Liebe Finanzindustrie, hoch verehrte Banker,

ich melde mich nach langer Zeit zum ersten Mal wieder, weil ich es nicht länger ertragen kann, wie auf Ihnen herumgetrampelt wird. Fast scheint es mir gar, dass Sie an all dem, was seit Jahren inzwischen durch die Presse geistert, Schuld sein sollen. Damit aber wird Ihnen – und ich sage das aus tiefster Überzeugung – wahrlich Unrecht getan. Denn bei all dem Gezeter über Finanzderivate und Staatsschulden wird einfach übersehen, was sie für unser Land im speziellen und für den gesamten Planeten im allgemeinen geschaffen haben.

Es ist doch eine nicht auszulöschende Tatsache, dass das durch das Geldsystem geschaffene Geld nirgendwo geparkt werden könnte, wenn Sie nicht auf diese unglaublich pfiffige Idee mit den Finanzmärkten überhaupt erst gekommen wären. Teufel, das haben sie wirklich bravourös erledigt. Und dann zugleich die Menschen glauben zu machen, dass diese Finanzmärkte zu etwas anderen nützlich wären als all das überflüssige Geld aufzunehmen. Meine Herren, davor ziehe ich meinen Hut. Denn gäbe es sie nicht, diese vielfach und wahrlich zu Unrecht gescholtenen Finanzkonstrukte, man könnte vermutlich der Inflation beim explodieren zusehen.

Oder anders ausgedrückt: Flössen all die aus dem Nichts geschaffenen Melonen tatsächlich und vollständig in die reale Wirtschaft, würde ein Brot inzwischen längst Milliarden von Euro kosten müssen und die Frage offenbleiben, ob die Welt nicht bereits den vielzitierten Bach runtergegangen wäre. Da es zweifellos Ihr Verdienst ist, sich um diese so wichtige Sache bemüht zu haben, und – mit Einsatz all Ihrer Kraft – sowohl all die nichtwissenden Politiker als auch das als gemein verunglimpfte Volk von der Richtigkeit Ihrer Ideen überzeugt haben, gebührt Ihnen an dieser Stelle mein hochgeschätzter, vor lauter Demut viel zu mickrig geratener Dank, verbunden mit der Hoffnung, dass Sie sich auch weiterhin so sehr um unseren Wohlstand, unsere Gesellschaft, ja, um unseren gesamten Planeten so hingebungsvoll kümmern wie bisher.

Mit besten Grüßen verbleibend,

Simon Boulevard

Nov 13

Es wird warm im Winter

Posted by Winston Wolf in Kniffe des Lebens

Video der Woche (41): Get On Your Snuggie

Alle Menschen sind klug.
Die einen vorher. Die anderen hinterher.
Chinesisches Sprichwort

Ich kann mich gar nicht entscheiden, ob mich die Entwicklung, die die Occupy-Bewegung nimmt, eher langweilen oder einfach nur deprimieren soll. Langweilen tut sie mich ohne Frage, denn auch wenn die dort versammelte Gemeinschaft sich immer wieder recht putzige Aktionen überlegt und etwa symbolisch die “Banken in die Schranken” weist, ist damit nur wieder einmal der allgemeine Unmut bekundet worden, dass “das System” nicht gerecht ist. Irgendwie. Und überhaupt wäre es schon schön, “Großbanken zu zerschlagen” und “Reichtum umzuverteilen” Hauptsache, dass sich “was ändert“, weil es das schließlich muss. Da ist es natürlich auch wichtig, dass man gleich gegen alles demonstriert, was einen so offensichtlich stört an dem System und der Welt als solcher: Atomkraft natürlich. Afghanistankrieg – ja, wie kommen wir denn überhaupt da hin? Und Kinderarbeit selbstredend. Armut sowieso. Nicht zu vergessen dringend zu klärende Detailfragen wie etwa die Einführung eines Betriebsrats bei Lidl oder die Arbeitsbedingungen in irgendwelchen afrikanischen Uranminen. Herrje. Und weil man selber nicht so richtig weiß wie das alles gehen soll und warum das überhaupt so ist, ist zumindest klar, was all dem Abhilfe schaffen würde, weshalb – neben dem bereits Zitierten – vor allem “Echte Demokratie” gefordert wird. Und zwar jetzt. Sofort. Und überhaupt.

