Es ist seltsam, dass um eine so wichtige Sache wie Geld ein derart großes Geheimnis gemacht wird. Oder hat einem von Euch in der Schule vielleicht ein paar dieser elementaren Zusammenhänge erklärt, die wir hier besprochen haben? Ich mein, man muss ja nicht unbedingt VWL studieren müssen, um etwas über das Geld und seine Funktion erfahren zu wollen. Ebenso wenig wie man Jura studiert haben muss, um von Dingen wie Garantieanspruch oder Gewährleistung schon einmal etwas gehört zu haben. Doch im Gegensatz zu diesen Begriffen, von denen die meisten von uns zumindest eine ungefähre Vorstellung haben, wissen genug Menschen nicht mehr über Geld, als man damit schöne Sachen kaufen kann. Was angesichts der Bedeutung des Geldes tatsächlich seltsam anmutet.

Es ist für mich ein großes Mysterium, warum das so ist. Warum alle über die Griechenlandkrise schwadronieren, gegen die Wall Street demonstrieren und über eine Lösung der Krise räsonieren, so als ob es diese Lösung nicht gäbe. Oder das zugrundeliegende Problem nicht längst erkannt wäre. Stattdessen wird so getan als wäre das alles irgendwie passiert und vielleicht nur, weil ein paar böse Banker zu gierig gewesen sind, und ein paar Griechen Steuern hinterzogen haben. Noch schlimmer sind die Schlüsse, die aus all dem gezogen werden. Da werden verschiedene Dinge miteinander vermischt, sich in Populismus geübt und – am schlimmsten von allem – immer und immer weiter verschleiert, am Thema vorbei geredet, und schön vom Kern des Problems abgelenkt.

Ich könnte jetzt davon anfangen, dass das Problem mit dem Euro, wie es sich derzeit darstellt, nicht in der – unbedingt sinnvollen – europäischen Gemeinschaftswährung begründet liegt, sondern im fehlenden politischen Zusammenhalt und politischen Durchsetzbarkeit der Eurostaaten. Oder – mit Blick auf die entstehende Occupy-Wallstreet-Bewegung – darlegen, dass es nicht fair ist, jetzt einfach die Banker zu verteufeln so als seien sie diejenigen, die allein Schuld sind an dem Schlamassel, in dem sich der Planet befindet. Aber da diese Serie schon viel zu lange läuft, und ich im Verlauf derselben oft genug vom kreuz und quer gesprungen bin, will ich mich heute allein auf das wesentliche konzentrieren. Damit ich hoffentlich in der nächsten Folge endlich zu einem Ende komme.

Ich glaube, es ist mir gelungen, einige einen Einblick zu geben in die Vorgänge auf den Finanzmärkten und wenigstens ein paar erhellende Worte gesagt zu haben, die das Verständnis der Vorgänge auf diesen für uns alle relevanten Märkte zu verbessern. Dennoch wäre die Betrachtung der Finanzmärkte nicht vollständig, wenn ich nicht wenigstens kurz das Geldsystem selbst thematisieren würde, auch wenn ich das auf diesem Blog schon so oft getan habe, dass ich kaum hoffen kann, mich nicht zu wiederholen. Ja, selbst in dieser Serie sind wir bereits kurz bim Thema Geldschöpfung darauf zu sprechen. Und es ist ein Phänomen, ich kann mich da nur wiederholen: Es ist ein echtes Phänomen, dass in der ganzen Banken-Schuldzuweisungslaberei mit Anti-Wall-Street-Protesten und Griechenlandkrisen ein wesentlicher Zusammenhang offenbar weder erkannt noch wenigstens überhaupt einmal zur Sprache kommt.

Wie kann es sein, dass Staaten Geld drucken, das sie an Banken verleihen, um sich danach dasselbe Geld von den Banken – gegen Zinsen! – zurück leihen und sich so verschulden. Zumal der Leitzins – also der von den Banken an die Zentralbank zu zahlenden Zins – so phasenweise so niedrig – in den USA bisweilen bei 0% – dass die Staaten den Banken das Geld regelrecht schenken. Das ist der eigentliche Skandal. Dass dieses System derart hirnrissig konzipiert ist, dass die Staaten förmlich gezwungen sind, sich bei den Banken zu verschulden. Insbesondere, wenn man sich wieder einmal den selbstzerstörerischen Zinsmechanismus in Erinnerung ruft, der automatisch dazu führen muss, dass ein Staat nach dem anderen unter der Last der Schulden zusammenbricht. Brechen muss. Da muss ich brechen, wenn ich daran denke.

Der Witz daran ist, dass alle so tun als wäre das ein immer währendes und gottgewolltes Prinzip, das einfach so ist. Und schlichtweg nicht zu ändern. Inzwischen reden die Reichen davon, mehr Steuern zahlen zu wollen, die Banker davon, Griechenland wenigstens einen Teil der Schulden zu erlassen und einige Politiker schon davon, die Banken zu verstaatlichen. Da mag man ja nicht einmal denken, dass die alle das nur deswegen tun, um dieses schwachsinnig konzipierte System irgendwie am Leben zu erhalten. Doch was helfen all die vermeintlich guten Vorsätze, wenn es am Gesamtzusammenhang nichts ändert. Was sollen denn die paar Milliarden bewirken, die man den Reichen an Steuern zusätzlich abnehmen könnte (wobei die selbst wohl kaum an Milliarden denken werden, wenn sie solche Vorschläge machen)? Und was die paar Milliarden, die man Griechenland jetzt allmählich zu erlassen gedenkt? Mal ganz zu schweigen von der Problematik, die Banken zu verstaatlichen. Oder was Herr Gabriel sich da genau vorstellt.

Wenn ich mit Leuten darüber rede, was eigentlich schief gelaufen ist, so heißt es vielfach: Die Staaten hätten nicht so viele Schulden machen dürfen. Und: Man kann halt nicht mehr ausgeben als man einnimmt. Als wären Staaten mit an marktwirtschaftlich Grundsätzen ausgerichteten Unternehmen zu vergleichen. Doch wie dem auch sei. Ich aber behaupte: Das weltweite Geldsystem hat sich aus den Systemen der Vergangenheit heraus derart falsch entwickelt, dass Zusammenbrüche von Staaten nicht nur nicht vermeidbar sind. Sondern sogar notwendiger Bestandteil des Systems. Weshalb die Situation, in der wir uns seit ein paar Jahren befinden, weder grundsätzlich neu ist, noch überraschen kann. Die einzige Neuerung ist, dass die jetzige Krise so viele Länder in den Abgrund reißen wird, dass es den Planeten nachhaltig und vermutlich für immer verändern wird.

Da bleibt dann nur zu hoffen, dass wir es danach wenigstens richtig machen. Zumindest wenn noch ein paar von uns am Leben sind.

Zum letzten Teil der Serie

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