Märkte. Märktepopärkte. Nach Meinung von Wirtschaftsliberalen wie den Anhängern der FDP und Marktradikalen wie Tea-Party-Jüngern ist der Markt der heilige Gral, Tempel, Sinnstiftung und einziges Heilmittel, um alle Probleme dieser Welt für alle und alle Zeiten zu lösen. Freiheit, so propagieren es diese tendenziell konservativen Kreise und meinen nichts anderes als freien Wettbewerb – schafft dauerhaften und größtmöglichen Wohlstand  für die größtmögliche Anzahl an Menschen. Und jedwede Einmischung des Staates als wettbewerbsverzerrend, wohlstandsschädigend und geradezu kommunistisch hinstellt.

Dieses Denken geht zurück bis auf die Anfänge der Wirtschaftswissenschaften, namentlich auf den Schotten Adam Smith, der mit seinem Hauptwerk Wohlstand der Nationen und dem darin beschriebenen Mechanismus der unsichtbaren Hand die Ökonomie als eigenen Wissenschaftsbereich quasi begründet hat. Einfach ausgedrückt erklärt Smith das Angebot-Nachfrage-Prinzip, was auch durchaus einleuchtend ist. Angenommen, es gibt nur einen Bäcker in einer Stadt, der Brot anbietet und dafür Nachfrager findet. Dieser Erfolg des Bäckers animiert andere, es ihm nachzutun, was zu einer Erhöhung des Angebots am Markt führt und – die Bäcker konkurrieren nun miteinander – zu sinkenden Brotpreisen. Natürlich wollen die Konsumenten – Nachfrager – den geringstmöglichen Preis zahlen. Dieser aber wird nur so lange fallen, wie es ich für die Bäcker noch lohnt, überhaupt Brot herzustellen und zu verkaufen. Entsprechend findet sich so, mittels der “unsichtbaren Hand”, der für alle fairste Preis und größtmögliche Wohlstand. Wenn es doch so einfach wäre.

Denn die Annahmen, die Anhänger dieser Theorie machen, halten der Realität schlicht nicht stand. Etwa, weil einer der Bäcker auf die Idee kommen könnte, das Brot mit Sägemehl zu strecken, weil das einfach billiger ist. In diesem Fall könnte er das Brot billiger anbieten als der Theorie gemäß möglich wäre. Zu Lasten der Konsumenten, die nun Sägespäne zu fressen kriegen statt Mehl. Oder die Bäcker einer Stadt schließen sich zusammen und treffen Preisabsprachen, über dem Marktpreis. Auch dies würde zu Lasten der Konsumenten gehen und ist durch die Theorie der unsichtbaren Hand nicht zu erklären. Denn es handelt sich bei derlei Vorgängen um so genanntes Marktversagen, das im Großen und Ganzen auf folgende drei Ursachen zurückzuführen ist:

1. Informationsdefizit
Die Marktteilnehmer verfügen nur über unzureichende Informationen. Etwa, weil die Kunden des Bäckers nicht wissen können, was der Typ in die Brötchen packt. Oder welcher Preis tatsächlich der fairste ist. Oder das Produkt wirklich das beste. Was einer der Gründe gewesen sein dürfte, warum kürzlich erst Foodwatch eingerichtet worden ist. Weil die Lebensmittelindustrie natürlich alles daran setzen noch die letzte ungesunde, überteuerte Zucker-, Fett- und Glutamatplörre als “wertvoll”, “gesund” und “aus besten Zutaten hergestellt”  hinzustellen. Und alles daran setzt, um etwa die Lebensmittelampel zu verhindern – zum Wohle des Verbrauchers, versteht sich.

2. Marktmacht
Das Informationsdefizit kann sowohl die Qualität der Waren als auch die Preise derselben betreffen. Im letzteren Fall liegt dann möglicherweise ein Monopol vor, also die marktbeherrschende Stellung eines einzelnen Unternehmens. In einem solchen Fall ist es schwer für den Konsumenten, faire Preise am Markt zu erzielen, weil das eine (oder – in einem Oligopol – die wenigen) Unternehmen die Macht haben, die Preise selbst festzusetzen – und nicht über den Markt ermitteln zu lassen. Etwa wenn die Ölkonzerne pünktlich zur Ferienzeit und eigenartigerweise zeitgleich die Preise erhöhen. Und der eigentlich nur dem Namen nach deregulierte deutsche Strommarkt dafür sorgt, dass die Deutschen europaweit den zweihöchsten Strompreis zahlen. Derlei Effekte glauben die Wirtschaftsliberalen mittels des Marktes ausschalten zu können. Wobei man sich dann nur fragt, warum es dann überhaupt Lobbyismus gibt. Wenn der Markt doch alles regelt. Hätte der Herr von Finck der FDP doch überhaupt kein Geld zahlen müssen. Tja, grau ist alle Theorie.

3. Volkswirtschaftliche Aspekte
Bei all den Überlegungen darf man eine entscheidende Sache nicht vergessen. Märkte existieren nicht isoliert, sondern sind in gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge eingebunden. Staaten greifen aktiv ins Marktgeschehen ein, weil sie volkswirtschaftliche Interessen zu berücksichtigen haben. So subventionieren sie etwa Wirtschaftsbereiche wie in Deutschland etwa die Agrarwirtschaft oder verhindern gezielt Wettbewerb (bspw. durch Buchpreisbindung), wenn sie glauben, dass es volkswirtschaftlich geboten ist. Andererseits kommen sie auch für die Kosten auf, die die Unternehmen bei der Produktion ihrer Güter verursachen und für die sie nicht bezahlen (müssen), etwa wenn nicht die verursachenden Unternehmen, sondern der Staat die Kosten für die Endlagerung des Atommülls übernimmt. Oder wenn er in “Not geratene” Banken stützt. Weil durch deren Zusammenbruch ein noch größerer volkswirtschaftlicher Schaden entstehen würde als durch die Rettung verursacht.

Teufel. Da hab ich am Ende ja doch noch die Kurve zurück zu den Finanzmärkten genommen, von denen ich eigentlich reden wollte. Auch wenn wir uns damit erst beim nächsten Mal beschäftigen.

Zum 3. Teil der Serie

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