Junge, Junge. Ich habe bei dem ganzen Krempel, den ich hier so in der Gegend rumerzähle, oft genug das Gefühl nicht viel mehr zu tun mit dem Geschreibsel, als pure Langeweile zu verbreiten. Weshalb ich mir nicht immer erklären kann, weshalb sich das ganze Gedrösel hier doch immer mal wieder jemand anzusehen scheint. Und warum ich im Umkehrschluss überhaupt darüber schreibe. Ebenso wenig wie ich mir erklären kann, warum ich so einen verqueren Einstieg in diesen Artikel gewählt habe. Naja, quod erat demonstrandum. Oder war es doch errare humanum est? Jedenfalls… bevor ich mit meinen kaum vorhandenen Lateinkenntnissen zu protzen beginne, will ich kurz die Brücke schlagen zu dem Anliegen, das mich verleitete diesen Artikel zu schreiben.

Ich sehe mich nämlich leider genötigt wieder einmal zum Finanzsystem Stellung zu nehmen, obwohl ich gehofft hatte, mit meiner eben erst abgeschlossenen Serie die Sache erst einmal auf sich beruhen lassen und endlich die Wertedebatte in Gang setzen zu dürfen, was mir ein echtes Anliegen wäre. Und nachdem ich nun vermutlich den letzten geneigten Leser mit meinem langweiligen Eingeleite vergrault habe, möchte ich doch kurz drei Dinge klarstellen, die in der derzeit allerorts geführten Diskussion über das Finanz- und Geldsystem immer wieder zu Missverständnissen führen. Und da wir das meiste davon schon längst und unlängst besprochen haben, fasse ich mich so kurz wie möglich. Damit mir beim Schreiben nicht am Ende selbst noch die Finger einschlafen.

1. Geldschöpfung und Zins
Ich denke, es lohnt die Diskussion nicht, dass sowohl Geldschöpfung als auch Zins- und Zinseszinsmechanismus die nominale Geldmenge erhöht. Fraglich ist hingegen womöglich, welcher Effekt für das Finanzsystem problematischer ist. Ich persönlich halte den Zinseszinsmechanismus für bei weitem dramatischer aus zweierlei Gründen. Zum einen nimmt, bedingt durch die Mindesterserveverpflichtung, die durch die Geldschöpfung anwachsende Geldmenge mit jeder getätigten Transaktion ab und endet schließlich irgendwann, während aus dem Zinseszinseffekt eine exponentielle verlaufende Wachstumkurve resultiert. Auch wenn ich, worauf mich gestern erst ein Artikel aufmerksam gemacht hat, der von der EZB erhobene Mindestreservesatz von 2% für skandalös und nicht zweckdienlich erachte. Zum anderen bin ich mir – derlei sind einfach schrecklich komplex – nicht so ganz sicher, ob das Prinzip der Geldschöpfung nicht eine direkte Folge unseres durch den Zins determinierten Geldsystems ist, schlicht, weil in einem freiwirtschaftlichen System vermutlich nur eben soviel Geld geschaffen würde, wie tatsächlich benötigt wird.

2. Geld ist keine Ware
Ich kann es nur immer wieder betonen: Den entscheidenden Denkfehler, der gemacht wird ist der, dass Geld als Ware angesehen wird. Die Argumentation dabei erscheint gradezu zwingend plausibel: Warum darf ich ein Auto verleihen und eine Gebühr dafür erheben, aber kein solche Gebühr, also Zins, wenn ich dasselbe mit meinem Geld mache. Nun, das Problem an dieser Denkweise ist: Das Geld ist nicht das Auto. Das Geld ist die Straße, auf der das Auto fährt. Und ebenso wenig wie ich die Straße als Privatperson exklusiv nutzen kann oder gar eine Gebühr für deren Nutzung erheben dürfte (was wohl den Sinn einer Straße pervertieren würde) darf ich mit dem Geld verfahren. Wobei ich mir im Klaren bin, dass dieser Gedanke hinlänglich schwer zu begreifen ist. Schließlich handelt es sich dabei um einen Paradigmenwechsel, der entsprechend den Denkprinzipien, in denen wir leben und aufgewachsen sind, fundamental widerspricht. Allerdings sehen wir es heutzutage auch als gegeben an, dass die Erde eine Kugel ist. Was ziemlich schwer sein dürfte zu begreifen, wenn man sie bis dahin als Scheibe begriffen hat.

3. Der spieltheoretische Aspekt der Zinseszinsproblematik
Ich kann es, ehrlich gestanden, schon nicht mehr hören. Jaja, die Zinskurve verläuft exponentiell, die Forderungen steigen entsprechend ebenso wie die Schulden, Folge: systemimmanente Überschuldung, systemimmanente Zusammenbrüche. Laber, laber, laber. Und wenn man dagegen einen Negativzins einführte, würde das nicht nur diesen Effekt beenden, sondern auch den Kapitalumschlag erhöhen. Umlaufgesichertes Geld und so weiter. Schnarch. Was nämlich der alles entscheidende Vorteil eines freiwirtschaftlichen Geldsystems wäre, wäre die systemimmanente Notwendigkeit zu langfristigem Denken und Handeln. Und weil ich das hier schon echt ausführlich durchgekaut habe nur soviel: Im jetzigen System sind – zinsbedingt – heutige Einnahmen mehr wert als zukünftige. Kehrte man dieses Prinzip um, wären zukünftige Einnahmen automatisch mehr wert als heutige. Mit entsprechenden Konsequenzen für unser aller Denken und Handeln. Und so weiter.

Wie ich schon sagte, will ich eigentlich eine Wertedebatte beginnen, weil das ein ebenfalls ziemlich gravierendes Problem ist, was es zu lösen gilt. Allerdings finde ich keinen so rechten Ansatz dafür. Wenn also jemand einen Beleg für die These hat: Klischees sind Klischees, weil sie wahr sind, dann wäre es schön, wenn sich mal einer melden würde.

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