Posts Tagged ‘PAL-Projekt’

…hier darf ich sein, sagte Gisela zufrieden, als ich ihren Mann Manfred mit dem monströsen Rollstuhl gestern zurück in sein Zimmer in der Seniorenresidenz schob. Wir hatten sie auf kurz zuvor zufällig auf dem Rückweg vom Ententeich getroffen, denn wie jeden Donnerstag war ich auch diesmal im Rahmen des PAL-Projektes dort – mit Pflegern, ein paar Freiwilligen und den Alten in ihren Rollstühlen.

Ich schob also ihren Mann und sie kam mit ihrem Fahrrad herangefahren, hielt und strahlte, dass wir ihren Manfred mit an den Ententeich genommen hatten. Sie selbst hatte die Handgelenke bandagiert, kaputt, weil sie, wie sie mir erzählte, ihren Manfred zu oft mit seinem unfassbar schweren Rollstuhl durch die Gegend zu schieben, seit er vor zwei Jahren krank geworden ist und in ein Heim musste. Gisela ist 80 Jahre alt.

Sie erzählte mir, dass sie und ihr Manfred seit 56 Jahren verheiratet sind. Zusammen sind sie aber schon seit 1946, seit Manfred als Kriegsheimkehrer durch den Ort in Mecklenburg kam, in dem Gisela lebte. Sie zogen nach Berlin, haben Kinder bekommen, und wenn man sich die alten Schwarz-Weiß-Fotos ansieht, die in Manfreds Zimmer in der Seniorenresidenz hängen, waren sie wahrscheinlich nicht nur ein ziemlich glückliches Paar, sondern auch ein sehr schönes.

Gisela kommt jeden Tag zu ihm. Zweimal. Morgens nach der Betreuung, vor dem Mittagessen. Nachmittags nach der Ruhepause bis zum Abend, wenn sie ihren Mann ins Bett bringt. Und auch wenn Manfred nicht mehr richtig sprechen kann. Sind die beiden immer noch ein schönes Paar. Und irgendwie – trotz allem – lebenslustig geblieben.

Wenn ich mit den Leuten über das PAL-Projekt rede, höre ich meistens, dass es nicht funktionieren kann, weil die meisten Menschen schlicht nicht bereit sind, anderen “einfach nur so” zu helfen. Insbesondere, wenn ich sage, dass Hartz-IV-Empfänger perfekt geeignet wären, das Projekt mitzutragen, höre ich immer wieder, das niemand freiwillig irgendetwas tut, von dem er nichts hat. Sondern lieber auf dem Sofa sitzen bleibt und Niedrig&Kuhnt glotzt oder so.

Jeden Donnerstag überlege ich, ob ich überhaupt zum PAL-Projekt gehe. Manchmal habe ich leider anderes zu tun, doch ich versuche mir meine Zeit so einzuteilen, dass ich es meistens schaffe. Und doch vergeht mir regelmäßig die Lust, es sind noch andere wichtige Dinge zu erledigen und ich hätte ja dies noch zu tun und bin gerade noch dabei jenes zu machen… Und ich gehe natürlich trotzdem hin, wegen PAL-Projekt und anfangen und so.

Oft genug ist es nicht sonderlich spannend. Weil wir nicht genug Leute sind, sind es halt immer wechselnde Bewohner, und viele von denen sind nicht mehr richtig da. Also schieben wir sie zum Teich, helfen ihnen beim Enten füttern, schieben sie anschließend zurück und das wars. Manchmal aber ist Ruth dabei, die im Oktober 100 Jahre alt wird und noch rüstig ist und fit im Kopf und Geschichten erzählt von ihrer Kindheit in Schlesien. Oder Helmut, der Soldat der NVA war und erzählt wie er früher selbst oft dort gewesen war, am Ententeich im Friedrichshain. Als er jünger war.

Und natürlich Manfred. Und seine Gisela.

Ich glaube seit Bestehen des Blogs hab ich noch nie so wenig dafür getan und geschrieben wie in diesem Monat. Das mag natürlich auch an den teils abartigen Temperaturen liegen und daran, dass meine Netzverbindung im Moment ein bisschen rumzickt. Doch mehr als das fehlt mir im Moment einfach die richtige Idee wie wir weitermachen sollen. Schließlich gibt es zigtausende Blogs allein in Deutschland und Abermillionen weltweit – Menschen lieben es einfach, ihre geistigen Befindlichkeiten in die Welt hinauszuspeien.

Nun ja, wie man sieht, ist das auch eine Aufgabe dieses Blogs. Wobei es mir persönlich in erster Linie darum geht, die Freigeld-Idee und die damit in Zusammenhang stehenden Dinge, insbesondere das PAL-Projekt, zu propagieren, dokumentieren, erklären. Das ist wohl auch der Hauptgrund warum ich immer wieder gegen die Linke stichele, weil ich einfach nicht kapiere, wie man sich auf Gedeih und Verderb an unplausible, utopische Ideen klammern kann.

