Gestern war es mal wieder soweit. Die Frankfurter Börse rutschte in den Keller, die Finanzmärkte waren schwer verunsichert, zu allem Überfluss teilte Josef Ackermann der Welt seine Sorgen vor einer neuen Finanzkrise mit. Die Welt war – wie so oft seit 2008 – wieder einmal am Abgrund, in heller Aufruhr, krisengeschüttelt, dem Untergang geweiht. Zumindest kommt es einem bisweilen so vor, wenn man die Grusel erweckenden Attribute liest, die seit gefühlt einem Jahrzehnt in regelmäßiger Wiederholung die Schlagzeilen beherrschen.

“Die Lawine ist ins Rollen gekommen”, wird da etwa ein Börsianer zitiert: ”Resignation und Perspektivlosigkeit prägen die Stimmung.” Gott im Himmel. Wird Zeit, sich die letzte Ölung abzuholen. Griechenland wird dabei natürlich als Grund angeführt, warum die Finanzmärkte nervös sind, bisweilen panisch reagieren oder zumindest verunsichert sind. Neuerdings ist auch Italien ein Sorgenkind, das die Finanzmärkte ins Minus zieht. Und überhaupt die hohe Verschuldung der Industrienationen. Zum Glück redet niemand davon, dass die USA, der “Motor der Weltwirtschaft”, de facto pleite sind. Sonst nimmt sich am Ende noch so ein Finanzmarkt das Leben.

Seltsamerweise bekommt man selbst gar nicht soviel davon mit. Ich meine, angesichts dieser ganzen Katastrophen, die vermeldet werden, die Krisen, Krisen, Krisen, Finanz- und Griechenland- und Schulden- und Euro-Krisen, fragt man sich ja schon, warum die Welt nicht längst untergegangen ist. Und natürlich, wenn man sich die Probleme ansieht, die Griechenland hat, die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Spanien, die Exzesse in England, bekommt man schon das Gefühl, dass die Welt auf den Abgrund zu trudelt. Also scheinen die Sorgen der Finanzmärkte wohl berechtigt, und die ins Minus trudelnden Börsenindizes sind nur Ausdruck der allgemein katastrophalen Wirtschaftslage. Oder etwa nicht?

Nun, wenn man sich den in einem der letzten Artikeln beschriebenen realwirtschaftlichen Kreislauf ansieht, bekommt man eher das Gefühl, dass nicht. Denn im Kreislauf von Volkseinkommen und Bruttoinlandsprodukt kommen Aktien und Börse und all diese Sachen ja erst einmal überhaupt nicht vor. Und auch wenn in diesem Modell die Aktien nur der Einfachheit halber ausgeklammert wurden, hat der Wert einer Aktie nichts oder nur sehr wenig realwirtschaftlichen Prozessen zu tun. Auch wenn die Banker und Börsianer uns das womöglich nur zu gerne glauben machen wollen.

Sehen wir uns bspw. die Aktie der Deutschen Bank an, die gestern mehr als 8% in den Keller gerutscht ist. Wow! Denkt man da. 8%. Eine Zahl von der die FDP nicht mal mehr zu träumen wagt. Der Deutschen Bank muss es ja echt ziemlich schlecht gehen. Und dann sehen wir uns an, wieviele Aktien gestern gehandelt wurden, und stellen fest: 301.754. Und dann sehen wir uns an wieviele Aktien der Deutschen Bank es überhaupt in Umlauf sind und stellen fest: 929.499.640. Und dann machen wir uns die Mühe und ermitteln den Anteil der Aktien, die gestern gehandelt wurden und stellen fest: 0,03 %. Das ist ein derart verschwindender Wert, dass es geradezu lächerlich erscheint. Doch er deckt sich mit der Einschätzung von Experten, die ich zu diesem Thema befragt habe, und die mir einhellig versicherten, dass im Schnitt vielleicht 2% der sich im Umlauf befindlichen Aktien gehandelt würden.

Der Witz daran ist: Mittels der paar lumpigen Aktien, die gehandelt worden sind, wird der Wert für alle sich im Handel befindlichen Aktien ermittelt. Was – um im Marktsprech zu bleiben – einer künstlichen Verknappung des Angebots ziemlich nahe kommt. Weshalb man sich die Frage stellt, warum dann alle so einen Aufriss machen, wenn angesichts so läppischer Zahlen kaum eine Aussage über das betreffende Unternehmen anstellen kann und schon gar nicht über die gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge.

Finanzmärkte, deren Preise über einen längeren Zeitraum sinken heißen im Börsianer-Slang Bärenmarkt. Das soll als Schlusswort für heute reichen.

Zum 9. Teil der Serie

2 Responses to “Bemerkungen zu Märkten – Teddybärenmarkt”

  1. Mehr lässt sich dazu eigentlich kaum sagen. Chin Meyer zum Thema.

  2. vielen dank!

Leave a Reply