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Aug 28

R.I.P. Steve Jobs

Posted by Winston Wolf in Wort - Bild - Ton

In der letzten Woche ist nicht nur Loriot gestorben (R.I.P.), sondern scheinbar auch Steve Jobs. Also zumindest wurde sein Rücktritt von vielen Medien so behandelt. Aufgrund dieser Nachrufe das Video der Woche (30): Eine sehr gelungene Abschlussrede in Stanford von Steve Jobs.

Seit längerem beschäftigt mich die Frage, was mit den ganzen Dingen wie Vogelgrippe, BSE, Waldsterben und so weiter und sofort passiert ist…? Warum wird man immer nur über irgendwelchen wer-weiß-wie katastrophalen Katastrophen informiert, jedoch niemals, wenn sie wieder behoben worden sind.

Jüngstes Beispiel ist die Schweinegrippe – da hat man uns das als superkrasse und sehr ernst zunehmende Seuche verkauft, dass man es schon mit der Angst zu tun bekam, wenn man nur daran dachte, auf die Straße raus zu müssen. Mag ja auch sein, aber wenn die Schweinegrippe echt so schlimm war oder immer noch ist, wo ist sie jetzt auf einmal hin? Verpass ich da nur immer was, wenn ich Nachrichten gucken…? Oder geht es euch auch so…?

Ich frag mich da ernsthaft, ob das bewusst so gemacht wird. Ich fände es nämlich auch mal schön, mal was Nettes in Hinblick auf die weltgeschehenden Dinge zu hören. Und würde mich freuen mal zu erfahren was zum Beispiel aus der Schweinegrippe geworden ist. Oder wie es in heute in den 2004 so extrem vom  Tsunami betroffenen Gebieten aussieht. Oder ob der Wald so krass weiter stirbt wie es vor 20 Jahren immer geheißen hat, wo überall gesagt wurde, dass er keine Chance mehr hat und heute nach den Aussagen von damals eigentlich überhaupt nicht mehr vorhanden sein dürfte…? Und… Wo ist der saure Regen dann plötzlich hin…? Neutralisiert vielleicht…? Oder auf einmal süß geworden…? Ich blicks echt nicht mehr.

Bei meinen Nachforschungen bin ich dann auf einen interessanten Bericht über das Waldsterben gestoßen mit einer sehr interessanten Theorie. Danach wusste ich überhaupt nicht mehr, was ich glauben sollte.

Dieses Jahr wird das Grundgesetz 60 Jahre alt, der Mauerfall jährt sich zum 20sten Mal, auf Sri Lanka hinterließ der Bürgerkrieg tausende Opfer und die Ausschreitungen dürften wohl nicht zu Ende sein, im Nahen und Mittleren Osten herrscht noch lange keine Ruhe, von den Zuständen in Teilen Afrikas nicht zu reden. Und was kam diese Woche mal wieder auf das SPIEGEL-Cover? Hitler.

Oh, nein, Verzeihung – Hitlers Komplizen. Als ob es nicht schon genug Anlass gäbe, sich über den nicht enden wollende Hitler-Serie lustig zu machen mit Ankündigungen wie „Demnächst – Hitlers Welpen/ Hitlers Schuster/ Hitlers Nagelfeile“. Während die NPD sich immer tiefer in finanzielle Löcher gräbt und die eigene Glaubwürdigkeit abträgt, stellen die „demokratischen“ Medien immer wieder deren geistigen Vater in den Vordergrund. Der Diktator hätte sich wohl am meisten über diese Aufmerksamkeit gefreut.

Natürlich ist es wichtig, die Gräuel des Naziregimes nicht in Vergessenheit geraten zu lassen – es gibt Unterricht, es gibt Ausstellungen, Bücher, es gibt Guido Knopp. Ich glaube nicht, dass (zum großen Teil junge) rechts gewandte Menschen von ihrer Ideologie durch Hitler-Schlagzeilen abgeschreckt werden. Was mich am meisten ärgert, ist, dass meistens keine neuen Ergebnisse oder Entdeckungen geboten werden in Artikeln, die von Hitler und seinen Helfern handeln, sondern diese Artikel ihre Daseinberechtigung daraus ableiten, dass sie sich a) angeblich gut verkaufen und b) ein gern genommener Lückenfüller sind, wenn es ANGEBLICH kein anderes Thema gibt, das es wert ist auf die Titelseite zu kommen – wieder ein Wirtschaftskrisentitel, nein danke, Amokläufer sind auch durch und Knut wäre zu „Boulevard“ (auch wenn mittlerweile die Grenzen zwischen ernsthafter und regenbogenbunter Presse manchmal erschreckend ausgewaschen sind).

Es gibt genug Themen aus der ganzen Welt, die behandelt werden sollten (s. o.). Ein weiteres Ereignis, von dem mir erzählt wurde, möge meinen Ärger verständlicher machen. Freunde von mir waren auf einer Ausstellung eines polnischen Künstlers, die Location war schön, es wurde live klassische Musik gespielt, die Atmosphäre war angenehm. Ohne Ankündigung wurde plötzlich gelesen. Und zwar Texte, die recht naturalistisch Nazi-Verbrechen an kleinen Kindern schilderten. Meine Freunde sind gegangen.
Die Lesung war nicht angekündigt, und thematisch passte sie wohl auch nicht zur Veranstaltung. Wieso also wurde solch ein Text, der wohl auf einige reichlich verstörend gewirkt hat, gelesen? Bloß, weil es sich um eine deutsch-polnische Veranstaltung gehandelt hat und daher unbedingt daran erinnert werden musste, was die bösen Deutschen ihrer Zeit den armen Polen angetan haben? Ich wiederhole: wieso?
All meine Freunde, ob Briten, Franzosen, Deutsche oder Polen, sind sich dieses Abschnitts der Geschichte Europas bewusst und die Lehre, die sie daraus gezogen haben, ist,  miteinander zu sprechen und sich europaweit auf die heutigen Gemeinsamkeiten zu konzentrieren. Und wenn Hitler und seine Chargen und die Verbrechen des Dritten Reiches als der kleinste gemeinsame Nenner aller Leser angesehen werden, zeugt das von einer geistigen Armut und naja – das ist Boulevard.