Posts Tagged ‘Berlin’

Dez 04

Berlin-Mitte-Extremisten

Posted by Winston Wolf in Welt-Geschichten

Video der Woche (44): neoParadise – Echter Journalismus: Mitteextremismus

Wer das mit der Piratenpartei in Berlin nicht so ganz verstanden hat, bekommt hier nochmal eine visuelle Erklärung. Video der Woche (34): Pirate Party takes seats in Berlin Parliament

Sep 11

MILFs gegen Merkel

Posted by Winston Wolf in Wort - Bild - Ton

Der Wahlkampf in Berlin geht absolut in die heiße Phase. Video der Woche (32): Wahlspot der PARTEI für Berlin

Video der Woche (5): Was ist hier nur passiert? Usher versucht zu singen, es kommt jedoch kein Ton. Kurz darauf wird der zweite Konzertversuch abgebrochen. Schon Tags zuvor wurde das Konzert aufgrund einer Krankheit abgesagt. Gerüchteweise wurde er am selben Abend mit Freunden beim Vodka Tonic trinken gesehen. Die wahren Gründe weiß niemand so genau. Hier ein ausführlicher Bericht des Tagesspiegels zu den Geschehnissen.

Feb 04

Zeiten ändern sich.

Posted by Bibi Blogs in Alles wird Gut, Welt-Geschichten

In der Linie U-8, die gerade mit ihrem Pendelverkehr zwischen Kottbusser Tor und Alexanderplatz mein Leben und das Leben anderer Mitfahrer schwer macht, kann man großartige Sozialstudien betreiben, Klischees widerlegen und auch ein bisschen Angst bekommen. Denn hier sitzen Touristen, Baumknutscher und Cracksüchtige auf einer Bank und alle regen sich über die gleichen Sachen auf, den Berliner Pendelverkehr – it sucks…

Lautstark klingt es durch die gelbe Schlange hindurch und so kam ich nicht umhin, eine Dreiergrupper baumknutschender Rastazöpfe mit alternativer Kleidung wie der obligatorischen Corthose zu belauschen. Der Rädelsführer, 23 Jahre alt, sprach von dem Wunder des Kindes und davon, dass er ja bald eines kriegen würde mit seiner Freundin. Aber das würde ihn als Mensch nicht verändern, ganz im Gegenteil, er lege Wert darauf als Individuum wahrgenommen zu werden. Weiterhin. Und für immer. Er brauche seine Freiräume und, und, und… er muss ja noch die Welt retten. Herrlich, dachte ich, manche Sachen verändern sich einfach nie.

Das war ein Moment der Überlegenheit für mich, die Welt konnte sich verändern, der Mensch in seiner Schublade aber ist noch da. Während mich das beruhigte stiegen zwei Mädchen ein, aufgebrezelt, zu viel Schminke, zu kurz, zu schwarz, zu lack. Sie redeten, natürlich von Jungs, von einem bestimmten, und dass das eine Mädchen auf keinen Fall in sein Auto einsteigen würde, wenn er nicht nett zu ihr wäre…Oh, mein Gott, dachte ich sofort, diese Frau sitzt mit 90%iger Wahrscheinlichkeit in 5 Jahren mit 3 Kindern und ohne Schminke in einem Frauenhaus und hat ein blaues Auge. Wenn sie Glück hat.

Aber dann kam die Wende…wie aus dem nichts fragte das andere Mädchen, ob der Junge denn einen Schulabschluss hätte und wenn ja, welchen.??? Das saß.

Da war sie, die Veränderung, da war der Spruch: ZEITEN ÄNDERN SICH!  Ich hätte so was in ihrem Alter nie gefragt. Das war neu, kein Klischee. Das hat die Zeit aus uns gemacht, aus Ihnen, aus den Mädchen, die mit ihren 18 Jahren natürlich naiv sind, aber schon besser als ich begriffen haben, was heutzutage wirklich wichtig ist. EIN SCHULABSCHLUSS. Scheiß auf die Liebe, auf Gefühle…

Ab heute bin ich wohl das Klischee.

Berlin, die Stadt der Vierbeiner. In unserer Metropole gibt es so viele Hunde auf einem Haufen wie wohl in keiner anderen deutschen Stadt. Der Hund ist ein Gefährte wie ein Mensch, und manche Menschen unken sogar, dass er der bessere Freund sei. Schön, nicht wahr? Aber jetzt kommt es Dicke.