Nun ja, da ich mich ohnehin grade mit Klischees beschäftige, tut es insofern ganz gut zu sehen, wie stereotyp dieses Verhalten ist. Wie überraschungsarm. Und unglaublich vorhersehbar. Und ich würde ne Wette drauf abschließen, dass sich unter den AKW-Demonstranten und Stuttgart21-Gegnern sicher auch ein paar befunden haben, die wahlweise auch gleich gegen die Banken demonstriert haben. Und das System. Sowieso. Und überhaupt. Es scheint fast eine Art Herdenverhalten der Linken zu geben, sich bei jeder als irgendwie ungerecht empfundenen Situation zusammenzurotten, darüber zu schwadronieren und mit bisweilen sogar ziemlich witzigen Aktionen den eigenen Unmut zu bekunden. Auch wenn sich einem Außenstehenden nicht wirklich der Sinn erschließt, was damit bezweckt werden soll. Ich vermute ja insgeheim, damit man sich am Ende entschuldigend auf die Schultern klopfen und gegenseitig versichern kann: Wir haben es ja gleich gesagt. Denn angesichts der Tatsache, dass die aus der Anti-AKW-Bewegung hervorgegangen zwischenzeitlich gar an der Regierung beteiligte Partei es den Konservativen – und damit quasi den Gegnern – überließ, die Meiler mit und mit vom Netz zu nehmen. Ist von ein paar Demonstrationen und Auseinandersetzungen mit der Polizei abgesehen bei all dem linken Gehabe der letzten 30 Jahre nicht viel rausgekommen. Zumindest nichts Offensichtliches. Und das ist, was mich an der Bewegung so deprimiert. Dass sich offenbar stereotype Verhaltensmuster auf die – landläufig Occupy bezeichnete – Bewegung übertragen so als ginge es darum, die Abschaltung des nächsten AKW in Angriff zu nehmen. Oder gegen irgendeinen Bahnhof zu demonstrieren. Obwohl das mitnichten der Fall ist.

Die Probleme, die die Occupy anspricht, sind ernst. Und sie betreffen einen Großteil der Menschen. Wenn nicht uns alle. Und es ist schade, dass innerhalb der  Bewegung offenbar so wenig Anstalten gemacht werden, etwas Konkreteres zu tun als ein paar nette Schilder zu malen und ein paar kesse Sprüche draufzupinseln, sich als Banker zu verkleiden und mit Monoly-Geld um sich zu schmeißen, um irgendwen auf irgendetwas hinzuweisen. Die Bewegung demonstriert für mich damit lediglich, dass die sie tragenden Menschen ihrer selbst angemahnten Verantwortung nicht gerecht werden und sich vielmehr darin gefallen, Symbolisches zu tun, denn konkrete Lösungen zu gestalten. Womit eine große Chance vertan werden dürfte. Einmal etwas zu verändern. Bevor es dann schließlich knallt. So geschehen nach Fukushima. Allen Demonstrationen zum Trotz.

Nov 06

Von Schlangen und Banken

Posted by Winston Wolf in Wort - Bild - Ton

Video der Woche (40): (Hier bitte allgemeine Aussagen über Banken einfügen)

Auf webwiki.de ist folgender Eintrag zu finden:

Also ehrlich. Treffender kann man es nicht umschreiben.