Allerdings gehen mir leider inzwischen selbst die Ideen aus wie es weitergehen soll. Schließlich will ich nicht jeden zweiten Tag einen zermürbenden Artikel schreiben in dem in abgewandelter Form dasselbe drinsteht, was ich in den gefühlt hundert Artikeln davor auch schon gesagt hab. Es hat sich jedenfalls nicht dahingehend entwickelt, dass sich überhaupt etwas entwickelt hat. Klar, die Leuten, mit denen ich über den ganzen Käse reden, die finden das Alle irgendwie gut und so und ist schon richtig und so und ja, hat was und so und so. Womit allerdings weder etwas gesagt oder getan noch irgendetwas gewonnen ist.

Am Ende interessieren sich wieder nur jene für dieses ganze langweilige Gelaber, die sich ohnehin dafür interessieren. Und es machen genau die Leute mit, die sowieso von sich aus etwas tun. Und der große Rest langweilige Rest sitzt immer noch zu Hause und meckert oder stöhnt über Klimawandel, Sozialreform und das Bohrloch von BP.

Und dann denke ich mir, vielleicht bin ich ja der Schwachkopf. Der Sozialutopist. Der den Linken ihr verqueres Menschenbild vorhält, das sich in der Realität nicht mal ansatzweise wieder findet. Und selbst davon überzeugt ist, dass die Menschen grundsätzlich bereit sind etwas zu verändern, auch wenn es ihnen selbst etwas abverlangt. Mehr tun wollen als bloß alles zu tun, um nur ja in Ruhe gelassen zu werden.

Keine Ahnung, was diese Welt aus uns gemacht hat.

Jul 05

I Miss Me, Too.

Posted by me in Alles wird Gut, freigeld.org

Fragt Ihr Euch nicht manchmal auch, warum Menschen anderen Menschen helfen? Tun sie es, weil sie sich selbst dabei gut fühlen wollen? Oder in den Vordergrund spielen? Oder womöglich wirklich, weil sie ein Interesse daran haben, anderen zu helfen? Es ist eine müßige Diskussion, die wohl schon seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten geführt wird und am Ende immer zu der Frage führt, ob Altruismus nicht in Wirklichkeit eine andere Form des Egoismus ist.

Und – um die Sache noch ein wenig banaler zu machen – am Ende ist es wohl hauptsächlich eine Typfrage. Und obendrein situationsabhängig. Da mag es die Mutter-Theresa-Typen geben, die sich aufopfern für das Wohl der Welt (wenn sie es nicht nur tun, um am Ende in ihren Himmel zu kommen…), da mag es die Verschlagenen, die Doppelzüngigen, Opportunen geben, die aus reiner Berechnung handeln, manipulieren, lügen, allein für ihre eigenen Zecke (wenn sie nicht am Ende trotz allem und sogar ungewollt einem höheren Zweck dienen – siehe Judas Ischariot). Und der wohl überwiegende Rest. Der, zu der ein- oder anderen Seite tendierend, in der Grauzone des menschlichen Miteinanders herumkrebst und – kaspert.

Mann, Mann, Mann, denken sich jetzt schon die Ersten. Geht das schon wieder los? Was soll denn immer dieses ganze Geblubber und Geseier? Kommste jetzt endlich zum Punkt oder was? Naja, vielleicht ist das schon der Punkt. Denn ich frage mich das ernsthaft, was meine Person angeht, mich persönlich, warum ich das PAL-Projekt überhaupt mitmache. Aus Gutmenschentum? Oder Berechnung?

Eins steht jedenfalls fest: Ich bin definitiv kein Baumknutscher. Setz mich nicht teetrinkend hin und debattiere in Rentier-Pulli-Zirkeln über den Weltfrieden und die Schönheit der inneren Werte. Ich halte Krieg nicht unbedingt für vermeidbar. Schon allein, weil ich weiß, dass es – salopp gesagt – böse oder: schlechte Menschen auf der Welt gibt. Die mit Hippie-Gequatsche nicht anfangen können. Und manchmal nur Härte als Sprache verstehen.
Totschlag-Argument in diesem Zusammenhang: Was hat die Appeasement-Politik von Chamberlain & Co. gegenüber Nazi-Deutschland bewirkt? Und: soll man tatenlos zusehen wie die Schornsteine in Auschwitz rauchen oder die Taliban die afghanische Bevölkerung terrorisiert, nur weil man nicht will, dass (die eigenen)  Soldaten zu Mördern werden? Naja, vielleicht hilft ja auch gutes Zureden. Vielleicht wäre ja alles anders gekommen, wenn die Stewardessen der WTC-Maschinen mit den Entführern eine Tasse Tee getrunken und sie besänftigt hätten.

Quakeldiquakeldiquak. Um zum Thema zurückzukommen: ich bin jedenfalls kein Linker. Bin ich noch nie gewesen. So viel steht mal fest. Und ebenso wenig wie ich das bin oder Wert lege auf halbgescheite Diskussionen mit langhaarigen Halbgescheiterten, will ich das PAL-Projekt als ehrenamtliches Projekt verstanden wissen. Und wehre mich entschieden, wenn nur der Begriff fällt. Ich halte das PAL-Projekt für kein Ehrenamtliches Projekt. Es soll kein Projekt sein für Gutmenschen, die sich verwirklicht sehen wollen – aus welchem Grund auch immer. Ich verstehe das Projekt als Grundlage, um ein komplementäres Wirtschaftssystem zu etablieren. Und erstmal nichts anderes.