Ab sofort sollen alle Hunde, wenn sie mit der BVG fahren wollen, einen Maulkorb tragen. Das Ganze habe ich von einer Freundin erfahren, die einen verdutzen Radiomoderator im Radio hörte, der extra darauf aufmerksam machte, dass es bei Möpsen da wohl zu Problemen kommen würde, schließlich haben die ja nicht mal eine richtige Schnauze. Als ich das hörte, bliesen sich meine imaginären Kiemen auch schon auf, denn ich habe einen Mops. Und weiß also, wovon ich rede.

Ein Mops kann nicht mal richtig bellen, geschweige denn beißen. Mein Mops hat nur noch 3 Zähne im Mund und selbst wenn sie einem Menschen wirklich weh tun wollte -sie könnte doch nur gerade so eine Tomate im Matschezustand fertig machen.

Daher sehe ich mit Freuden meiner ersten Konfrontation mit erklärten Spießbürger entgegen, die mich darauf aufmerksam machen möchten, meinem Hund einen Maulkorb anzulegen. Für das Gewitter blase ich jetzt schon mal, zur Sicherheit meine imaginären Kiemen auf…

Jan 04

Meine Sommerresidenz

Posted by Bibi Blogs in Alles wird Gut, Welt-Geschichten

So eine Schweinerei, da ist man mal ein paar Tage verreist, gewillt sich zu erholen und Abstand vom stressigen, bissigen Berlin zu nehmen und dann kommt man wieder und muss sehen, dass da ein Stück fehlt, ein Stück von meiner Sommerresidenz – andere nennen es Terrasse.

Die war mir heilig, denn ich besitze ein kleines Stückchen Freiheit, mitten in der Mitte von der Mitte. Und das war mein Mittelpunkt, mein Auge im Hurrican, hier saß ich jeden Sommer lang, stur, auch wenn ich eigentlich andere Sachen machen musste. Meine Sommerresidenz, ein Liegestuhl, aus solidem Holz, drei Terracotta -Blumentöpfe ohne Blumen, eine blaue, mit Blumen garnierte Blumenbank, 4 gelbe Klappstühle und einen Ikea-Tisch. Und natürlich ein orangefarbenen Sonnenschirm. Das alles, das war wie Urlaub. Und mit dem richtigen Getränk konnte es 24 Stunden dauern bis mich meine Residenz wieder aus ihrer Umarmung entließ.

Und jetzt das, schon das zweite Mal: Das zweite Mal wurde gestohlen von einem, meinem Innenhof, der wie eine Einbahnstraße funktioniert, in den man relativ leicht reinkommt, aber nur schlecht wieder raus… die Tür zurück muss aufgeschlossen werden und auf der anderen Seite, gleich neben meiner Sommerresidenz wartet schon die Mauer. Die Mauer, ist nicht hoch, aber doch zu hoch, um 4 gelbe Klappstühle und einen orangefarbenen Sonnenschirm zu klauen. Ich meine, wer klaut denn einen Sonnenschirm mitten im Winter, wenn 50 cm Schnee liegt und an Sonne praktisch nicht zu denken ist? Langsam mache ich mir ernsthaft Sorgen.

Ich verdächtigte natürlich erstmal alle Bewohner des Hauses, Generalverdacht ist schon mal gut. Der nächste Schritte war, den Innenhof zu observieren. Ich schaute den ganzen Vormittag abwechselnd von Fenster zu Fenster, schaute dabei streng und wissend und tat so, als ob ich, ganz wie Hitchcock, das Fenster zum Hof nicht nur ein einmal gesehen hätte und über alle Machenschaften informiert wäre.

Ehrlicherweise aber hatte ich keinen Schimmer und somit wuchs die Wut sekündlich, denn ich wusste nicht, was ich machen sollte. Sollte ich jetzt etwa immer alles in die Wohnung räumen wie in einem Überwachungsstaat? Keinem mehr trauen und jeden Abend meine Residenz komplett räumen, um alles morgens wieder raus zu stellen? Und wenn ich kurz weg muss, solle ich es dann genau so halten? Das ist so unentspannt.

Ich muss darüber nachdenken.

Sep 03

Eine von Millionen

Posted by Bibi Blogs in Welt-Geschichten

Diese Stadt mit ihren Millionen Gesichtern und ebenso vielen Situationen, die sie rasend schnell und vergesslich machen können,  lohnt sich doch auch einmal ab und anzuschauen. Stehenzubleiben und zu sehen, was so um einen rum passiert.

