Im Grunde lassen sich die Finanzmärkte in vier Bereiche unterteilen. Da wäre zunächst der so genannte Geldmarkt, also jener Markt, auf dem von der Zentralbank ausgegebenes Geld an Banken weiterverliehen wird. Der Preis für das verliehene Geld ist dabei der so genannte Leitzins, den die Banken (oder andere Finanzinstitute) bezahlen müssen, um von den Zentralbanken der Staaten Geld zu bekommen. Dabei richtet sich der Leitzins nicht zwangsläufig nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage, sondern kann auch als finanzpolitisches Instrument benutzt werden, um die im Umlauf befindlichen Geldmenge zu regulieren, worauf wir noch zu sprechen kommen werden.

Den zweiten Bereich innerhalb der Finanzmärkte ist der so genannte Kredit- und Kapitalmarkt, auf dem die bereits besprochenen Aktien und Anleihen gehandelt werden. Denn wie der Name schon sagt dient dieser Markt den Unternehmen und Staaten, sich mit mittels Krediten Geld zu versorgen, um Investitionen zu tätigen oder – im Fall von Staaten – vor allem alte Schulden durch neue Schulden abzulösen. Doch auch wenn man es vielleicht nicht vermuten würde, sind ist der Kapital- und Kreditmarkt vom Volumen her mit der kleinste Markt innerhalb der Finanzmärkte.

Der bei weitem größte ist der Devisenmarkt, wie die Grafik eindrucksvoll demonstriert. Allerdings ist dies auch insofern verständlich, weil Devisen für alle internationalen Transaktionen benötigt werden, unabhängig davon ob es sich dabei um finanzwirtschaftliche oder realwirtschaftliche Transaktionen handelt. So wird bspw. der weltweite Ölhandel grundsätzlich in US-Dollar, den so genannten Petrodollar abgewickelt. Entsprechend muss jede Institution, die keine Dollar-Reserven besitzt, ihr Geld erst in Dollar umtauschen, wenn sie Öl am Weltmarkt kaufen will. Oder andersherum in Euro, wenn etwa außereuropäische Staaten Waren in Deutschland kaufen. Die Besonderheit dieses Marktes allerdings ist, dass der Devisenhandel hauptsächlich zwischen den Marktakteuren selbst stattfindet, weshalb es für Devisen keinen institutionalisierten Markt wie etwa eine Devisenbörse (mehr) gibt. Daher ist, wenn in der Presse von den Finanzmärkten die Rede ist, nur sehr selten der Devisenmarkt gemeint, auch wenn dieser der größte aller Finanzmärkte ist.

Hingegen ist fast immer vom vierten Teilbereich der Finanzmärkte, dem Handel mit Derivaten, die Rede, wenn es um gierige Banker geht, um Maßlosigkeit und dringend notwendiger Regulierung. Und angesichts des in der Grafik dargestellten Volumens dieses Marktes ist die Sorge darum natürlich verständlich. Schließlich übersteigt das an diesem Markt gehandelte Volumen das Volumen aller weltweit gehandelten Güter und Dienstleistungen um mehr als das 9fache.

Und was nichts anderes heißt als sich die Finanzindustrie zu einem großen Teil um nichts anderes dreht als sich selbst.

Zum 15. Teil der Serie

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