Märkte sind etwas wunderbares. Da braucht man sich nicht einmal die düsteren Zeiten sozialistischer Planwirtschaft in Erinnerung zu rufen, die zu Recht in den meisten Ländern der Welt inzwischen der Vergangenheit angehören. Nein, über Märkte werden verschiedenste Menschen aller Kontinente miteinander verbunden und schaffen gemeinsam, was ein einzelner niemals alleine auch nur annähernd zustande bringen könnte. Und das ohne sich abzusprechen, ohne in direkten Kontakt zu treten, ja, ohne sich überhaupt zu kennen. Wenn wir in den Supermarkt gehen, liegen dort Regale voller Waren, bunt, reichhaltig, vielfältig, preisgerecht in den meisten Fällen, qualitativ gut, in der Regel, angenehm präsentiert und bequem zu konsumieren, ohne dass auch nur einer von uns darum gebeten hätte. Ich bin jedenfalls nicht in den Discounter meines Vertrauens gegangen und habe den Mitarbeitern dort eine Liste der Dinge überreicht, die ich gerne zu konsumieren hätte. Nein, die Waren, die ich benötige, die sind einfach da. Und wenn es sie nicht an Ort und Stelle gibt, bekomme ich sie sicherlich anderswo. Oder ich bestelle sie einfach und lass sie mir liefern. Na, wie geil ist das denn?!?

Allerdings wird Geschichte von Gewinnern geschrieben, und wenn ich die Vorzüge der Märkte hochpreise, so tue ich das aus einer sehr verwöhnten, ignoranten und selbstgefälligen Position. Denn auf der anderen Seite sind Märkte dafür verantwortlich, dass die Meere leer gefischt werden. Dass die Regenwälder abgeholzt, die Gewässer verdreckt werden. Und Millionen von Menschen zu unwürdigsten Bedingungen für ein paar Cent im Jahr schwerste Arbeiten zu verrichten haben. Auch das ist ein Ergebnis der Existenz von Märkten. Denselben Märkten, die uns die Waren in die, ähem, Super-Märkte liefern.

Nun ist die Frage, ob das so sein muss. Ob man das Wohl nur haben kann, wenn es auf der anderen Seite auch ein Weh gibt. Und da muss ich am Ende dieser Serie sagen: Nein, ich glaube wirklich, das muss nicht sein. Wenn einige wesentliche Punkte beachtet werden.

1. Marktalternativen: Ich denke, es ist unstrittig, dass Märkte grundsätzlich die beste Möglichkeit darstellen, miteinander in Austausch zu bringen. Das beste Angebot, der beste Preis, die beste Qualität. Man erhält sie am ehesten, wenn man die Wahl hat zwischen verschiedenen Alternativen zu wählen. Dennoch kann es Sinn machen, Teile des gesellschaftlichen Zusammenlebens grade nicht den Märkten zu überlassen, sondern staatlichen Institutionen. So würde niemand auf die Idee kommen, zumindest die Landesverteidigung öffentlich auszuschreiben. Oder den Polizeidienst einem privatwirtschaftlichen Unternehmen überlassen. Entsprechend gibt es schlichtweg Bereiche, in denen Märkte nur bedingt von Nutzen sind. Was man – insbesondere bei Fragen der Sozialpolitik – immer im Hinterkopf behalten sollte.

2. Marktversagen: Wir haben es in dieser Serie mehrmals aufgezeigt: Märkte versagen zu oft, als dass man sie per se und grundsätzlich ohne staatliche Intervention sich selbst überlassen darf. Allein das Prinzip der Gewinnmaximierung würde Unternehmen verleiten, den Wettbewerb zu ihren Gunsten zu verzerren, wenn es keine Gesetze gäbe – oder behördliche Auflagen, die die Bevölkerung – oder zumindest die Konsumenten – schützte. Ob Sicherheitsauflagen missachtet, mit Inhaltsstoffen gepanscht oder Industriemüll stillschweigend entsorgt würde – ohne Kontrolle von außen wäre die den Märkten innewohnende Kraft durchaus in der Lage den Planeten zugrunde zu richten. Was ja in gewisser Hinsicht auch passiert.

3. Finanzmärkte: Was wir noch zeigen konnten in dieser Serie ist, dass die meisten Konstrukte der Finanzmärkte aus einem durchaus nachvollziehbaren Grund geschaffen worden sind. Vergleichbar vielleicht mit einer kleinen Schmiede, aus der sich ein multinationaler Großkonzern entwickelt, haben sich Hedgefonds, Banken und Versicherungen, ebenso wie Futures, Swaps und Forward Rate Agreements zu weltenverschlingenden Monstern entwickelt, die das Fortdauern unserer Gesellschaft massiv gefährden. Dass dies so ist, dafür sind erneut die Marktprinzipien verantwortlich, die die Coca-Colas, Daimler Benz und Googles dieser Welt hervorgebracht haben. Entsprechend darf man sich auch nicht beschweren, dass es sie gibt, die Ackermänner dieser Welt, sondern schlicht unter 1. und 2. angeführten Punkte auch auf die Finanzmärkte anwenden. Und ob das dazu führt, dass man bspw. den Derivatehandel verbietet – darüber sollen sich schlauere Leute den Kopf zerbrechen. Allerdings – und das ist hinsichtlich der Finanzmärkte die große Ausnahme – ist das zugrundeliegende, weltweite Geldsystem – namentlich das Prinzip von Zins und Zinseszins – schlichtweg falsch konzipiert. Weshalb es einen Großteil der Probleme gibt, die sich uns heute weltweit stellen.

Und damit muss es dann auch gut sein.

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