Nun ja, ob man ihn ein Genie nennen kann wie einige es tun, sei dahingestellt. Ein Visionär war er sicherlich. Jemand, der vielleicht eben nicht Erfinder all jener Produkte war, die sein Konzern Apple der Welt vermacht hat. Dazu bedurfte es immer der Steve Wozniaks (Erfinder der ersten Apple Computer), der Edwin Catmull (Mitbegründer von Pixar) oder Tony Fadells (Erfinder des iPod) dieser Welt. Doch Jobs gebührt es ohne Zeifel, das Potential dieser Mensch – respektive deren Erfindungen – frühzeitig erkannt, gefördert und vermarktet zu haben, und dies oft genug in Zeiten, wo andere allein aufgrund der äußeren Umstände gezaudert, gezweifelt und gezagt hätten. Oder wie sonst ist es zu erklären, dass ausgerechnet der große George Lucas Pixar an Jobs verkaufte, 1986, für die heute lächerlich anmutende Summe von 5 Millionen Dollar – schlicht, weil Lucas das künftige Potential d per durch Computer animierter Filme gelinde gesagt unterschätzte?

Vielleicht liegt es daran, dass Jobs bis dahin kaum etwas mit der Filmbranche zu tun gehabt hatte, was ihm den unverfälschten Blick gestattete, die Dinge nach seinem Ermessen zu bewerten. Schließlich hat er dieses Prinzip noch mindestens zwei weitere Male angewendet und ist über vermeintlich althergebrachte, eingespielte Branchen hergefallen, dass deren Akteure nur ungläubig dastehen konnten und sich fragen lassen mussten, was sie eigentlich all die Jahre getan hatten. So geschehen im Oktober 2001, als Apple sich anschickte, die seit Jahren vor sich hindümpelnde Musikindustrie mit einem eigenen Vermarktungskonzept förmlich in die Gegenwart – und in gewisser Weise auch aus der Krise – zu katapultieren. Ich möchte zu gern die Kommentare all der Leute sehen, die die Idee von iTunes und iPod damals als absolute Spinnerei abgetan haben. Musik zu verkaufen in einer Zeit wo alle daran gewöhnt schienen, sich selbige kostenlos zu besorgen. Und einen mp3-Player auf den Markt zu bringen, kaum einen Monat nach dem 11. September, als die (westliche) Welt in kollektive Depression verfallen war. Na ja, Geschichte wird von den Siegern geschrieben wie es so schön heißt. Weshalb zumindest die Mobilfunk-Anbieter ein paar Jahre später hätten gewarnt sein müssen, als Apple sich anschickte einen weiteren Markt abseits des eigenen Kerngeschäfts zu revolutionieren.

Insoweit hat Jobs zahlreiche Siege davon getragen und seine Konkurrenten langfristig zwar, aber doch allesamt hinter sich gelassen. Der inzwischen eher in Vergessenheit geratene John Sculley etwa, den Jobs Mitte der 1980er Jahre selbst zu Apple holte, und der ihn kurz darauf nötigte selbst das Handtuch zu werfen und bei der Firma NeXT einzusteigen. Und der nur wenige Jahre brauchte, um Apple an den Rand des Ruins zu bringen, dass einer der härtesten Konkurrenten, Michael Dell, 1997 auf die Frage, was man mit Apple tun sollte, schlicht antwortete: Schließen und den Anteilseignern ihr Geld zurückgeben. Heute ist Apple der wertvollste Konzern der Welt. Dell Computers, einst der größte Computerhersteller der Welt, schwächelt hinsichtlich der Umsatzzahlen, eben auch weil Apple mit iPad, iMac und Macbook den Konkurrenten auf dem “regulären” PC-Markt das Wasser abgräbt. Und natürlich Bill Gates. In dessen Schatten Jobs lange Zeit gestanden hatte. Und dessen eigene Vision es war, einen Tablet-PC zu entwickeln. Eine Vision, die ein paar Jahre später dann Jobs umsetzte.

Ein Leben wie ein Traum, mag man denken. Das vielleicht genauso enden musste wie es geendet ist. Weil eben der frühzeitige Krebstod Steve Jobs wohl zu einer noch größeren Legende machen wird, als er ohnehin schon war. Und ist. Und auch wenn Apple sich in jüngster Zeit ob der zunehmend rigiden Firmenpolitik in die Kritik geraten, und Jobs – im Gegensatz zu Bill Gates – nie als selbstloser Wohltäter sonderlich aufgefallen ist, gilt an dieser Stelle für all die Dinge, die er der Welt hinterlassen hat, nur ein ehrliches:

You did a real good job, Mr. Jobs. Thanks for that.

One Response to “Good Job, Mr. Jobs.”

  1. Winston Wolf

    Bist ein wenig zu spät dran, würd ich sagen: http://www.dizrespect.com/?p=4919

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