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Gestern habe ich etwas erfahren, dass mich gelinde gesagt ernsthaft schockiert hat. Denn es wurde eine Applikation entwickelt, mit deren Hilfe man automatisch die Streams von mehreren 10.000 Internet-Radiosendungen abgreifen kann, um so alle erdenklichen Songs als mp3 auf seine Festplatte zu ziehen. Nie mehr Musik kaufen müssen! – das ist der Zweck hinter dieser Idee. Die meines Erachtens einer Katastrophe gleichkommt.

Das mit Beginn des Jahrhunderts einsetzenden massenhafte Downloaden von Musik über P2p-Börsen und Torrent-Websites war möglicherweise keine grundsätzlich schlechte Entwicklung. Die Industrie, insbesondere die Plattenfirmen maulten und klagten, weil sie ihre Felle davon schwimmen sahen. Dabei hatten sie sich jahrelang an einem fast schon gesättigten Markt satt gefressen und horrende Margen für Produkte eingefahren, die in anderen Branchen vermutlich als Ladenhüter in den Regale stehengeblieben wären.

Das Vorgehen war einfach, doch ziemlich clever: Nimm einen drittklassigen Act mit einem guten Song, einem Hit, und vermarkte ihn so gut es geht. Bau um diesen Hit einen zweiten, vielleicht sogar dritten Song, der nicht mehr so gut ist wie der erste, dann pack noch einen Haufen minderwertiges Material dazu und schon hast Du ne Platte. Und mit der kannst Du dann richtig den Reibach machen. Am Ende nimmst Du alle brauchbaren Hits und packst sie auf eine Compilation, die Bravo Hits 27, Kuschelrock haste nicht gesehen, BILD-Mega-Fete-Super-Hits oder einfach schlicht The Dome hießen. Damit wertest Du die Singles gleich noch einmal aus. Und ob die Konsumenten sich dabei verarscht vorkommen, ist doch egal, denn ihnen bleibt als Alternative nur, sich Radio-Musik auf einer Kassette mitzuschneiden, was – grob geschätzt – 1988 das letzte Mal gemacht wurde.

Plötzlich aber kamen mp3 und DSL und damit die Möglichkeit, Musik von überall her direkt in sein Wohnzimmer zu holen, ohne sich überhaupt aus dem Sessel zu bemühen. Geschweige denn dafür zu bezahlen. Und das ließ sich niemand zweimal sagen. Weshalb man in der Folge dabei zusehen konnte, wie die Gewinne der Plattenindustrie einbrachen. Die maulten und murrten und unternahmen – nichts. Nichts sinnvolles zumindest. Napster wurde gekauft und mehr oder minder gegen die Wand gefahren. Ansonsten beließ man es dabei, die beleidigte Leberwurst zu spielen und, statt nach möglichen Auswegen zu suchen, über die Ungerechtigkeit der Welt und die Schamlosigkeit der Konsumenten wehzuklagen. Und später dann vor Gericht zu ziehen.

Aber wie ich das jetzt schon in mehreren Artikeln geschrieben habe: So ist das halt mit institutionalisierten Organisationen. Sie zeigen sich anfällig gegenüber sich verändernden Umwelten und zugleich schwerfällig und kaum oder nicht in der Lage, darauf entsprechend zu reagieren. Man schätzt halt den Status Quo. Denn will man einfach wieder haben: Ich will meine Mauer zurück.

Es musste ein Branchenfremder kommen, der, anfangs noch belächelt, mit seiner iTunes- und iPod-Idee den Markt aufmischte. Und den Plattenbossen zeigte, dass man mit Musik im Netz doch Geld verdienen konnte. Was diese zuvor irgendwie nicht glauben wollten. Und doch stank ihnen etwas an der Idee, pro Song nur 99 Cent verlangen zu können: Die Zeit, in der man ganze Alben verkaufte, waren endgültig vorbei. Zumindest für viele Künstler. Und wahrscheinlich nicht die besten.

Im Endeffekt hat diese Entwicklung dazu geführt, dass die de facto Oligopol-Stellung der Plattenfirmen aufgebrochen wurde. Was für gewöhnlich mit sinkenden Preisen und qualitativ besserem Angebot einhergeht. Und am Ende gut für alle ist. Für die Konsumente sowieso. Und langfristig auch für die Anbieter, denn: Konkurrenz belebt das Geschäft. Und bewahrt einen davor, träge zu werden.

Und offengestanden: 99 Cent für einen Song zu zahlen und vielleicht 10 Euro für eine Platte von 12-13 Songs, erscheint mir auch durchaus fair. Angesichts der Liebe, Zeit und Leidenschaft, die die Künstler sicherlich in ihr Werk gesteckt haben. Und auch wenn die Plattenfirmen noch den Löwenanteil der Einnahmen einstreichen: Auch dieses Verhältnis wird sich sicherlich entspannen, spätestens, wenn neue  Verträge ausgehandelt werden.

Die eingangs erwähnte Entwicklung aber ist mehr als Besorgnis erregend. Und ich möchte gewiss nicht unken. Aber wer soll die Leute davon abhalten, wie früher Musik aus dem Radio mitzuschneiden. Vielleicht ist es auch ihr gutes Recht. Auch wenn womöglich in ein paar Monaten…

Ach, was red ich. Während Ihr diesen Blog – falls überhaupt – lest, fragen sich die Meisten von Euch bestimmt schon, wann ich endlich verrate, wo man das besagte Tool bekommen kann. Aber das müsst Ihr leider selbst rausfinden. Wenigstens.