Es geht um die Schaffung einer Struktur, mit der Dienstleistungen unabhängig von der zinsverseuchten Euro-Währung verrechnet werden können. Und ich glaube, dass es am ehesten möglich ist, andere für ein solches Projekt zu begeistern, wenn man selbstlos (!) einfach etwas für Andere tut. Und bin mir der Ironie des gerade Gesagten vollkommen im Klaren. Ich möchte das nur klarstellen, bevor ich jetzt versuche, in drei (Ab-)Sätzen den Kern der seit Miss Me Toos Kommentar angestellten Überlegungen zusammenzufassen.

1. Es bleibt das fiskalische Problem: Kurz gesagt ist die Leistung, die man im Rahmen das PAL-Projektes erbringt, eine Leistung, für die normalerweise Rechnungen gestellt werden, Umsatzsteuer gezahlt werden muss und, und, und. Entsprechend steht der Vorwurf der Schwarzarbeit im Raum. Was einer längerfristigen Klärung bedarf und ich hier im Moment noch immer nicht weiter ausführen kann. Momentan ist es wichtig, dass wir uns nicht in einer Art Verein organisieren, sondern jeder erst einmal für sich guckt, wo er helfen kann und wie. Der Rest wird sich über die Zeit finden, hoffentlich noch in diesem Jahr. Wir arbeiten dran.

2. Durch die geleisteten Stunden für das PAL-Projekt wird de facto Geld geschaffen. Das funktioniert ganz einfach. Im Moment machen wir das so, dass wir diesen Vordruck den Ansprechpartnern des Pflegeheims geben – in unserem Fall die Verwaltungsmitarbeiter – und diese Namen, Tag und geleistete Stunden notieren und schließlich quittieren. Das reicht für den Anfang. Was später mit diesen Zetteln geschieht – später. Wichtig dabei ist nur, dass es sich um eine Organisation und nicht um eine Einzelperson handelt. Damit nicht irgendwann der Vorwurf im Raum steht, dass zwei Leute Geld schöpfen, indem sie sich gegenseitig Stunden bescheinigen. Auch wenn das im Moment noch keine Rolle spielt. Dieser Punkt ist immens wichtig.

3. Ich habe lange überlegt, wie wir mit den Leuten aus dem Fischer-Projekt verfahren. Den zu betreuenden Einzelfällen, die unter 2. explizit ausgeschlossen sind. Vielleicht fällt uns dazu später noch eine bessere Lösung ein, aber im Moment ist es wohl das Sinnvollste, diese Leute als Zugewinn für das gesamte Projekt zu betrachten.
Ein Beispiel: wir haben in der letzten Woche einer Frau ein paar Schränke abgeholt, die das nicht selbst konnte. Natürlich können wir nicht hingehen und uns das bescheinigen lassen. Sonst haben wir am Ende tausend Zettel, von Vätern, die ihren Söhnen bescheinigt haben, ihr Auto gewaschen zu haben. Oder den Rasen gemäht. Oder die Oma besucht.
Doch die Frau hat uns angeboten, etwas für uns zu tun (hier geht es schon in Sachen Tauschring), zum Bespiel Behördenschreiben erledigen, falls so etwas ansteht, und das wird es bestimmt auf kurz oder lang. So haben wir die Schränke zwar umsonst geschleppt. Aber womöglich eine Unterstützerin hinzugewonnen. Und das ist doch auch was.

Abschließend möchte ich noch eine Sache sagen: Auch wenn ich den ganzen Rotz hier mache, weil ich die Hoffnung habe, dass uns das Allen weiterhelfen wird. Für die Zukunft. Und das irgendwie ein ziemlich egoistischer Wunsch ist. Kann ich Euch aus eigener Erfahrung sagen, dass es ein erhebendes Gefühl ist, anderen Menschen zu helfen. Zu sehen wie sie sich freuen. Wie man etwas bewegt. Wie sich etwas bewegt. Das, das kann ich Euch versichern, macht echt glücklich. Auch wenn Glücklichsein doch irgendwie schon wieder ziemlich eigennützig ist.

Eins der bemerkenswertesten Bücher, die ich gelesen habe, ist Guy Kawasakis inzwischen leider vergriffenes Gesetze für Revolutionäre, dessen zweites Kapitel überschrieben ist mit:
Don´t worry, be mies (engl. Don´t worry, be crappy). Was Kawasaki in dem Kapitel sagt ist, dass man mit einem Projekt erstmal starten soll, auch wenn es am Anfang womöglich chaotisch ist und unzureichend. Denn das was man an Feedback bekommt, wenn man sich den Realitäten (bei Kawasaki: des Marktes) stellt, ist wertvoller als alle hochtrabende Planung und Theorie. Und eine unschätzbare Hilfe, wenn man sich verbessern will. Ironischerweise ist das auch einer der Hauptkritikpunkte, die ich den von mir so oft schon gescholtenen Linken vorwerfe: Dass sie in ihren Zirkeln sitzen und sich darin gefallen, schöngeistige Reden zu schwingen. Statt aufzustehen und mehr zu tun als hin und wieder wahlweise gegen Hartz IV oder irgendwelche Nazi-Vollidioten zu demonstrieren.