Naja, neulich wurde ich zumindest dazu genötigt, stehenzubleiben und zu sehen, was um mich rum passiert, denn ein Fahrzeug des Malteser Hilfsdienstes versperrte unsere doch arg enge Straße, weshalb ich quasi dazu verdonnert wurde, den Motor unseres Autos ein paar Minuten auszumachen. Ich stand also da, wartete, sah mich um… Und da erst wurde SIE mir richtig bewusst:

Diese Frau, die ich immer nur im Augenwinkel gesehen, aber nie über sie nachgedacht hatte, obwohl sie  doch den ganzen Tag mit ihrer bunten Kittelschürze und den kurzen grauen Haare von einem Ende unserer Straße bis zum anderen wuselte. Und ehrlich: sie verbringt tatsächlich den lieben langen Tag damit, die – unsere – Straße vom Müll zu befreien, liest Papierschnipsel auf und Zigarettenstummel, Glasscherben und allen sonstigen Unrat, der die Umgebung verschandelt. Und dies mit einer solch großen Gelassenheit, dass ich sie ansprechen musste, weil mir sofort klar war, dass ich einen Blog über sie schreiben würde.

Die Frau aber ließ sich weder aus der Ruhe noch von ihrer Arbeit abbringen, brabbelte ein paar Worte von wegen: “mache das jeden Abend, zwei Stunden, muss ja schön sein hier” und trollte sich auch gleich wieder mit ihrer Greifzange und dem kleinen Plastikeimer, den Blick suchend auf die Straße gerichtet.

Auf der ich mit meinem Auto stand und immer noch darauf wartete, dass der Krankenwagen endlich verschwand. Der allerdings schon längst wieder abgefahren war. Also ließ ich den Motor an, fuhr los, schaute dabei sehr aufmerksam nach links und rechts.

Und war schon ein wenig stolz als mir klar wurde, dass ich wahrscheinlich in einer der saubersten Straßen Berlins wohne.

Ein Problem unserer Gesellschaft – und wirklich nur ein Problem davon – ist die Ghettoisierung einiger Teile unserer Bevölkerung (oder sollte ich sagen: der Gesamtbevölkerung?), die sich mit “ihresgleichen” zusammenfinden, um tendenziell Häuserblocks, Straßenzüge, Stadtteile unter ihre “Kontrolle” zu bringen.

Nach einem Vortrag der türkischen Regisseurin Aysun Bademsoy, in dem sie von Subkulturen erzählte,  kleinen Gruppen von vielleicht 30 Leuten, die sich am Rande deutscher Großstädte zu eigenständigen Gemeinschaften entwickelt haben und mit der “Außenwelt” fast gar nicht mehr in Kontakt treten, kann man da schon mal ins Grübeln kommen.

Doch woran liegt es, dass wir bspw. in ein (sehr gutes) türkisches Lokal am Planufer gehen und dort nur Deutsche antreffen –  und keinen einzigen Türken? Und der Wirt mir, als ich ihn frage, erklärt, dass sie schon türkische Gäste haben – als geschlossene Gesellschaften bspw. bei Hochzeiten, Geburtstagen etc.

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Modell, das der Soziologe und Ökonom Thomas Schelling entwickelt hat, um herauszufinden, wie eine Gesellschaft beschaffen ist, in der die Menschen den Wunsch haben, in einer ausgewogenen, strukturierten Gemeinschaft zu leben, in denen die “Rassen” integriert sind.
Für dieses Modell postulierte Schelling nur eine kleine Bedingung: Er nahm an, dass niemand in einer Gemeinschaft leben wolle, in der er selbst eine extreme Minderheit darstellte.

Das erscheint auch insofern plausibel, als dass vielleicht jemand kein Problem damit, in einer Nachbarschaft zu wohnen, in denen bspw. Schwarze die Mehrheit stellen. Wenn er allerdings der einzige Weiße weit und breit ist, ist das sicherlich nicht der Idealzustand. Analog verhält es sich sicherlich auch mit Christen und Moslems, mit Alten und Jungen oder auch mit Reichen und Armen: Man möchte in einer Gemeinschaft leben, deren “Geschmack, Tradition und Werte” man teilt, was, wie ich finde, auch nicht weiter verwerflich ist.

Schelling nun entwickelte ein Modell, in dem er auf einem Blatt Papier ein Gitternetz zeichnete und zufällig die selbe Anzahl schwarzer und weißer Felder verteilte, was einer Gesellschaft entspricht, in der Schwarze und Weiße bspw. gleichmäßig verteilt sind.

Ausgangspunkt des Schelling-Modells

Dann setzte er – entsprechend seiner Vorüberlegungen – die Bedingung, dass keine der Personen des Modells in einer Umgebung leben wolle, in der ihre HautfFarbe eine Minderheit von weniger als 30 Prozent darstellt.