Es gibt etwas, das mir seit 2 Jahren auf der Seele liegt und auf den Magen schlägt. Kein Wunder, es hat mit Geld zu tun. Und mit dem Staat. Einige ahnen vielleicht, wohin diese Kombination führt: Finanzamt. Doch wie ich feststellen musste, nicht nur dahin. Alles ist vernetzt, alles ist global, alles ist abhängig. Und einer gewissen Abhängigkeit will ich mich nicht hingeben, nämlich der des Bankkredits.

Ich habe schon in meinem Studium lange gezögert, bis ich irgendwann doch aus finanzieller Not das Bafög beantragt habe. Ich will gar nicht davon sprechen, dass meine Bezugszeit um die Zeit verkürzt wurde, ich der ich es hätte haben können, es aber nicht wahr genommen hatte, auch wenn ich das an sich für eine seltsame Logik erachte. Aber um das Bildungsfördergeld soll es hier nicht gehen. Es geht um Steuern. Genauer, um Steuernachzahlungen. Diese hatte ich zu leisten, weil ich neben meinem Angestelltenjob mit direkt abgeführter Lohnsteuer als Freischaffende im Jahr zusätzlich 2000 Euro  verdient habe. Das ist aufs Jahr gerechnet NIX. Meine beiden Einkünfte werden jedoch zusammen gerechnet und ergeben somit eine Summe, für die ein höherer Steuersatz fällig ist, als wenn man meinen Lohn und meine Honorar unabhängig voneinander versteuern würde. Nun bleibt von 2000 Euro ja nicht viel übrig, und der laufende Lohn reicht für die laufenden Kosten, mehr aber nicht. Innerhalb von 2 Monaten soll ich nun knapp 200 Euro nachzahlen und 400 Euro voraus zahlen. Das macht 600 Euro. Innerhalb von 2 Monaten. Woher nehmen? Was tun? Man richtet sich zuerst an das Finanzamt und bittet entweder um Aufschub oder um Ratenzahlung.

Und das wird einem ja auch eventuell genehmigt, wenn man man seine finanzielle Lage darstellt und WENN MAN NACHWEIST, DASS MAN KEINEN KREDIT BEKOMMT. Und da wurde ich stutzig, um nicht zu sagen sauer. Ich verstehe ja, dass ich nach geltendem Recht in der Schuld des Staates stehe, und diese Schuld zu begleichen ist, schließlich muss der Staat ja auch kalkulieren. ABER: Verstehe ich das richtig, dass der Staat mich nun dazu treibt, oder gar von mir verlangt, mich bei Bankinstituten zu verschulden (mit Zinsen), um meine „Schulden“ beim Staat zu bezahlen? Waren  Staat und Wirtschaft nicht mal getrennt? (Gut, dass sie es nicht sind, wissen wir ja leider alle spätestens seit dem Rettungsschirm für die Banken! Ber diese Praxis scheint es länger zu geben:). Es gibt hier zwei Möglichkeiten: entweder ich verschulde mich bei einer Privatbank und muss Zinsen zahlen, die mich noch mehr in die Schuldenfalle treiben (oder kann ich die etwa von der Steuer absetzen?), was bedeutet, dass der Staat mich dazu zwingt, mich in den Strudel der Bankenwirtschaft zu begeben, die in den letzten Jahren für eine weltweite Krise gesorgt hat durch Menschen, Firmen, Staaten, die die Kredite nicht zurückzahlen konnten (und auf dem Wege sähe ich mich auch in Anbetracht meiner finanziellen Lage). Es könnte auch heißen, ich solle mich nicht bei der Privatwirtschaft, sondern bei den Landesbanken verschulden, aber dann würde ich mich ja beim Staat verschulden, um meine Schulden beim Staat zu begleichen. Hä?!