Aber weg von den Linken, hin zum PAL-Projekt. Für das derselbe Grundsatz gilt von Beginn an. Don´t worry, be mies. Um uns das Ganze noch einmal in Erinnerung zu rufen: Mitte letzten Jahres hat das ganze begonnen mit dem Fischer-Projekt, einer einmaligen Sache, bei der wir Frau B. Bett und Küche gebaut und die Wohnung mal aufgeräumt haben. Im Verlauf dieser Aktion entstand die Idee, diese Art der Bedürftigen-Hilfe dauerhaft zu etablieren. Also haben wir uns ein Altenheim gesucht, und sind mit den gehbehinderten Leuten dort einmal in der Woche Enten füttern gegangen. Die geleisteten Stunden wurden – und werden – von der Altenheim-Verwaltung dokumentiert und alle Helfenden bekommen ¥€$-Punkte für ihre Arbeit. Damit war das PAL-Projekt geboren (dessen Name sich ursprünglich auf Douglas Adams’ Buch Per Anhalter durch die Galaxis bezieht und zuerst als Witz gedacht war). Und nun, ein Jahr später, schreibt mich eine mir nicht bekannte Person an, Miss Me Too, und fragt, inwiefern man das Projekt auf andere Hilfsbedürftigen-Gruppen übertragen könne. Unabhängig von den zig Leuten, mit denen wir in der Zwischenzeit darüber geredet haben, und die alle mehr oder minder begeistert sind von der Idee. Dazu kann ich nur sagen: Hammer. Und dass es mich echt freut, dass sich wirklich was bewegt. Wenn auch noch ziemlich chaotisch. Und in Tip-Top-Schritten.

Nehme ich Miss Me Toos Kommentar daher zum Anlass, um eine Zwischenbilanz zum PAL-Projekt zu ziehen, und zusammenzufassen, was sich aus unserer Arbeit und allen Gesprächen, die wir zwischenzeitlich geführt haben, ergeben hat:

1. Die Situation dürfte jedem klar sein, dennoch eine kurze Prognose: ohne Schwarze Schafe an die Decke malen zu wollen, aber: Das System wie wir es kennen schlittert dem Untergang entgegen. Wie ich bereits an anderer Stelle ausgeführt habe, wird das Zinssystem und die damit zusammenhängende Staatsverschuldung auf kurz oder kürzer dazu führen, dass unser Staat und alle übrigen Staaten unter den Zinslasten und Schuldenbergen zusammenbrechen wird. Wie es in Griechenland bereits geschehen ist – und trotz der Billionen und Billiarden, die sie jetzt auf Pump (!) in den Markt blasen. Zu diesen monetären Problemen kommt eine systemimmanente Sockelarbeitslosigkeit, die – bedingt u. a. durch die Entwicklung hin zur Dienstleistungsgesellschaft – den Effekt hat, dass es nicht genug (bezahlte) Arbeit gibt, um alle arbeitsfähigen Menschen zu beschäftigen. Was neben einem offensichtlichen Allokationsproblem vor allem das Problem mit sich bringt, dass Menschen innerhalb der Gesellschaft ausgegrenzt werden, sozial und vor allem ideell.

2.  Was das zur Folge hat – wer weiß? Jedenfalls wird es nicht mehr lange so weitergehen. Ich lese grade ein Buch mit dem Titel: Wann kommt der Staatsbankrott? Gedruckt 1982. Also, das wird nicht mehr lange dauern. Ich glaube, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass es wahrscheinlich schlimmer wird als besser. Was auch immer das heißt. Und dass insbesondere für soziale Dienste immer weniger Ressourcen zur Verfügung stehen werden. Siehe bspw. das Sparpaket. Das leider auch nicht helfen wird.

3. Fassen wir also zusammen. Auf der einen Seite haben wir eine überalternde Gesellschaft, die sich weder ausreichend um die Alten noch ausreichend um den Nachwuchs kümmern kann, und die zwar Ressourcen zur Verfügung stellt, um ihre Kranken und Pflegebedürftigen hinreichend mit Medikamenten und ärztlichen Leistungen zu versorgen. Sonstige – nennen wir sie einmal gefühlsduselig menschliche – Leistungen aber immer weiter zurückschraubt, weil schlicht kein Geld da ist. Auf der anderen Seite steht unserer Gesellschaft ein größer werdender Pool an Menschen zur Verfügung, die (im Großen und Ganzen) arbeitswillig und arbeitsfähig sind, für die es jedoch systembedingt immer weniger Arbeit gibt und geben wird. Zum Dritten leben wir innerhalb eines Wirtschaftssystems, das zusammenzubrechen droht und niemand vorhersagen kann, was dann passieren wird.
Im August 1939 noch war sich – trotz des hitlerschen Säbelrasselns und der deutschen Annexion ganzer Länder – kaum ein Mensch des sich abzeichnenden Krieges bewusst. Schlicht weil Menschen insgesamt dazu neigen, den bestehenden Zustand als gegeben zu akzeptieren. Und auf das Beste zu hoffen. Wollen wir nun hoffen, dass es nicht zu (Bürger-)krieg und Verteilungskämpfen kommt, wenn das System zusammenbricht. Wenn wir plötzlich vor leeren Supermarktregalen stehen und kein fließendes Wasser mehr aus der Leitung kommt. Weil auch die Zahlungsströme versiegt sind.