Das Ergebnis überrascht. Denn es zeigt, dass sich unter der genannten Bedingung Schwarze und Weiße sich nicht nur weniger durchmischen. Sondern in völlig abgesonderten Enklaven lebten.

Ergebnis des Schelling-Modells

Das aber heißt nichts anderes, als dass schon die schwache Präferenz der Individuen, nicht zu einer wie auch immer gearteten Minderheit zu gehören, dazu führt, dass schließlich überhaupt keine durchmischten Gemeinden mehr existieren.

Vermutlich ist das der Grund, weshalb wir nicht einmal türkische Bekannte haben – von Freunden ganz zu schweigen, und dass ich in meinem Alltag auch keinem über den Weg laufe – vom Späti-Verkäufer vielleicht einmal abgesehen.

Oder liegt es vielleicht doch an mir?

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Links: Erste Seite des Artikels von Schelling (1969), online zu bestellen

Literatur: Thomas C. Schelling: Models of Segregation. In: The American Economic Review, Vol. 59, No. 2, Papers and Proceedings of the Eighty-first Annual Meeting of the American Economic Association (May, 1969), pp. 488-493
Mark Buchanan: Small Worlds. Campus Verlag, Frankfurt 2002

Mai 04

Mein Hobby – Annoncen-Hopping

Posted by Bibi Blogs in Welt-Geschichten

In einer Stadt, in der sich 4 Millionen Seelen tummeln und noch mal so viele Touristen, habe ich, trotz Überfülle, oft das Gefühl, ganz allein zu sein. Gerade die Wintermonate, die mir noch in den Knochen stecken, haben mich zum Einsiedlerkrebs mutieren lassen. Oh- zum Glück wohne ich Parterre, sonst könnt ich für nix garantieren. Ich war viel zu viel zu Hause, dabei habe ich aber immer das Bedürfnis, raus zu gehen und Abenteuer zu erleben. Geht es Euch nicht auch so?

Und ich glaube, mein Freund und ich haben etwas gefunden, um  genau dieses Gefühl zu kompensieren. Ich meine, das Abenteuer schlummert doch hinter jeder Tür, man muss, kann, darf nur durchgehen.

Also gut, aufgepasst Piraten und Piratinnen, hier kommt ein neues Abenteuer: Man braucht dafür nicht viel, eine Annonce in einer Zeitung, die Dich interessiert, z.b. wie bei uns heute, da haben wir einen Mann besucht, einen Mugger, der spezielle und alte Keyboards verkaufen wollte.
Ein Mugger ist ein Mensch, der sein ganzes Leben Musik macht, als Hobby, und auch natürlich viel live spielt. Und dieser Mugger, nennen wir ihn Heinz, hat uns in seine Wohnung im schönen Wedding gelassen. So durften wir eintauchen in seine Welt, einfach so. Er zeigte uns Raritäten von irgendwelchen tollen Keyboards mit dem und dem Sound drauf. Mein Freund war hoch erfreut und ich auch- allerdings eher, weil es bei ihm in seinem Zimmer eher so aussah, als wollte er ein Hobby- Theater aufmachen, dabei waren es „nur“ seine 30 Jahre Erinnerungen, die er in seiner gefühlten 20 Quadratzentimetern großen Wohnung aufbewahrte.
Gott, dieser Mann hatte einfach alles, von vielen, vielen Musikinstrumenten mal abgesehen, gab es unzählige Statuen und Bilder, und alles war bunt angemalt: Man sah kein Bett, keinen Stuhl, nicht mal eine Küche. Ich wusste nicht, ob draußen Nacht oder Tag ist, und der Radiosender Fritz dröhnte aus einer Box, die man nicht ausfindig machen konnte. Seine ganze Lebensgeschichte haben wir erfahren, von seiner Frau, die ihn verlassen hat und seinen beiden Kindern, von seiner Leidenschaft, der Musik, und wie sehr ihm das am Herzen liegt.
Die Zeit stand still für uns. Und zwischen uns. Nach der Verabschiedung haben mein Freund und ich uns angeschaut und gemeint, dass wir das jetzt öfter machen wollen. Vor allem im Winter wollen wir jetzt Leute besuchen, die uns in ihre Welt mitnehmen und uns ihre Abenteuer erzählen. Ich finde, dass dieses „Annoncen-Hopping“ eine gute Alternative ist zum manchmal langweiligen Sonntagnachmittagsprogramm.

Diese Freizeitbeschäftigung wird von mir heftig unterstützt. Probiert´s doch auch mal.
Ich wünsche Euch jedenfalls viel Spaß beim Menschen treffen.