Jun 11

Priming

Posted by me in Hain des Plato

Es gibt einen psychologischen Test, der geht folgendermaßen:

Aufgabe: Bilden Sie aus den folgenden Sätzen vernünftige Sätze und ergänzen sie ggfs. fehlende Worte.

1. besorgt sie immer um ihn

2. Schuh geben reparieren alt der

3. geht Park er einsam in

4. Himmel grau nahtlos ist der

5. sich zurückziehen sollte er vergesslich

6. …

Natürlich wurde bei diesem Test nicht das sprachliche Vermögen der Probanden abgefragt, sondern ihr Unterbewusstsein wurde dazu gebracht, sich mit dem Thema Alter auseinanderzusetzen – mit Worten wie “besorgt”, “alt”, “einsam”, “grau”, “vergesslich”. Entsprechend schlurften die Testpersonen nach Abschluss des Tests wie alte Männer von dannen.

In einem anderen Test wurde das Unterbewusstsein auf Worte wie “respektieren”, “geduldig”, “nachgeben” und “höflich” gelenkt und die Probanden am Ende des Tests gebeten, den Fragebogen im Büro des Testleiters abzugeben. Allerdings war das Experiment so konzipiert, dass der Testleiter sich mit jemand anderen unterhielt, die zusätzlich noch in der Tür stand und den Weg versperrte. Es sollte nun geprüft werden, wie lange es dauerte, bis die Testpersonen das Gespräch unterbrachen. Das Experiment zeigte, dass 82 % der Probanden das Gespräch überhaupt nicht unterbrachen, bevor das Gespräch nach 10 Minuten abgebrochen wurde. Vermutlich hätten sie eine Stunde im Gang gewartet, mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht.

Das Beschriebene Phänomen nennt man Priming. Was übersetzt werden kann mit Lenkung oder Einstimmung. Es kann einen bspw. nicht dazu bringen, Geschichten aus seiner Kindheit zu erzählen mit Begriffen wie “Teddybär” oder “Fläschchen”. Doch es bringt erstaunliche Resultate hervor.

So konnten zwei niederländische Psychologen zeigen, dass sich eine Gruppe von Testpersonen nur fünf Minuten darüber Gedanken machen musste, wie es wäre Professor zu sein, um bei einem Wissenstest signifikant besser abzuschneiden als die Kontrollgruppe, die sich Gedanken über Fußballrowdys machen sollte. (55,6 % zu 42,6 % richtige Antworten)

Oder die beiden Psychologen der Stanford University, die schwarzen Studenten einen standardisierten Eingangstest für US-Universitäten vorlegten, indem zusätzlich darum gebeten wurde, ihre Rassenzugehörigkeit anzugeben, was scheinbar dazu führte, dass sich die Probanden unterbewusst an die hinlänglich bekannten Vorurteile über Schwarze und akademische Leistung erinnerten: Sie beantworteten nur halb so viele Fragen richtig wie die Kontrollgruppe, der die “Rassenfrage” nicht gestellt wurde.

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Literatur: Malcolm Gladwell: Blink! Die Macht des Moments. Piper Verlag, München 2007.

2 Responses to “Priming”

  1. [...] Artikel über Priming hat bereits angedeutet, dass Dinge, die jeder von uns über sich selbst zu wissen glaubt, [...]

  2. [...] haben gesehen, dass wir uns von unterschwelligen Botschaften steuern lassen, und dass auch gesellschaftliche oder kulturelle Vorurteile unbewusst unser Verhalten beeinflussen. [...]

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