4. Das PAL-Projekt oder das dahinterstehende Prinzip kann helfen, die unter 3. genannten möglichen Effekte zu dämpfen. Hauptsächlich weil es Hilfebedürftige und Hilfewillige zusammenführt. Daneben aber, weil es ein Parallelsystem (ein komplementäres Wirtschaftssystem) befördert, das unabhängig existiert vom regulären Geldmarkt. Sollte es auf diesem dann zum Zusammenbruch kommen, können die durch ein solches Netzwerk entstanden Organisationsstrukturen helfen, das System der notwendigen gegenseitigen Hilfe (Arbeitsteilung) aufrecht zu erhalten.

5. Das Prinzip selbst ist denkbar einfach. Man geht hin und hilft irgendwelchen hilfebedürftigen Menschen. Fertig ist der Lack. Doch natürlich ist es so einfach dann doch nicht. Zum einen weil, wie Miss Me Too richtig bemerkt, man in Konkurrenz tritt zu anderen Pflegeinstitutionen. Das wird im Moment noch kein Problem sein, weil wir Wenige sind. Aber zunehmend problematisch, wenn das Projekt ins Rollen kommen sollte. Schließlich gibt es immer nur einen Kuchen zu verteilen. Und das bezieht sich auch auf die Pflege.
Ich werde das an andere Stelle vertiefen, der Artikel ist ohnehin schon viel zu lang. Außerdem werden sich damit am Ende eher Anwälte auseinandersetzen. Auch andere Probleme, nämlich vor allem das Problem der Geldschöpfung (die ¥€S-Punkte sind und wären eine komplementäre Währung) und das damit in Zusammenhang stehende Problem der Schwarzarbeit kann und soll hier nicht behandelt werden. Ich verspreche aber, das so schnell wie möglich auszuführen.

Insgesamt geht es und muss es darum gehen zu helfen. Das ist der Kern der ganzen Angelegenheit.  Und wenn das ganze am Ende nichts bringt, das PAL-Projekt scheitert, die dämlichen ¥€$-Punkte und all die kilometerlangen Ausführungen und Überlegungen nirgendwohin führen und in einem Jahr schon niemand mehr davon redet. Haben wir am Ende ein paar alten Leuten einen schönen Tag am See geschenkt und mit ihnen die Enten gefüttert. Und wenn es auch nur eine Stunde war.

Dann hat das Alles was gebracht.

Jun 18

Ego altro

Posted by agnieszka in Alles wird Gut, Das Netzwerk

“Wenn man sich zu sehr im eigenen Leid suhlt, sollte man anderen helfen”, sagte eine Freundin heute vormittag zu mir und zitierte damit Napoleon Hill. Einigen seiner Theorien gegenüber bin ich etwas skeptisch eingestellt, aber diese kann ich unterschreiben. Nicht, dass es mir elendig gegangen wäre, der Morgen war leicht von einer gewissen Unruhe und unerklärlicher Trauer eingenebelt, aber suhlen – das tat ich nicht. Und so weit wollte ich es auch nicht kommen lassen.

Was tun also? Endlich ein Versprechen einlösen, dass ich mir und einem Freund gegeben habe, und nachmittags ab ins PAL-Projekt, sprich ab ins Seniorenheim am Friedrichshain. Dort zusammen mit einer Freundin – wir beide leicht verspätet – zwei Menschen an den Griffen ihrer Rollstühle hinaus gerollt ins Grüne. Zwei Menschen, die sich nicht allzugut artikulieren konnten, die ihre Körper kaum bewegen konnten, zwei Menschen von der Sorte, von der man meistens nicht weiß, wie man ihnen begegnen soll, wenn sie einem auf der Strasse begegnen, geschweige denn ansprechen würden.

Verständlich war ihre Sprache kaum, und doch habe ich das meiste verstanden. Ich war zunächst unsicher, ob ich auch alles richtig mache, ob die das auch wirklich wollen, sind ja schließlich fremde Menschen, Menschen vor allem, mit denen man genauso lernen muss umzugehen wie mit jedem anderen.

"Alte Frau" - Matthias Klemm

Die Unsicherheit hielt mich nicht auf und war erstaunlich schnell verflogen. Im Park stießen wir auf den Rest der Gruppe, insgesamt ca. 10 ältere Menschen, die an einen Rollstuhl gefesselt sind, ihre “Schieber”, die zum Teil aus Betreuern und zum Teil aus Freiwilligen bestanden,  und zu guter Letzt eine Gruppe Kinder, die hinter uns her laufend Lieder gesungen haben. Eine Stunde. Mehr war es nicht. Eine Stunde, in der ich Frau X an die frische Luft gebracht habe, in der ich verstanden habe, dass sie sonst nur auf dem Balkon sitzt und es da nicht so schön ist, dass ich ihr die Strickjacke ausziehen soll, weil es zu warm ist, und am Ende derer ich gewusst habe, dass ich am genau richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt war.

Und dass ich wiederkommen möchte. Es ging mir besser. Egoismus? Schon. Wer sagt aber, dass sich Egosimus und Altruismus immer in die Quere kommen müssen? Für alle also, die es ausprobieren wollen: jeden Donnerstag, 16 Uhr, in der Seniorenresidenz Ambiente, Am Friedrichshain 18. Oder im Heim Ihres Vertrauens.

