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Jan 04

Meine Sommerresidenz

Posted by Bibi Blogs in Alles wird Gut, Welt-Geschichten

So eine Schweinerei, da ist man mal ein paar Tage verreist, gewillt sich zu erholen und Abstand vom stressigen, bissigen Berlin zu nehmen und dann kommt man wieder und muss sehen, dass da ein Stück fehlt, ein Stück von meiner Sommerresidenz – andere nennen es Terrasse.

Die war mir heilig, denn ich besitze ein kleines Stückchen Freiheit, mitten in der Mitte von der Mitte. Und das war mein Mittelpunkt, mein Auge im Hurrican, hier saß ich jeden Sommer lang, stur, auch wenn ich eigentlich andere Sachen machen musste. Meine Sommerresidenz, ein Liegestuhl, aus solidem Holz, drei Terracotta -Blumentöpfe ohne Blumen, eine blaue, mit Blumen garnierte Blumenbank, 4 gelbe Klappstühle und einen Ikea-Tisch. Und natürlich ein orangefarbenen Sonnenschirm. Das alles, das war wie Urlaub. Und mit dem richtigen Getränk konnte es 24 Stunden dauern bis mich meine Residenz wieder aus ihrer Umarmung entließ.

Und jetzt das, schon das zweite Mal: Das zweite Mal wurde gestohlen von einem, meinem Innenhof, der wie eine Einbahnstraße funktioniert, in den man relativ leicht reinkommt, aber nur schlecht wieder raus… die Tür zurück muss aufgeschlossen werden und auf der anderen Seite, gleich neben meiner Sommerresidenz wartet schon die Mauer. Die Mauer, ist nicht hoch, aber doch zu hoch, um 4 gelbe Klappstühle und einen orangefarbenen Sonnenschirm zu klauen. Ich meine, wer klaut denn einen Sonnenschirm mitten im Winter, wenn 50 cm Schnee liegt und an Sonne praktisch nicht zu denken ist? Langsam mache ich mir ernsthaft Sorgen.

Ich verdächtigte natürlich erstmal alle Bewohner des Hauses, Generalverdacht ist schon mal gut. Der nächste Schritte war, den Innenhof zu observieren. Ich schaute den ganzen Vormittag abwechselnd von Fenster zu Fenster, schaute dabei streng und wissend und tat so, als ob ich, ganz wie Hitchcock, das Fenster zum Hof nicht nur ein einmal gesehen hätte und über alle Machenschaften informiert wäre.

Ehrlicherweise aber hatte ich keinen Schimmer und somit wuchs die Wut sekündlich, denn ich wusste nicht, was ich machen sollte. Sollte ich jetzt etwa immer alles in die Wohnung räumen wie in einem Überwachungsstaat? Keinem mehr trauen und jeden Abend meine Residenz komplett räumen, um alles morgens wieder raus zu stellen? Und wenn ich kurz weg muss, solle ich es dann genau so halten? Das ist so unentspannt.

Ich muss darüber nachdenken.