Liebe Finanzindustrie, hoch verehrte Banker,

ich melde mich nach langer Zeit zum ersten Mal wieder, weil ich es nicht länger ertragen kann, wie auf Ihnen herumgetrampelt wird. Fast scheint es mir gar, dass Sie an all dem, was seit Jahren inzwischen durch die Presse geistert, Schuld sein sollen. Damit aber wird Ihnen – und ich sage das aus tiefster Überzeugung – wahrlich Unrecht getan. Denn bei all dem Gezeter über Finanzderivate und Staatsschulden wird einfach übersehen, was sie für unser Land im speziellen und für den gesamten Planeten im allgemeinen geschaffen haben.

Es ist doch eine nicht auszulöschende Tatsache, dass das durch das Geldsystem geschaffene Geld nirgendwo geparkt werden könnte, wenn Sie nicht auf diese unglaublich pfiffige Idee mit den Finanzmärkten überhaupt erst gekommen wären. Teufel, das haben sie wirklich bravourös erledigt. Und dann zugleich die Menschen glauben zu machen, dass diese Finanzmärkte zu etwas anderen nützlich wären als all das überflüssige Geld aufzunehmen. Meine Herren, davor ziehe ich meinen Hut. Denn gäbe es sie nicht, diese vielfach und wahrlich zu Unrecht gescholtenen Finanzkonstrukte, man könnte vermutlich der Inflation beim explodieren zusehen.

Oder anders ausgedrückt: Flössen all die aus dem Nichts geschaffenen Melonen tatsächlich und vollständig in die reale Wirtschaft, würde ein Brot inzwischen längst Milliarden von Euro kosten müssen und die Frage offenbleiben, ob die Welt nicht bereits den vielzitierten Bach runtergegangen wäre. Da es zweifellos Ihr Verdienst ist, sich um diese so wichtige Sache bemüht zu haben, und – mit Einsatz all Ihrer Kraft – sowohl all die nichtwissenden Politiker als auch das als gemein verunglimpfte Volk von der Richtigkeit Ihrer Ideen überzeugt haben, gebührt Ihnen an dieser Stelle mein hochgeschätzter, vor lauter Demut viel zu mickrig geratener Dank, verbunden mit der Hoffnung, dass Sie sich auch weiterhin so sehr um unseren Wohlstand, unsere Gesellschaft, ja, um unseren gesamten Planeten so hingebungsvoll kümmern wie bisher.

Mit besten Grüßen verbleibend,

Simon Boulevard

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