Jun 10

Tausche Tausch gegen Ring

Posted by me in freigeld.org

Ich war vorgestern mit zweieinhalb Vegetariern in Eggesin, einem 5.000 Einwohner zählenden Dorf unweit der Ostsee und nahe der polnischen Grenze. Wir waren dort, um uns – wie wir uns erhofft hatten – ein paar praxisnahe Anregungen zu holen zur Fureia-Kippu-Idee von der wir glaubten, dass sie dort am nord-östlichen Zipfel der Republik unter dem Begriff Zeitbank bereits umgesetzt wurde. Leider stellte sich nach einem unglaublich herzlichen Empfang mit Bratwurst und Kartoffelsalat heraus, dass dem nicht so war. Und die selbst betitelte Zeitbank Vorpommern nichts anderes war und ist als ein “gewöhnlicher” Tauschring, wie es sie in unserer Karottenrepublik (Bananen wachsen hier ja leider nicht) vielerorts seit langer Zeit gibt.

Dem bereits mehr als einmal hier auf der Seite gelandetem Leser schwant Schlimmes – es geht mal wieder ums PAL-Projekt. Denn genau diesem Interesse galt mein Besuch, herauszufinden, wie sich ein generationenübergreifendes Projekt, das Hilfebietende und Hilfesuchende zusammenbringt in die (verwaltungsspezifische) Tat umsetzen lässt. Und wie eingangs schon aufgedröselt war dieses Ansinnen vergebens, da sich die Aktivitäten der vorpommerschen Zeitbanker darauf konzentrierten, sich gegenseitig Nachbarschaftshilfe zu geben und Zeit (bspw. für Gartenarbeit) gegen Zeit (bspw. für Computerunterweisung) zu tauschen. Jetzt habe ich in zwei Absätzen zweimal dasselbe erzählt.

Und doch aus dem Besuch und dem mehr als zweistündigen Gespräch einiges für die Umsetzung des PAL-Projektes mitgenommen. Zum ersten die Bestätigung, dass es dort draußen eine Unmenge an Menschen gibt, die einander helfen wollen, die Welt verbessern wollen, ihren Teil tun wollen, dass der – salopp gesagt – ganze Rotz etwas langsamer in die Binsen geht. Zum zweiten dass es in einer alternden Gesellschaft immer mehr Menschen gibt, die Hilfe brauchen, die immer seltener bezahlbar wird. Von Altersarmut war gestern die Rede und alten Frauen, die sich nicht mehr allein helfen können und niemanden haben, der sich um sie kümmert. Und davon, dass es immer mehr solche Menschen gibt.

Außerdem mitgenommen habe ich die Gewissheit, dass das PAL-Projekt – sofern es nicht ein bloßes me-Projekt bleibt – mit dem geringsten bürokratischen und verwaltungstechnischen Aufwand realisiert werden muss wie irgendwie geht. Zum einen, weil man sowohl Helfewillige als auch Hilfebedürftige abschreckt, wenn man ihnen zur Begrüßung erstmal mit einem Antragsformular B23-ZBV vor der Nase rumwedelt. Zum anderen weil der Staat – aus nicht unberechtigter Sorge vor Schattenwirtschaft – ein genaues Auge lenkt auf Organisationen, die in Vereinen und ähnlichem zusammengefasst sind. Zum weiteren, weil es einfach viel zu kompliziert ist.

Wenn ich Euch erzählen müsste wie kompliziert (sorry, Morena) es sich anlässt, wenn Tauschringe Zeitkonten einrichten. Meine Herren. Bei dem Gedanken daran schlaf ich schon ein. Da geht es um Negativsalden für in Anspruch genommene Leistungen. Um Einlagen, die nicht rückzahlbar sind, wenn der oder die Betreffende mit einem Defizit aus der Gemeinschaft austritt. Um komplizierte Mechanismen, die vor allem eins verhindern sollen: das (selbst von der Wissenschaft) so genannte Trittbrettfahrer-Phänomen möglichst auszuschließen.

Und so hab ich auch meine wichtigste Erkenntnis aus diesem Gespräch mitgenommen: Das von den Tauschringen fast für heilig erklärte Nullsummen-Spiel funktioniert dem Prinzip nach zwar. Doch scheitert es in der Praxis, wenn man überregionale Effekte anstrebt. Bzw. über einen gewissen Kreis an Leuten hinauswachsen will, die nicht in irgendeiner Form entweder Idealisten sind oder schlicht Homies, Buddies oder sonstwelche Freunde.

Wenn man etwas erreichen und die Leute auch noch davon überzeugen will, dass man das Richtige tut, muss man in Vorleistung treten. Davon bin ich fest überzeugt. Einfach so. Ohne weitere Ansprüche. Ohne Zeitkonten. Vor allem ohne Geld. Ein paar Menschen helfen. Und hoffe, dass andere dem Beispiel folgen. Das kann wirklich einfach sein. Und da kann auch das bundesdeutsche Finanzamt nix wirklich dagegen haben. Hoffe ich zumindest.

