehmern angestrebt wird. Aber das müssen wir – ebenso wie das Thema Finanzmärkte – auf das nächste Mal verschieben.

Zum 2. Teil der Serie

One Response to “Bemerkungen zu Märkten – Marktmechanismen”

  1. [...] genötigt wieder einmal zum Finanzsystem Stellung zu nehmen, obwohl ich gehofft hatte, mit meiner eben erst abgeschlossenen Serie die Sache erst einmal auf sich beruhen lassen und endlich die Wertedebatte in Gang setzen zu [...]

Leave a Reply