Sehen wir mal vom geltenden Steuerrecht ab, das ich als ungerecht betrachte – wie kann es sein, dass ein staatliches Amt mich dazu zwingt, mich bei einem Kreditinstitut zu verschulden mit zusätzlichen Schulden (Zins), die ich nicht bezahlen kann – sonst würde ich ja nicht um Aufschub oder Ratenzahlung bitten. Wie kann es sein, dass die demokratisch gewählte Regierung, die dem Volk zumindest in der Theorie (wie wir wissen, sieht es mit der Praxis durchaus mal anders aus) dienen soll von mir verlangt, meine Steuernachzahlung dadurch zu finanzieren, dass ich mich mit zusätzlicher Last bei den Banken verschulde?! Ich bin ja durchaus bereit, die Steuern zu zahlen, warum kann ich es nicht in zinslosen Raten abzahlen, wenn ich die finanziellen Mittel nicht habe, ohne zusätzliche Schulden zu machen?! Ich erachte das nicht nur als  paradox, sondern auch illegal, sollte der Staat doch von der Privatwirtschaft unabhängig sein. Dass er es nicht ist, haben wir ja leider in den letzten Jahren zugenüge gesehen. What a shame!

Wir hatten es ja kurz erwähnt, dass in Oakland einer der Demonstranten ernsthaft von der Polizei verletzt worden ist. Entsprechend war zu erwarten, dass sich zumindest der Oakland-Arm der Occupy-Bewegung radikalisierte und zunächst zum Generalstreik aufrief, dann, in der vergangenen Nacht, Oaklands Hafenanlagen blockierten und so den Betrieb des wichtigsten Umschlagplatzes der US-Westküste praktisch zum Erliegen brachte. Was insofern einem Pyrrhussieg gleichkommen dürfte, als die bis dato mehr oder minder friedliche Bewegung nun einen ersten Anlass gibt, notfalls mit Gewalt gegen sie vorzugehen.

Damit zeigt sich aber auch gleich das Dilemma, das diese offenbar weltweit Anklang findende Bewegung hat. Selbst wenn man ihr unterstellte, dass sie inhaltlich mehr zu bieten hat als nur eine unbestimmte Ahnung, dass unser Geldsystem schlicht ungerecht ist, und sich irgendwas irgendwie ändern sollte. Und zwar am besten sofort. Und überhaupt. Denn selbst wenn ein gewisser Konsens erzielt werden würde, was denn genau geändert werden müsste, bliebe immer noch die Frage, wie diese Änderungen – oder nennen wir sie doch besser: Umwälzungen – überhaupt zu erreichen wären. Zumal mit den von der Bewegung gern zitierten 1% eben jene Gesellschaftsschicht gemeint ist, die wesentlichen Einfluss hat auf die herrschende Ordnung. Und sicherlich nicht viel Interesse zeigen wird, ebendiese Ordnung über den Haufen zu werfen.

Was also soll man tun? Wenn man nicht unbedingt Hafenanlagen besetzen will? Forderungen erheben? Demonstrieren bis der Arzt kommt? Ausharren und auf bessere Zeiten hoffen? Oder gar auf Einsicht? Im Moment befeuert sich die Bewegung möglicherweise noch durch eine gefühlte weltweite Verbundenheit. Durch das Wissen womöglich, dass man im Recht ist. Irgendwie zumindest. Dass es so nicht weitergehen kann. Auch wenn vielleicht niemand so richtig weiß wohin es denn eigentlich gehen soll. Na ja, vielleicht hilft es ja, wenn wir Griechenland aus der Euro-Zone schmeißen. Oder die Tea-Party-Bewegung den nächsten Präsidenten stellt.

Ich bin dazu gefragt und nach meiner Antwort gebeten worden, das Gesagte noch einmal zu skizzieren. Weshalb ich nun kurz darlegen will, wie das japanische Fureai Kippu ein wesentlicher Baustein sein könnte, das bestehende System allmählich in das neue System zu überführen. Weil ich mir ziemlich sicher bin, dass nur wenige Wirrköpfe ein ernsthaftes Interesse an einem -wahlweise gar gewaltsamen – Umsturz haben. Auch wenn ein paar tausend Verzweifelte in ihrer Hilflosigkeit schon mal ne Hafenanlage besetzen. Oder Tottenham in Schutt und Asche legen.

