Hätte ich gewusst, dass der SPIEGEL in dieser – wenn auch wenig überraschend – das Thema Finanzmärkte auf den Titel hievt (Stichwort: Gelduntergang), hätte ich mir mit meiner eigenen Betrachtung selbiger Märkte vielleicht noch ein wenig Zeit gelassen. Nun ja, aber wenn ich schon mal dabei bin, kann ich ja auch weitermachen. Vielleicht kommen ja ein paar andere Erkenntnisse dabei raus als beim Lesen des Spiegel-Artikels.

Vor der durch das Wochenende bedingten Entspannungspause hatte ich bereits den Realwirtschaftskreislauf kurz skizziert. Heute möchte ich ein paar historische Bemerkungen machen wie sich dieser ganze Schlamassel überhaupt entwickeln konnte. Und habe keine Ahnung, ob ich diesen Klumpatsch hier nicht schon einmal irgendwo erzählt habe, bitte also etwaige Dopplungen auf diesem Blog zu entschuldigen.

Die Idee einer Bank ist ja grundsätzlich eine gute. Vermutlich hätten sich Banken auch nicht so lange gehalten, wenn dem nicht so wäre. Ursprünglich brachten Besitzende ihr Geld an einen sicheren Ort – sagen wir mal zum Goldschmied, weil der ja ohnehin mit Edelmetall hantierte und besondere Vorkehrungen treffen musste gegen Räuber und Banditen. Für ihre Einlage erhielten sie eine Quittung mit der sie sich bei Bedarf das Geld wiederholen konnten. Nun ist ja ein Stück Papier ein bisschen praktischer als ein Goldklumpen, transportabler vor allem, aber auch sicherer, weil im Fall eines Überfalls nicht mehr Wert für nen Räuber als – sagen wir mal – ein Fetzen Papier. Und am Ende kann man dieses Papier vielleicht sogar verwenden, um Waren damit zu bezahlen. Schließlich ist das Papier – nennen wir es Wechsel – ja soviel Gold wert wie darauf bescheinigt wird. Und damit als Zahlungsmittel geeignet, weil der Goldschmied – oder die Bank – das Gold gegen Vorlage des Wechsels rausgeben muss.

Apropos, was macht die Bank inzwischen mit dem Gold? Nun ja, das liegt erst mal da so rum und wird nicht weiter gebraucht. Gehört ja schließlich nicht der Bank, sondern dem ursprünglichen Besitzer, vielleicht einem Kaufmann. Allerdings kommt die Bank irgendwann vielleicht auf die Idee, dass es totaler Blödsinn ist, das Gold einfach in ner Kiste vor sich hin gammeln zu lassen. Man kann in der Zwischenzeit schließlich irgendetwas damit anstellen. Zumal der Kaufmann nur selten vorbeikommt (er hat ja die Wechsel für den Zahlungsverkehr), um Gold zu holen und wenn, holt er sicherlich nur selten alles von der Bank. Und da es nicht nur einen Kaufmann gibt, sondern viele, die Gold in der Bank eingelagert haben, kann immer genug Gold ausgezahlt werden, wenn mal einer der Besitzer kommt, um nach dem Rechten zu sehen. In der Zwischenzeit nimmt die Bank aber einen Teil des Goldes, das ihr nicht gehört, und verleiht es gegen Zinsen. Wovon der Kaufmann weder etwas weiß, noch seine Zustimmung gegeben hat. Obwohl es sein Geld, äh, Gold ist, das die Bank da verleiht. Ist schon ein Hammer. Finde ich jedenfalls.

Denn die Bank erhält ja nicht nur Zinsen als Gegenleistung für das Verleihen von Geld, was ihr nicht gehört. Nein, Kredite werden üblicherweise nur vergeben, wenn der Kreditnehmer Sicherheiten stellt, etwa sein Haus für den Fall verpfändet, dass er den Kredit nicht zurückzahlen kann. Und die Bank ist in diesem Fall plötzlich der rechtmäßige Eigentümer eines Hauses. Durch das Verleihen von Geld, das ihr nicht gehört. Auf die Idee muss man echt mal gekommen sein. Zumal der Zins- und Zinseszinsmechanismus dazu führt, dass die Bank über mehr und immer mehr Geld verfügt. Denn die Summe des verliehenen Geldes wächst unaufhörlich und im wahrsten Sinne des Wortes in den Himmel. Ist echt ein Hammer, kann ich nur immer wieder sagen. Und nur verwunderlich, dass zwar alle irgendwie ahnen, dass dieses (Finanz-) System nicht richtig funktioniert und schon mal gar nicht gerecht ist. Aber alle diese Mechanismen als normal und gottgegeben akzeptieren. Und dabei hab ist das nur die eine, realwirtschaftliche Seite der Finanzmärkte.

Wenn wir uns mit den Kapitalmärkten befassen, mit Aktien, Anleihen und Renten, mit Swaps Futures und was weiß ich für abstrusen Derivaten.
Dann wirds richtig haarsträubig und irreal.

Zum 7. Teil der Serie

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