Es gibt etwas, das mir seit 2 Jahren auf der Seele liegt und auf den Magen schlägt. Kein Wunder, es hat mit Geld zu tun. Und mit dem Staat. Einige ahnen vielleicht, wohin diese Kombination führt: Finanzamt. Doch wie ich feststellen musste, nicht nur dahin. Alles ist vernetzt, alles ist global, alles ist abhängig. Und einer gewissen Abhängigkeit will ich mich nicht hingeben, nämlich der des Bankkredits.

Ich habe schon in meinem Studium lange gezögert, bis ich irgendwann doch aus finanzieller Not das Bafög beantragt habe. Ich will gar nicht davon sprechen, dass meine Bezugszeit um die Zeit verkürzt wurde, ich der ich es hätte haben können, es aber nicht wahr genommen hatte, auch wenn ich das an sich für eine seltsame Logik erachte. Aber um das Bildungsfördergeld soll es hier nicht gehen. Es geht um Steuern. Genauer, um Steuernachzahlungen. Diese hatte ich zu leisten, weil ich neben meinem Angestelltenjob mit direkt abgeführter Lohnsteuer als Freischaffende im Jahr zusätzlich 2000 Euro  verdient habe. Das ist aufs Jahr gerechnet NIX. Meine beiden Einkünfte werden jedoch zusammen gerechnet und ergeben somit eine Summe, für die ein höherer Steuersatz fällig ist, als wenn man meinen Lohn und meine Honorar unabhängig voneinander versteuern würde. Nun bleibt von 2000 Euro ja nicht viel übrig, und der laufende Lohn reicht für die laufenden Kosten, mehr aber nicht. Innerhalb von 2 Monaten soll ich nun knapp 200 Euro nachzahlen und 400 Euro voraus zahlen. Das macht 600 Euro. Innerhalb von 2 Monaten. Woher nehmen? Was tun? Man richtet sich zuerst an das Finanzamt und bittet entweder um Aufschub oder um Ratenzahlung.

Und das wird einem ja auch eventuell genehmigt, wenn man man seine finanzielle Lage darstellt und WENN MAN NACHWEIST, DASS MAN KEINEN KREDIT BEKOMMT. Und da wurde ich stutzig, um nicht zu sagen sauer. Ich verstehe ja, dass ich nach geltendem Recht in der Schuld des Staates stehe, und diese Schuld zu begleichen ist, schließlich muss der Staat ja auch kalkulieren. ABER: Verstehe ich das richtig, dass der Staat mich nun dazu treibt, oder gar von mir verlangt, mich bei Bankinstituten zu verschulden (mit Zinsen), um meine „Schulden“ beim Staat zu bezahlen? Waren  Staat und Wirtschaft nicht mal getrennt? (Gut, dass sie es nicht sind, wissen wir ja leider alle spätestens seit dem Rettungsschirm für die Banken! Ber diese Praxis scheint es länger zu geben:). Es gibt hier zwei Möglichkeiten: entweder ich verschulde mich bei einer Privatbank und muss Zinsen zahlen, die mich noch mehr in die Schuldenfalle treiben (oder kann ich die etwa von der Steuer absetzen?), was bedeutet, dass der Staat mich dazu zwingt, mich in den Strudel der Bankenwirtschaft zu begeben, die in den letzten Jahren für eine weltweite Krise gesorgt hat durch Menschen, Firmen, Staaten, die die Kredite nicht zurückzahlen konnten (und auf dem Wege sähe ich mich auch in Anbetracht meiner finanziellen Lage). Es könnte auch heißen, ich solle mich nicht bei der Privatwirtschaft, sondern bei den Landesbanken verschulden, aber dann würde ich mich ja beim Staat verschulden, um meine Schulden beim Staat zu begleichen. Hä?!

Sehen wir mal vom geltenden Steuerrecht ab, das ich als ungerecht betrachte – wie kann es sein, dass ein staatliches Amt mich dazu zwingt, mich bei einem Kreditinstitut zu verschulden mit zusätzlichen Schulden (Zins), die ich nicht bezahlen kann – sonst würde ich ja nicht um Aufschub oder Ratenzahlung bitten. Wie kann es sein, dass die demokratisch gewählte Regierung, die dem Volk zumindest in der Theorie (wie wir wissen, sieht es mit der Praxis durchaus mal anders aus) dienen soll von mir verlangt, meine Steuernachzahlung dadurch zu finanzieren, dass ich mich mit zusätzlicher Last bei den Banken verschulde?! Ich bin ja durchaus bereit, die Steuern zu zahlen, warum kann ich es nicht in zinslosen Raten abzahlen, wenn ich die finanziellen Mittel nicht habe, ohne zusätzliche Schulden zu machen?! Ich erachte das nicht nur als  paradox, sondern auch illegal, sollte der Staat doch von der Privatwirtschaft unabhängig sein. Dass er es nicht ist, haben wir ja leider in den letzten Jahren zugenüge gesehen. What a shame!

One Response to “Leih oder stirb”

  1. Vielen Dank für die offene Darstellung und die erhellenden Einblicke.

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