Das japanische System Fureai Kippu ist denkbar einfach: Die jüngere Generation sorgt sich um die ältere Generation und bekommt im Gegenzug die geleisteten Stunden gutgeschrieben. Wenn die jüngere Generation dann selbst alt wird oder krank oder deren Eltern, können die geleisteten Stunden beansprucht werden, und jemand anderes kommt und kümmert sich um einen. Dieser Gedanke besticht durch seine schlichte Eleganz. Und zwar nicht, weil sich die Jungen um die Alten kümmern, was notwendigerweise überall auf der Welt geschieht. Sondern weil durch die Verrechnung der geleisteten Arbeit de facto eine Währung geschaffen wird.

Betrachtet man sich die lange Liste der allein in Deutschland existieren Regionalgeld-Initiativen, so wird schnell klar, dass die Idee von umlaufgesichertem Geld vielerorts unterstützt wird. Nimmt man nun noch die ebenso zahlreich vorhandenen Tauschringe hinzu, stellt sich fast schon die Frage, warum nicht mehr Leute längst etwas wissen über Freigeld & Co. Oder grade erst beginnen, sich dafür zu interessieren. Nun , wenn mir die Vermutung gestattet sei: ich glaube, es liegt vor allem daran, dass es sich um mehr oder minder gut funktionierende Experimente von bestimmten Personenkreisen handelt, die letztendlich unter sich bleiben und von weiten Teilen der Bevölkerung – wenn überhaupt – als spinnerte Exoten wahrgenommen werden. Oder anders ausgedrückt: Die Sache mit dem Regiogeld ist schlichtweg unsexy. Von Tauschringen ganz zu schweigen. Man muss sich nur mal die Namen einiger Initiativen ansehen: Allgäuer, Chiemgauer, Freitaler, Rhein-Neckar-Mark, Zschopautaler. Das klingt ja schon wie ein versammelter Heimatfilm.

Das aber macht es für Außenstehende, allenfalls am Rande Interessierte nicht unbedingt leicht, sich für eine solche Idee zu begeistern. Zumal die Bereitschaft, sich überhaupt in solchen Vereinigungen zu engagieren, generell nicht sehr hoch sein dürfte. Zumal der regionale Charakter all dieser Projekte eine überregionale Einbindung erschwert wenn nicht schier undurchführbar macht. Diese Nachteile würden durch das Fureai Kippu-System zumindest teilweise beseitigt, auch wenn das finale Ziel der Schaffung einer einheitlichen, mit einem negativen Zins belasteten Währung für einen Moment vernachlässigt würde. Dagegen hätte die Idee des Fureai Kippu den entscheidenden Vorteil, dass es eben nicht um Geld und all dieses langweilige Zinsgelaber ginge, sondern vornehmlich um die Beschäftigung mit und Hilfestellung für Hilfebedürftige. Was für viele möglicherweise ein Anreiz sein könnte, sich entsprechend zu engagieren.

Folgendes Szenario wäre durchaus vorstellbar:

1. Nach Klärung wesentlicher Fragen, die in Zusammenhang mit der Schaffung einer Währung zu stellen sind (und die insbesondere fiskalische und organisatorische Probleme betreffen) könnten ohne überladene Organisationsstrukturen ortsunabhängige Hilfsprojekte ins Leben gerufen werden, wie wir es im Rahmen des PAL-Projektes bereits gezeigt haben.

2.  Wären diese Strukturen etabliert, ließen sich grade die Tauschringe gut in das System integrieren mit dem Ziel, Dienstleistungen irgendwann generell mithilfe dieser Währung anzurechnen. Entsprechend wäre vorstellbar, einen Teil des Geldes, das man für Kino- oder Friseurbesuche zu bezahlen hätte, in der Komplementärwährung bezahlt werden könnte.