Und vielleicht lässt sich dieses System tatsächlich durchsetzen und wir schaffen ein generationsübergreifendes Prinzip wie es in Japan seit Jahren funktioniert – zum Wohle aller Beteiligten. Oder auch nicht. Dann haben wir ein paar Bedürftigen geholfen. Ein paar Menschen, die nicht mehr selbst in den Park gehen können zum Ententeich gerollt oder so. Mal einfach was Nettes getan. Und das ist ja auch nicht ganz so Scheiße. Wie es sich vielleicht anhören mag.

Im Großen und Ganzen bin ich mit enormer Zuversicht gesegnet, schaffe es mühelos, mich aufraffen und die Dinge zu tun, von denen ich glaube, dass sie richtig sind, und bin trotz aller Widerstände überzeugt, dass diese Dinge einen Sinn ergeben – zumindest irgendwann. Und doch zweifle ich manchmal, hadere mit mir, frage nach der Sinnhaftigkeit meines Lebens im Gesamten und der Quelle für diesen seltsam anmutenden Zwang, etwas Besonderes erreichen zu wollen.

Ebenso wie jetzt. Wo viele Dinge im vagen liegen, die viel Energie und Zeit kosten und von denen nicht mal im Ansatz erkennbar ist, ob sie überhaupt irgendwohin führen. Eher noch vermuten lassen, dass sie überhaupt nirgendwohin führen – außer zur Verschwendung von unendlich viel Zeit und Energie. Wie zum Beispiel das PAL-Projekt.

Wenn ich die Massen mir ansehe wie sie am 1. Mai in Berlin rumlungern und wahlweise gegen das Schweine-System, den Bullen-Staat, den Kapitalismus als solchen und die große, böse Welt im Allgemeinen zu demonstrieren. Dann frage ich mich, ob die nichts Besseres zu tun haben. Und was sie glauben, damit bezwecken zu können.

Ich glaube, dass es eine Menge Menschen gibt, die mit den herrschenden Zuständen unzufrieden sind. Und von denen nur die Wenigsten wissen, was man dagegen unternehmen kann. Und auch wenn die Meisten dieser für gewöhnlich Linken immer um das große Ganze geht, die Weltrevolution, das Großkapital, die Internationale, frage ich mich dennoch, warum man nicht wenigstens ein paar dieser selbsterklärten Weltverbesserer zu einer kleinen Veränderung motivieren kann.

Im letzten Jahr haben wir versucht, das PAL-Projekt auf die Beine zu stellen. Wobei es sich – meines Erachtens – um eine ziemlich einfach, einleuchtende und sehr, sehr gute Idee handelt. Ausgehend von der japanischen Idee des Fureai Kippu war die Überlegung, ein paar hilfsbedürftigen Menschen zu helfen. Wogegen ja erst einmal nichts spricht. Um dann die im Sinne der “Allgemeinheit” abgeleisteten Stunden festzuhalten und eine Art Stunden-Konto einzurichten. Auf das könnte dann – sofern sich dieses System längerfristig trägt – zurück gegriffen werden, wenn man selbst einmal hilfsbedürftig würde. Dann käme jemand anderes und würde sich um einen kümmern.

Eine plausible, einfach Idee, die in Japan längst Schule gemacht hat. Darüber hinaus könnte man die geleisteten Stunden mit einem Gegenwert bewerten und diesen Gegenwert – in Einheiten ausgedrückt – als eine Art Geld etablieren, um Dienstleistungen einzukaufen. Wie es in den so genannten Tauschringen überall auf der Welt geschieht. Wenn man dann noch jene Leute involvieren könnte, für die das Schweine-System, in dem wir Schweine leben, keinen Platz mehr bietet – die Sozialhilfe- und Hartz-IV-Empfänger und all die anderen, die “hinten rübergekippt sind”. Dann hätte man verdammt viele Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Hilfsbedürftige mit jenen zusammen gebracht, die zwar Hilfe anbieten könnten, aber sich ihrer Bedeutung nicht bewusst sind. Einem System auf die Beine geholfen, das möglicherweise hilft, die soziale Versorgung in Deutschland zu verbessern. Und nebenbei  noch eine so genannte komplementäre Währung etabliert, die hilft, die Effekte der – allgemein und vielerorts so bezeichneten – Finanzkrise bzw. der generellen wirtschaftlichen Entwicklung abzumildern.

Tja, hört sich nicht schlecht an. Find ich zumindest. Aber glaubt nicht, dass jetzt nur einer aufstünde und schrie: Ja, ich bin dabei! Stattdessen bleiben sie alle sitzen, schwadronieren in ihren Zirkeln über den Weltfrieden. Und gehen bei der nächsten Demo mit. Wenn es sich einrichten lässt. Man will ja schließlich was bewegen.

Das PAL-Projekt geht in die nächste Runde. Wer donnerstags zwischen 16.00 und 17.00 Uhr Zeit hat, kann gerne in die Senioren-Residenz Ambiente kommen, Am Friedrichshain 18. Dort gehen wir mit gehbehinderten Alten eine Stunde die Enten füttern.

Um zu demonstrieren.

Wie einfach es ist.

Jul 24

Eine Küche für Frau B.

