Es hat sich ganz schön was verändert in der Welt seit wir diesen Blog im April 2009 begonnen haben. Damals war die Krise, die die Welt überrollt hat, erst als schwacher Schimmer am Horizont erkennbar, auch wenn damals schon dauernd von Banken-Zusammenbrüchen und Massenentlassungen gesprochen wurde. Doch damals schien die Welt irgendwie noch in Ordnung, und man hatte das Gefühl, dass all die Probleme, von denen nun geredet wurde, sich schon irgendwie wieder einrenken würden. Naja, ich brauche ja niemanden daran zu erinnern, dass auch damals nicht alles in Ordnung war, insbesondere nicht in Hinblick auf diesen vermeintliche Krieg zwischen Christentum und Islam, der – so kommt es mir jedenfalls vor – das erste Jahrzehnt des Neuen Jahrtausends fast ausschließlich bestimmt hat.

Mag sein, dass es am neuen US-Präsidenten liegt, dass diese Wogen sich geglättet haben, daran, dass Osama Bin Laden inzwischen tot ist und gefühlt jede Woche ein ranghohes Al-Quaida Mitglied von einer Drone in Stücke gerissen wird. Vielleicht sind auch durch die Verschiebung alter Machtverhältnisse – der Aufstieg Chinas, der Arabische Frühling – einige althergebrachte Vorstellungen ins Wanken geraten und dieser seltsame “Kampf der Kulturen” im Nachhalldes 11. Septembers einfach nicht mehr so wichtig und überholt. Womöglich tobt er auch ungehindert weiter, und wir kriegen es einfach nicht mehr so mit, weil die Ereignisse sich angesichts all der drohenden Staatsbankrotte schlichtweg überschlagen. Oder die Welt stellt nun und mit Verblüffung fest, dass der gute, alte “Westen”, der sich jahrzehnte- wenn nicht jahrhundertelang mit Selbstverständlichkeit eines Auserwählten als Herrscher über den Planeten wähnen durfte, inzwischen ein ziemlich bedauernswertes, geradezu jämmerliches Bild abgibt, und sich nicht einmal mehr zu bekämpfen lohnt. Wie etwa, wenn das Bundesamt für Wehrverwaltung einen Soldaten im Afghanistan-Einsatz auffordert, einen auf einer Patrouille verloren gegangen Handschuh im Wert von 7,17 Euro zu ersetzen. Oder die Bundespolizei das Benzin rationiert, weil einfach das Geld fehlt. Ojemine.

Ganz am Anfang hatte ich die sehr unkonkrete Idee, mittels dieses Blogs ein Netzwerk aufzubauen, in dem sich Gleichgesinnte austauschen und gemeinsam mögliche Lösungen erörtern, wie dieser ganze Quatsch, der sich dort draußen vor unserer Tür abspielt, zu beenden ist. Da damals schon abzusehen war, dass dieses System sich innerhalb der nächsten zehn Jahre überleben wird, hatte ich gehofft, sich mit und mit immer mehr Menschen finden zusammenfinden würden, die gewillt wären, aufzustehen und wirklich etwas zu verändern. Nun, diese Leute gibt es tatsächlich, immer mehr, in immer mehr Ländern – Griechenland, Spanien, Ägypten, USA, Großbritannien, Chile. Sie streiken, rufen zum Protest auf, beklagen die Ungerechtigkeit mittels des Internets, bringen Machtverhältnisse ins Wanken von Tripolis bis Stuttgart und wählen aus lauter Verzweiflung unnütze Parteien. Antworten aber geben sie nicht. Und das ist das Mysterium für mich, dass mich immer noch mit tiefer Ratlosigkeit befällt. Dass es die Antworten gibt. Und sie niemand hören will. Oder kennt. Oder abtut als unsinnig. Undurchführbar. Hanebüchen. Als ob die Rezepte von Schwarz-Gelb, Rot-Grün, Rot-Rot-Orange, Blassblau, Schneeweiß, Rosarot, Kotzgrün oder Tea-Party-Braun sinniger wären. Durchführbarer. Und nicht aus dem Holz der Hagebuche. Ich begreif’s einfach nicht. Ganz ehrlich.

Auch wenn mich gerade dieser Umstand jedesmal wieder aufs Neue zwingt, weiter zu machen. Auch wenn es mich – wie phasenweise bei der letzten Serie zu den Märkten – selbst über weite Strecken langweilt. Aber vielleicht hilft es ja was. Man weiß ja nie.

Ich danke meinen Mitstreitern, allen voran Sir Winston Wolf, Bibi Blogs, Agnieszka, Miss Me Too und allen, die immer mal wieder oder auch regelmäßig hier vorbeischauen. Und da ich weiß, dass das inzwischen ziemlich viele Leute sind, schließe ich mit der Bitte, doch in Zukunft vielleicht mal den ein oder anderen Artikel zu kommentieren. Damit ein bisschen mehr Interaktion stattfindet und vielleicht ein paar neue Ideen entstehen.

In den nächsten 500 Artikeln.

One Response to “Der 500. Artikel”

  1. 500! Super! Auf dass viele weitere Artikel von vielen weiteren folgen!

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