3. Im dritten – zugegebenermaßen im Moment ziemlich gewagten Schritt – ließe sich durchaus vorstellen, die Realwährung zur Komplementärwährung konvertierbar zu machen. Und Leuten die Wahl zu lassen, ob sie in der einen Währungszone oder in der anderen arbeiten wollen. Oder sogar in beiden.

Ich will nicht alle sich daraus wieder ergebenen Konsequenzen an dieser Stellen erörtern. Es wäre ja auch vorstellbar, dass man über einen solchen Weg wenigstens mal diskutiert. Für die Occupy-Bewegung könnte durch das japanische System vielleicht wirklich eine Möglichkeit ergeben, der Welt zu zeigen wie einfach es sein kann.

Die Welt zu verändern.

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Literatur: Bernard A. Lietaer: Das Geld der Zukunft, Riemann Verlag 2002

Junge, Junge. Ich habe bei dem ganzen Krempel, den ich hier so in der Gegend rumerzähle, oft genug das Gefühl nicht viel mehr zu tun mit dem Geschreibsel, als pure Langeweile zu verbreiten. Weshalb ich mir nicht immer erklären kann, weshalb sich das ganze Gedrösel hier doch immer mal wieder jemand anzusehen scheint. Und warum ich im Umkehrschluss überhaupt darüber schreibe. Ebenso wenig wie ich mir erklären kann, warum ich so einen verqueren Einstieg in diesen Artikel gewählt habe. Naja, quod erat demonstrandum. Oder war es doch errare humanum est? Jedenfalls… bevor ich mit meinen kaum vorhandenen Lateinkenntnissen zu protzen beginne, will ich kurz die Brücke schlagen zu dem Anliegen, das mich verleitete diesen Artikel zu schreiben.

Ich sehe mich nämlich leider genötigt wieder einmal zum Finanzsystem Stellung zu nehmen, obwohl ich gehofft hatte, mit meiner eben erst abgeschlossenen Serie die Sache erst einmal auf sich beruhen lassen und endlich die Wertedebatte in Gang setzen zu dürfen, was mir ein echtes Anliegen wäre. Und nachdem ich nun vermutlich den letzten geneigten Leser mit meinem langweiligen Eingeleite vergrault habe, möchte ich doch kurz drei Dinge klarstellen, die in der derzeit allerorts geführten Diskussion über das Finanz- und Geldsystem immer wieder zu Missverständnissen führen. Und da wir das meiste davon schon längst und unlängst besprochen haben, fasse ich mich so kurz wie möglich. Damit mir beim Schreiben nicht am Ende selbst noch die Finger einschlafen.

1. Geldschöpfung und Zins
Ich denke, es lohnt die Diskussion nicht, dass sowohl Geldschöpfung als auch Zins- und Zinseszinsmechanismus die nominale Geldmenge erhöht. Fraglich ist hingegen womöglich, welcher Effekt für das Finanzsystem problematischer ist. Ich persönlich halte den Zinseszinsmechanismus für bei weitem dramatischer aus zweierlei Gründen. Zum einen nimmt, bedingt durch die Mindesterserveverpflichtung, die durch die Geldschöpfung anwachsende Geldmenge mit jeder getätigten Transaktion ab und endet schließlich irgendwann, während aus dem Zinseszinseffekt eine exponentielle verlaufende Wachstumkurve resultiert. Auch wenn ich, worauf mich gestern erst ein Artikel aufmerksam gemacht hat, der von der EZB erhobene Mindestreservesatz von 2% für skandalös und nicht zweckdienlich erachte. Zum anderen bin ich mir – derlei sind einfach schrecklich komplex – nicht so ganz sicher, ob das Prinzip der Geldschöpfung nicht eine direkte Folge unseres durch den Zins determinierten Geldsystems ist, schlicht, weil in einem freiwirtschaftlichen System vermutlich nur eben soviel Geld geschaffen würde, wie tatsächlich benötigt wird.