Posted by me in freigeld.org

Nur, damit wir nicht den Eindruck erwecken als würden hinter der Filmerei und dem übrigen Käse das Fischer- und PAL-Projekt auf der Strecke bleiben:

Zwischenzeitlich organisieren wir gerade den Um- bzw. Aufbau der Küche von Frau B., denn die Gute hatte weder Arbeitsplatte noch Waschbecken – nicht einmal nen Wasserhahn. Daher hat Leo, unser projektinterner Gas-Wasser-Installateur, sich bereit erklärt, Frau B. eine ordentliche Küche zu verpassen – Danke an dieser Stelle noch einmal dafür, Leo.

Wir sind zwar noch nicht fertig, aber es sind zumindest schon Fortschritte erkennbar, und in den nächsten Tagen werden wir wohl damit fertig werden.

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Daneben läuft das PAL-Projekt, zu dem ich leider sagen muss, dass die anfängliche Begeisterung schnell in Ernüchterung umgeschlagen ist. Zwar sind seit Beginn des Projektes jeden Dienstag mindestens zwei von uns zum Rollstuhl-Schieben da gewesen, doch wir brauchen immer noch Leute, die bereit sind, dienstags eine Stunde ihrer Zeit zu opfern, um ein paar Alten Leuten ein wenig “Auslauf” zu verschaffen. Als Anreiz sollen die folgenden Bilder dienen:

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Wenn Ihr also dienstags Zeit habt oder Leute kennt, die Bock darauf haben, bitte um 15.45 Uhr in die Seniorenresidenz Ambiente (am Friedrichshain 18) schicken. Ist kein großes Ding. Und wir freuen uns über jede tatkräftige Hand – und die alten Leute erst Recht.

Manchmal ertappe ich mich dabei wie ich stumm vor mich hinstarre und mir dabei denke, wie sinnlos – oder sagen wir mal – nicht so wichtig, viele Dinge im Leben sind. Eigentlich kreist alles nur um ein paar elementare Dinge, Liebe gehört nach ganz oben. Und dann denke ich noch, dass ich ein Loch im Herzen habe, das ich gern gestopft wissen möchte. Denn seien wir mal ehrlich, wenn man geliebt wird, ist das wunderbar, aber Liebe zu geben ist noch einen Zacken besser.

Und besonders oft denke ich das bei alten Menschen: von der Gesellschaft nicht selten einfach nicht beachtet, der Partner tot, die Kinder haben viel zu tun… Und darum bin ich dem Aufruf von “me” gefolgt und habe letzten Dienstag zum ersten Mal beim PAL- Projekt mitgemacht.

Alle anderen Helferlein und ich haben uns um 15:45 Uhr in der Seniorenresidenz am Friedrichshain getroffen und dort standen sie schon, die Omis und nur ein Opi im Rollstuhl, bereit, die Gegend zu erkunden und endlich mal wieder an die frische Luft zu kommen. Sie konnten es kaum erwarten und ich muss gestehen, ich hatte ein bisschen Schiss bei den ersten paar Metern. Mach ich alles richtig oder kentert der Rollstuhl vielleicht?

Die Sonne meinte es gut mit uns, und so landete die ganze Armada von Rollstühlen samt Senioren im Park am See – um zu chillen. Es wurde in der Sonne gesessen und altes Brot an die alten Herrschaften verteilt, die es dann an die Enten verfütterten. Es war sehr harmonisch und fast ein bisschen ulkig, wie sie so dastanden in Reih und Glied in langen Pullovern (alte Menschen frieren viel leichter) und direkt daneben Kinder, nicht älter als 3 oder 4. Ein Bild was man zu selten sieht, leider. Denn es dürfen immer nur so viele alte Menschen in den Park, wie Helfer da sind, denn es gibt sonst keinen, der die Rollstühle schiebt, außer dem Personal. Und das zählte beim letzen Mal ganze drei Personen.

Daher: wer Zeit hat am kommenden Dienstag um 15.45 Uhr, den möchte ich bitten mitzumachen und zur Seniorenresidenz am Friedrichshain 18 zu kommen. Es dauert nur eine Stunde. Und Sonne bekommt man gratis dazu.

Ich hoffe, wir sehen uns.

Jun 23

PAL has left the building

Posted by me in freigeld.org

Heute ist es gestartet, das PAL-Projekt.

Wir waren in der Seniorenresidenz Ambiente und haben den Betreuern dabei geholfen, mit den alten Menschen spazieren zu gehen, da die meisten mit dem Rollstuhl geschoben werden müssen.

Bis jetzt können leider nicht alle Bewohner an dem Spaziergang teilnehmen, weil nicht genug Kräfte da sind, die sich schieben können. Einer Frau, die gerne mitgekommen wäre, musste die Betreuerin leider vertrösten, da sie bereits letzte Woche dabei war.

Das ganze findet jeden Dienstag um 15.46 Uhr statt und dauert ungefähr eine Stunde. Und da so viele Leute gebraucht werden, wie sich finden lassen, bitten wir Euch: Kommt nächsten Dienstag einfach zur Seniorenresidenz, Am Friedrichshain 18 und macht einfach mit. Und wenn Ihr selbst nicht könnt, vielleicht kennt Ihr jemanden, der Zeit hast.

Bis nächsten Dienstag also.