Na. das war ja ein Trick. Erst wollte ich nur über die Finanzmärkte schreiben, vor denen die ganze Welt zittert. Und nun hab ich mich selber drangekriegt mit allgemeinen Betrachtungen zu Märkten und Marktprinzipien, zu denen leider immer noch etwas zu sagen ist, bevor ich dann hoffentlich endlich zu den Finanzmärkten abbiege. Na ja, zumindest kann ich unterwegs noch ein paar marktfundamentalistischen Neo-Klassizisten ein paar mal kräftig auf die Füße treten. Und das ist doch angesichts des ausgemachten Blödsinns auf den sich die Tea-Party-Bewegung versteift, und mit denen sicherlich auch einige FDP-Anhänger liebäugeln doch auch was.

Ich möchte heute auf etwas eingehen, was ich in meinem letzten Artikel schon kurz mit Informationsdefizit bezeichnet und kurz angerissen habe. Bei dieser flüchtigen Betrachtung hat man vielleicht den Eindruck gewonnen, dass es sich bei dieser Art von Marktversagen gewissermaßen um Irreführung handelt, durch die minderwertige Waren für einen viel zu hohen Preis leichtgläubigen Käufern untergejubelt werden. In Wirklichkeit sind die Folgen, die aus dem Problem unvollständiger Information resultieren, um einiges gravierender.

Denn die Käufer sind sich ja grundsätzlich des Problems bewusst, dass sie – kurz gesagt – besch!ssen werden. Mit sich daraus ergebenden gravierenden Konsequenzen. Nehmen wir als Beispiel das (nicht grundlos gewählte) Beispiel des Markts für Gebrauchtwagen. Nehmen wir an, es gibt mehrere Anbieter von Gebrauchtwagen, einige, die Wagen guter Qualität zu einem relativ hohen Preis anbieten. Und andere, die die letzten Schrottkarren zu einem niedrigeren Preis anbieten. Und es gibt vielleicht sogar ein paar, die schlechte Autos zu einem hohen Preis anbieten.

Die potentiellen Käufer dieser Wagen können allerdings nicht wissen, bei welchem Verkäufer sie Autos welcher Qualität kaufen. Und werden in der Konsequenz nicht bereit sein, für Autos guter Qualität einen angemessenen Preis zu zahlen, weil sie sich denken: Wenn ich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ohnehin nur ein Auto minderer Qualität erstehe, dann will ich auch nur einen geringen Preis dafür zahlen. Die Verkäufer schützen sich quasi gegen ihre ungenügenden Kenntnisse über Gebrauchtwagen, indem sie den Preis einfach niedrig ansetzen. Dadurch können die Verkäufer von Autos guter Qualität ihre Preise nicht mehr durchsetzen und verschwinden vom Markt. Mit dem Ergebnis, dass am Ende nur noch schlechte Gebrauchtwagen übrig bleiben. Was natürlich niemand will. Weshalb es überhaupt neutrale Gutachter wie den TÜV oder die DEKRA gibt.

Das beschriebene Phänomen bezeichnet man als Saure-Gurken-Problem oder – in der englischsprachigen Literatur – Zitronen-Problem. Man weiß halt einfach nicht, wann man eine Saure Gurke erwischt. Und auch wenn es sich dieses Problem ein wenig banal anhört, ist die dahinterstehende Erkenntnis so gravierend, dass den Artikel, der das Zitronen-Problem  behandelte, keine wissenschaftliche Zeitschrift abdrucken, weil es der neoklassischen Ökonomie schlicht widersprach. Erst das damals noch relativ unbekannte Quarterly Journal of Economics veröffentlichte ihn schließlich und avancierte, weil dieser Artikel zu einem der meist zitierten überhaupt wurde, im Nachhall dieser Veröffentlichung zu einer der renommiertesten ökonomischen Fachzeitschriften überhaupt.

Und das ist doch auch eine schöne Geschichte.

Zum 4. Teil der Serie

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