2. Geld ist keine Ware
Ich kann es nur immer wieder betonen: Den entscheidenden Denkfehler, der gemacht wird ist der, dass Geld als Ware angesehen wird. Die Argumentation dabei erscheint gradezu zwingend plausibel: Warum darf ich ein Auto verleihen und eine Gebühr dafür erheben, aber kein solche Gebühr, also Zins, wenn ich dasselbe mit meinem Geld mache. Nun, das Problem an dieser Denkweise ist: Das Geld ist nicht das Auto. Das Geld ist die Straße, auf der das Auto fährt. Und ebenso wenig wie ich die Straße als Privatperson exklusiv nutzen kann oder gar eine Gebühr für deren Nutzung erheben dürfte (was wohl den Sinn einer Straße pervertieren würde) darf ich mit dem Geld verfahren. Wobei ich mir im Klaren bin, dass dieser Gedanke hinlänglich schwer zu begreifen ist. Schließlich handelt es sich dabei um einen Paradigmenwechsel, der entsprechend den Denkprinzipien, in denen wir leben und aufgewachsen sind, fundamental widerspricht. Allerdings sehen wir es heutzutage auch als gegeben an, dass die Erde eine Kugel ist. Was ziemlich schwer sein dürfte zu begreifen, wenn man sie bis dahin als Scheibe begriffen hat.

3. Der spieltheoretische Aspekt der Zinseszinsproblematik
Ich kann es, ehrlich gestanden, schon nicht mehr hören. Jaja, die Zinskurve verläuft exponentiell, die Forderungen steigen entsprechend ebenso wie die Schulden, Folge: systemimmanente Überschuldung, systemimmanente Zusammenbrüche. Laber, laber, laber. Und wenn man dagegen einen Negativzins einführte, würde das nicht nur diesen Effekt beenden, sondern auch den Kapitalumschlag erhöhen. Umlaufgesichertes Geld und so weiter. Schnarch. Was nämlich der alles entscheidende Vorteil eines freiwirtschaftlichen Geldsystems wäre, wäre die systemimmanente Notwendigkeit zu langfristigem Denken und Handeln. Und weil ich das hier schon echt ausführlich durchgekaut habe nur soviel: Im jetzigen System sind – zinsbedingt – heutige Einnahmen mehr wert als zukünftige. Kehrte man dieses Prinzip um, wären zukünftige Einnahmen automatisch mehr wert als heutige. Mit entsprechenden Konsequenzen für unser aller Denken und Handeln. Und so weiter.

Wie ich schon sagte, will ich eigentlich eine Wertedebatte beginnen, weil das ein ebenfalls ziemlich gravierendes Problem ist, was es zu lösen gilt. Allerdings finde ich keinen so rechten Ansatz dafür. Wenn also jemand einen Beleg für die These hat: Klischees sind Klischees, weil sie wahr sind, dann wäre es schön, wenn sich mal einer melden würde.

Okt 30

Echte Straßenmagie

Posted by Winston Wolf in Wort - Bild - Ton

Video der Woche (39): (Fake) David Blaine Street Magic Part 4

Nun ist es also passiert. In Oakland hat es bei Krawallen rund um die Occupy-Wallstreet-Bewegung den ersten Schwerverletzten gegeben, den 24jährigen Kriegsveteran Thomas Olsen, den durch Gummigeschosse der Polizei einen Schädelbruch über dem rechten Auge erlitt. Und während Oaklands Bürgermeisterin Jean Quan der Occupy-Bewegung versichert, dass “viele Oakländer ihre Ziele unterstützen” teilte das Krankenhaus mit, der Ex-US-Marine befinde sich in kritischem Zustand. Na, da kommen ja herrliche Zeiten auf uns zu.